Die Longiererei und eine Meisterin des Veralberns.

Man hört ja immer wieder, Longieren ist eine tolle Sache zum dehnen und auch bewegen ohne große Belastung.

Ich nahm mir aufgrund dessen vor, ich würde meine Zicki mal wieder Longieren, da sie Muskeltechnisch einfach gerade nicht ganz so gut da steht, gerade was den Rücken angeht. Frau will ja keine Überlastung hervorrufen und erst mal wieder ein bisschen Muskulatur aufbauen, bevor sie den Sattel wieder drauf buchsierd.

Die Theorie ist ja schön und gut. Allerdings weiß ich, dass meine Zicki eine rapiede Abneigung gegen das Longieren hegt. Ich weiß das sie es kann, habe es aber über viele Jahre, ich gebe es zu, vernachlässigt und gar nicht gemacht. Dementsprechend habe ich jetzt seit gut einem Jahr die Kacke am Dampfen.

So halb zumindest. Zicki lässt sich auf Teufel komm raus nicht longieren. Hängt man sie ganz normal mit Halfter an die Longe, geht das im Schritt etwa 5 Minuten ganz gut. Dann beginnt das Theater. Zuerst dreht sie sich grundsätzlich mit der Vorderhand in die Mitte und guggt mich an, ganz nach dem Motto „Wir sind jetzt fertig“. Ich schicke sie raus, lasse sie eine weitere Runde laufen. Das selbe Spielchen wiederholt sich etwa 3 bis 4 mal, bis ich entschließe einen, eher unsportlichen, Handwechsel zu vollführen.

Genau wie auf der ersten Hand, vollführen wir einen eher merkwürdig aussehenden Longiertanz. Gehen wir über zum Trab, geht es meistens dann eine Runde und rums, plötzlich dreht sie ein und steht vor mir….bremst kurz vor knapp. Lässt sich nicht mehr raus schicken und verfolgt mich. Prima….Longieren für Dummis würde ich mal sagen.

Situationsabhängig, kommen Spielereien mit hinzu wie Buckeln, Steigen, plötzliches losgaloppieren und mich samt Longe mit ziehen, Austreten, auf mich zu Galoppieren und kurz vor mir bremsen.

Alles in allem, mein Pferd verarscht mich von vorne bis hinten wenn es ums Longieren geht. Gnadenloses Signalisieren, dass man keinen Bock hat. Sie würde mir im Grunde nichts tun, sie teilt mir nur sehr offensichtlich mit „Du kannst mich mal mit deiner Longenarbeit!“

Schnalle ich sie von der Longe ab und arbeite mit ihr mit einem normalen Führstrick und Halfter, ist sie wie ausgewechselt. Konzentriert, arbeitswillig, motiviert. Komisches Tier. Sämtliche Anschaffungen wie Gurt, Kappzaum und Ausbinder zeigen keinen Effekt.

Entweder gehe ich mit ihr nun irgendwann mal auf einen Reitplatz und hole mir meine Reitlehrerin dazu. Oder ich stecke auf der Koppel eine Art Rounddings ab und versuche es erst mal ohne Longe. Damit sie erst mal kapiert, was Sache ist.

Der kürzliche Versuch, sie wieder Richtung Longe zu bekommen schlug allerdings halb fehl. Mit meinem überdimensional langen Führstrick und Pferd im Schlepptau latschte ich los. Ich wollte ihr immer mehr Leine geben…während ich mit laufe. Stangen und pipapo mit eingebaut damit es nicht langweilig wird. Sobald die Leine jedoch eine gewisse Länge hatte, wurde ich von meinem Pferd durchschaut. Wir waren wieder an dem Punkt, an dem sie sich in die Mitte dreht und mich verfolgt. Einem keine Chance lässt sie zu longieren, auf mich zu spaziert und mich anpufft, nach dem Motto „machen wir was anderes?“

Meine Zicki ist schon was besonderes. Einzigartig und eigen. Manchmal auch etwas merkwürdig. Und eine Künstlerin im Veräppeln. Wobei sie das mit mir schon lange nicht mehr macht. Außer es geht ums Longieren.

Sie merkt das aber glaube ich auch, wenn jemand auf ihr sitzt, der relatiev unsicher ist. Da geht dann das Veräppeln richtig los. Stehen bleiben, umdrehen, mich verfolgen, Reiter ignorieren, Vollbremsungen, ganz wo anders hin laufen. Alles eine Tacktick des austestens und veräppelns.

Ich möchte allerdings noch bemerken, dass meine Zicki ein absolutes Verlasspferd ist. Auch wenn das Geschilderte nicht gerade danach klingt. Alles was nichts mit der longe zu tun hat, macht sie beinahe problemlos mit. Gerade im Gelände kann man sich auf sie verlassen 🙂

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Ein Gedanke zu “Die Longiererei und eine Meisterin des Veralberns.

  1. Bei so einem Theater einen Helfer hinzuzuziehen, klingt nach einer vernünftigen Idee. Abstecken würde ich persönlich keinen Roundpen. Der sollte aus Sicherheitsgründen schon immer fest installiert sein. Habe schon erlebt, wie ein Pferd in die Litzen gerauscht ist und die selbstgebaute Konstruktion mit sich gerissen hat. 😒

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