Zerreißprobe als Fachkraft

Ich bin Fachkraft. Ob ich es glauben will oder nicht. Egal. Es ist einfach so. Ob ich will oder nicht. Das Schülerdasein war nur befristet. Jetzt ist alles anders. Wie es das Leben als Fachkraft nun so will, bin ich auch dazu verdonnert Entscheidungen zu treffen oder mich mit Eltern außeinander zu setzten.

Ich sage es euch, manche Eltern sind anstrengend. Ernsthaft. Erwartungen über Erwartungen. Es geht hier schließlich um ihr Kind. Manch andere wiederum, sind sehr umgänglich und verständnisvoll, wenn etwas nicht immer ganz so klappt oder zu 100 Prozent.

Manche sind leider Gottes sehr eigensinnig. Können nicht nachvollziehen, dass noch weitere Bewohner dort leben und Aufmerksamkeit vom Betreuungspersonal fordern und auch brauchen. Den anderen auch Zeit zusteht.

Für die Art von Eltern, steht nur das eigene Interesse und das Interesse des Kindes im Fokus. Als Fachkraft steht man da irgendwie zwischen den Fronte. Einsicht seitens dieses Art von Eltern selten vorhanden. Wenn überhaupt. Es steht lediglich das eine Kind im Mittelpunkt, alles muss sich um diesen Bewohner drehen und wenn Bewohner xy etwas möchte, muss das Personal sofort alles stehen und liegen lassen und springen. Andernfalls erwartet einen, ein ggf. erboster Anruf der Mutter, die einem am Telefon erklärt, dass ihr armer Sohn vernachlässigt würde, bereits mehrfach bei ihr angerufen hätte und man doch gefälligst jetzt sofort auf der Stelle und sowieso etwas mit ihm machen muss. Und das gefälligst 2 Stunden.

Hier steht man dann wieder da, wurde überrumpelt, überrannt. Einem wurde wieder einmal an den Kopf geschossen, was man zu tun hat. Man soll aus derer Sicht wieder einmal alles stehen und liegen lassen und soooofort etwas unternehmen. Tja…wird schwierig, wenn man nicht gerade überbelegt ist an diesem Tag.

Ich mag meine Arbeit. Wirklich. Die Entscheidung die ich hier getroffen habe, die Stelle zu wechseln, war die beste die ich treffen konnte. Dennoch holt mich immer wieder etwas ein, was ich nicht nachvollziehen kann und ein Stückweit gegen meine Prinzipien ist. Gegen meine Einstellung.

Was ich für eine Einstellung habe? Tja…es wohnen dort noch weitere Menschen mit Behinderung, die genauso ein Recht darauf haben, etwas von mir zu wollen. Mit mir etwas zu unternehmen oder einmal raus zu gehen. Das Recht darauf das es auch mal um sie geht und man sich auch intensive einmal mit den anderen beschäftigt. Es kann aus meiner Sicht nicht angehen, dass es sich grundsätzlich und sowieso nur um diese eine Person dreht. Die Person im Mittelpunkt steht und alles rennt wenn er einen Piep macht. Die Einstellung vom Elternhaus kann ich dementsprechend auch nicht nachvollziehen. Aus meiner Sicht ist es nicht immer zu Hundert Prozent machbar, immer sofort und ewig etwas mit Person xy zu unternehmen. Leider können es Eltern und Kind nicht nachvollziehen. Nicht verstehen. Ich frage mich manchmal, wollen sie nicht oder können sie es nicht?

Meine Einstellung teilen nicht alle. Einige schon, manche wiederum nicht. Manche lassen tatsächlich alles stehen und liegen um sich mit Person xy zu befassen. Ich gehöre jedoch nicht dazu. Jeder muss lernen auch einmal zurückstecken zu können. Jeder muss auch irgendwann lernen, dass er nicht immer im Mittelpunkt steht und es sich nicht immer nur um ihn dreht. Jeder musste irgendwann  lernen, dass man sich auch auf gewisse weise selbst beschäftigt. Leider habe ich das Gefühl, dass xy zu den Wenigen gehört, die das nicht können oder nie gelernt haben.

Manchmal strengt mich das Leben als Fachkraft an. An manchen Tagen, die wieder besonders intensiv waren, komme ich angespannt und genervt nach Hause. Häufig bin ich dann auch sehr ausgelaugt und müde. Weil sich Person xy wieder extrem auf mich fixiert hat. Permanent auf mich ging. Mir ständig das selbe erzählt hat. Auch wenn andere Betreuer im Raum waren. Manchmal habe ich das Gefühl, nie genervt sein zu dürfen. Ich muss mich ab und an zusammen reißen nicht genervt zu sagen xy soll mich einfach mal in Ruhe lassen. Sich selbst beschäftigen. Oft kommt er mir auch sehr nahe. Distanz ist für xy ein Fremdwort. Eine Grenze wird überschritten. Hält mich hin und wieder am Arm fest. Entziehe ich mich, oder gehe ich weg, rückt xy mir wieder auf die Pelle. Wahrscheinlich ohne es böse zu meinen. Dennoch versteht xy nicht, wenn ich sage das ich nicht angefingert werden möchte. XY abstand halten soll. Versteht xy es nicht oder will xy es nicht verstehen? Tut xy dies mit Absicht, dicht vor mir zu stehen oder meinen Arm fest zu halten oder mir vielleicht sogar den Durchgang zu versperren? Ich weiß es nicht. Nach einem Wochenenddienst (ca. 20 Stunden über das Wochenende) bin ich meist wirklich geschafft und will meinen Frieden haben. Es wird wohl noch ein Langer weg.

Ein langer Weg xy klar zu machen, dass ein bestimmter Abstand zu mir einzuhalten ist, damit meine Grenze nicht überschritten wird. Ein langer Weg, bis verstanden wird, dass es sich nicht nur um die Person xy dreht. Auch andere Aufmerksamkeit brauchen und fordern. Ein langer Weg, bis Eltern und Kind das verstehen.

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2 Gedanken zu “Zerreißprobe als Fachkraft

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