Wenn man Fachkraft ist und nicht genervt sein sollte

Ich habe bereits einmal über Person xy berichtet. Person xy, hat eine mehrfach Behinderung. XY hat eine körperliche, geistige und sogar seelische Behinderung. Also volle Breitseite. Nun gut. Wobei manch ein Mensch mit Behinderung, dankbarer und zufriedener sein kann als manch einer von uns. Manche können aber auch bösartig sein. Nein nicht bösartig, frustriert oder so klingt evtl nicht ganz so negativ.

Dennoch begab es sich, dass Person xy, bereits am Wochenende merkwürdige Anwandlungen hatte. Sich gelangweilt hat, nicht sofort jemand reagierte, die Mutter mehrfach anrief, die Mutter wiederum bei uns und so weiter und sofort. Soweit bis sich Person xy, immer wieder mit der flachen Hand oder der Faust selbst schlug. Super dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt, was soll das? Eine Kollegin meinte daraufhin, dass dies meist ein Vorwarnzeichen für eventuelle Wutausbrüche sein kann.

Wie ich das inzwischen nach ein paar Tagen, auch mit Abstand, sehe? Anders. Es mag durchaus sein, dass Person xy, diese Eigenaggression als Vorwarnzeichen für Wutausbrüche hat. Auf der anderen Seite sehe ich jedoch auch, dass es ggf. ein ausspielen und/oder ausnutzen der Betreuer ist. Ein Spielchen, um zu sehen wie weit kann ich bei dem und dem gehen?

Schlage ich mich, bekomme ich Aufmerksamkeit. Egal in welche Form. In Beruhigend oder auch vielleicht irgendwann mal als pampig. Aufmerksamkeit wird dadurch jedoch bei den Betreuern geweckt. Kürzlich probierte ich etwas aus. Ich saß Person xy beim Mittagessen gegenüber. XY sprach an diesem Tag eher undeutlich oder sprach Mitarbeitern nur mit du an. Also keine gezielte ansprache. Dementsprechend könnte jeder am Tisch gemeint gewesen sein. Ich reagierte daher nicht auf xy. Wartete ab, bis er mich gezielt ansprach. Erst dann reagierte ich. Aus dem Augenwinkel sah ich mehrfach, wie er sich wieder selbst schlug. Schaute ich ihn an, wurde es erst kurz fester und hörte dann auf. Sofern er merkte das ich ihn anschaute. Teilweise hatte ich auch das Gefühl xy würde selbst auch aus dem Augenwinkel schauen, ob ich in irgendeiner Art reagiere. Reagierte ich nicht, weder durch schauen oder direktes ansprechen, endeten die leichten Schläge mit der Hand, meist von alleine ohne das die Intensität verstärkt wurde. Komisch.

In einer Situation bin ich mir aber relativ sicher, dass es kein Ausspielen war. Eher eine Reaktion des Trotzes, des beleidigt seins. Ein Kollege ermahnte XY, er solle noch mit dem Essen warten, bis alle etwas haben und am Tisch sitzen würden. Damit wir gemeinsam essen können. Dort wo ich arbeite, ist es nämlich normal, dass man zumindest beim Mittag- und Abendessen gemeinsam ist und auch gemeinsam anfängt. Beim Frühstück ist dies meistens etwas anderst, da es meist eher zerissen ist. Einige Schlafen noch (vor allem am Wochenende) andere wiederum essen erst später, haben keinen Hunger oder sind noch in der Pflege oder beim anziehen. Die Ermahnung, mit dem Essen zu warten, löste bei xy irgendetwas aus. Trotz? Frust? Beleidigt? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ein eher ungutes und unangenehmes Gefühl. XY schlug sich selbst.

Während dem Essen dachte ich mir, nicht nur bei XY, sondern auch bei einigen anderen (ich beobachte gerne), dass meist eher Geschlungen wurde. Reingestopft, als würde es kein morgen mehr geben und eine Hungersnot ausbrechen. Wo ist nur der Genuss geblieben? Ich musste mir den Spruch „Essen und nicht fressen“ verkneifen. Gut über die Hälfte hätte den Spruch nicht verstanden.

Manchmal bin ich abends einfach fertig. Fertig und genervt. Gerade von XY, wenn einer dieser Tage war, an denen xy auf mich ganz arg fixiert war und grundlegend bei jedem Pippifax auf mich zu kam, mir ein Ohr abkaute. Andere Mitarbeiter im Raum prinzipiell und sowieso ausgelassen oder ignoriert wurden. Man muss nicht jeden mögen, dass verlange ich nicht von den Bewohnern, aber ich selbst mag auch nicht jeden. Ich habe auch keine Lust mehrfach und tausende Male das selbe am Tag erzählt zu bekommen. Wen wundert es also das auch ich einmal genervt ächzte oder schnaufe? Auf andere Kollegen verweise? Dennoch ist es auf gewisse weise meine Pflicht als Fachkraft, unparteiisch an die Sache ran zu gehen. Jeden gleich zu behandeln und fair. Was ich aus meiner Sicht eindeutig tue, nur leider nerven einen manche Menschen mehr und manche eher weniger. Aber gut. Auch eine Fachkraft ist nur ein Mensch und ist irgendwann an einem Punkt wo sie stopp sagt oder sogar sagen muss.

 

Beste Grüße Ic

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