Die Sache mit der Elternarbeit

Wie man bereits von mir hörte, ich, das Fräulein, arbeitet in einer WG für schwerst mehrfach Behinderte Menschen. Zwei Stationäre Gruppen, für Menschen die einen sehr hohen Unterstützungs- und Pflegebedarf haben. 6 Appartments mit ambulant Betreuten, deren Unterstützungsbedarf etwas geringer ist, wobei das auch nicht immer zu 100 % zutrifft.

Was mich in Alltag in der WG immer wieder ereilt: ELTERNARBEIT. Diese gehört dazu, ob ich will oder nicht. Zumal die meisten Eltern unserer zu Betreuenden, die gesetzliche Betreuung für ihre Kinder haben. Heißt, sie sind deren Vormund. Wie bei Minderjährigen deren Eltern eben. Aber nur weil ein Mensch eine Behinderung hat, hat dieser nicht automatisch eine Betreuung. Solange der Betreffende noch minderjährig ist, haben die Eltern die Vormundschaft. Sobald das 18 Lebensjahr erreicht ist, läuft diese, wie bei jedem anderen auch, ab und der Betroffene ist im Grunde Herr der Lage.

Kurz um, die gesetzliche Betreuung muss beantragt werden. Über das Amtsgericht, wenn ich mich nicht ganz irre. Ein Gerichtshelfer oder Gerichtspfleger kommt dann auf Besuch, schaut sich den Betroffenen an. Es kommt zu einer Verhandlung, bei der auch der Betroffene anwesend zu sein hat. Der Richter macht sich ein Bild, ob eine Betreuung aufgrund der Behinderung notwendig ist. Der Betroffene, darf sich zu der Sache dann auch selbst äußern, sofern es ihm möglich ist. Die Betreuung ist dann, auf einen bestimmten Zeitraum befristet. Danach geht das ganze Zienober von vorne los. Anhörung, Verhandlung, Entscheidung. Könnte ja sein, dass sich innerhalb von 2 Jahren die Behinderung gebessert hat und der Betroffene gar keine Betreuung mehr benötigt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Im Grunde wollte ich auf die Elternarbeit hinaus. Das Eltern natürlich nur das Beste für ihr Kind wollen, ist klar. Aber, im Bereich der Behindertenarbeit, empfinde ich die Eltern oft als weitaus Anstrengender, als andere Eltern. Man muss jedoch unterscheiden.

Die Lockeren

Dieser Teil der Eltern ist zwar in der Unterzahl, jedoch trotzdem Vorhanden. Diese Gruppierung ist die Angenehmste von allen. Sie Befürworten so ziemlich alles, was man Fördertechnisch mit den Kindern vor hat. Gespräche verlaufen meist sehr harmonisch und entspannt. Sie möchte zwar gerne über einiges Informiert werden. Sehen vieles aber weitaus lockerer. Denn, ihr Kind ist nun erwachsen und führt ein eigenes Leben.

Die übervorsichtigen oder die, welche nicht loslassen können

Übervorsichtige Eltern gibt es überall.. Egal wo man hinsieht. Im Alltag merkt man es eigentlich wenig. Dafür um so mehr wenn diese anwesen oder am Telefon sind. Mehrfaches und ständiges nachfragen, wie es dem Kind geht. Ständiges hinterherrennen, und begutachten ob man wirklich alles macht. Ob Medikamente verabreicht werden, Betreuungsstunden eingehalten werden. Vieles wird in Frage gestellt. Ganz nach dem Motto, kann das mein Kind überhaupt?

Die Penentranten

Diese Gruppe der Eltern, ist eine der etwas schwierigeren. Teilweise auf dem Film „Mein armes Kind“, verhätschelnt und verziehend. Dem Kind jeden Wunsch erfüllend, es nichts selber machen lassen. Wobei man das eigentlich auch in die Vorherige Gruppe einpacken hätte können. Allerdings sind diese gegenüber den Betreuer teils ziemlich anstrengend. Regelmäßige Emails oder Anrufe, um zu erklären, wie man seine Arbeit zu tun hat. Ständiges erfragen nach diversen Umständen. Limiteinrichtung der Konten, damit ja nicht mehr als ein bestimmter Betrag pro Woche vom Konto abgehoben werden kann. (Nennt sich übrigens auch Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für den Betreuer, da dieser nicht gleich für 1 Monat im Vorraus das Geld holen kann um dieses Auszahlen zu können. Sondern man muss Wöchentlich zur Bank rennen um Geld zu holen). Permanentes Gefrage ob dies, dass und jenes schon erledigt wurde. Außerdem wird nicht mit jedem Mitarbeiter gesprochen, sondern nur mit ausgewähltem Personal.

Merkwürdige Ansichten die dem Kind eingeredet werden, eine eigene Meinungsbildung ist beinahe unmöglich. Anrufe, weshalb man sich mit dem Kind nicht beschäftigen würde, nachdem das Kind bei den Eltern angerufen und Tatsachen verdreht hat.

Die in Frage steller, oder selber macher

Wie ich diese Gruppe nun beschreiben soll, bin ich mir eigentlich noch nicht ganz klar. Im Grunde wird alles in Frage gestellt, was gemacht wird. Und sei es noch so ein kleiner Furz im Wind. Ganz nach dem Motte „Hätte das nun sein müssen, dass man neue Kleidung kauft.“ Begrenzung des vom Staat und der Werkstatt ausgezahlten Geldes auf ein Minimum. Sind sie schließlich die Betreuer und können das Geld verwalten. Anschaffungen die über einen bestimmten Betrag hinaus gehen, sollen sofort mit diesen besprochen werden. Meistens lautet die Antwort jedoch Nein, selbst wenn es sich um einen MP3 Player für 40 € handelt.

Arztbesuche, selbst in Notfällen, werden von diesen Selbst übernommen. Denn sie haben da ihren Arzt, den sie bereits seit Jahrzehnten besuchen. Ein Arztwechsel komme nicht in Frage. Selbst wenn es für die Eltern eine Erleichterung wäre. So wie für uns. Bei Auffälligkeiten oder dringenden Arztbesuchen, müssen oder wollen die Eltern informiert werden um zu entscheiden ob sie selbst gehen oder uns die Erlaubnis geben es durchzuführen.

 

Mein Fazit

Ich drücke mich liebend Gerne um diesen Bereich. Mag ihn nicht sonderlich gerne. Gerade dann nicht, wenn die Eltern als „schwierig“ eingestuft werden. Könnte vielleicht einfach auch daran liegen, dass ich ein komplett mieser Gesprächsführer bin. Wobei das manchmal auch auf die Entpsrechenden Eltern ankommt. Im nachhinein rege ich mich dann oft über die Einstellung auf und kann es nicht verstehen, weshalb nun eine bestimmte Anschaffung nicht zustande kommt.

Mit diesem Beitrag möchte ich übrigens niemanden angreifen. Da ich mir gut vorstellen kann, dass man manches garnicht so wahrnimmt, wie es außenstehende wahrnehmen. Es handelt sich ausschließlich um Erfahrungen, die ich in den letzten 9 Monaten gemacht habe.

 

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