Die nächtliche Backerietis, oder wenn man in der Bereitschaft nicht schlafen kann

Nachtdienst. Einer dieser Nachtdienste an denen ich nicht schlafen kann. Gefühlt stündlich zum Rauchen auf den Balkon im 1. Stock schleiche. Im EG möchte ich nicht rauchen. Habe ich zu viel bammel, ich könnte jemanden übersehen, der dort durchläuft. Habe ich vor einigen Wochen erst eine etwas erschreckende Erfahrung im Nachtdienst gemacht. Dazu aber später.

Einer dieser schlaflosen Nachtdienste, an denen ich wieder mal anfange zu backen. Ist ne merkwürdige Angewohnheit von mir. Fernseher an, Backzeug her. Und los geht’s mit dem Gewerkel und das mitten in der Nacht.

Die Sache mit dem Backen

Ist ein ganz netter Zeitvertreib wenn man des Nachts nicht schlafen kann. Gerade dann, wenn man weiß es ist Wochenende, das Haus gerammelt voll und man könnte damit den Bewohnern als auch Kollegen eine kleine Freude machen. Weil ja Wochenende ist.

Abgang in den Vorratsraum. Vorstellung davon, was ich mache, habe ich schon. Dies und das. Allerdings muss ich mich dann immer wieder etwas in meiner Vorfreude bremsen. Denn meistens ist nicht mal die Hälfte der Zutaten im Haus. Weshalb ich letztlich dann doch immer wieder beim üblichen Hefezopf lande. Naja. Wollte ich ja kürzlich Vorrat kaufen. Ging aber nicht. Nicht genügend Geld da. Hat gerade mal für den Wocheneinkauf gelangt. Der aber auch nicht sehr üppig ausgefallen war. Hätten sie mal lieber mich aussuchen lassen sollen. Einkaufen ist da aber so ne andere Klasse.

Zurück zum Backen. Fabriziere ich also wieder mal einen Hefezopf. Wieder mal. Nun gut, so oft kommt es auch nicht vor. Habe ich schließlich nicht dauernd Nachtdienst, auch wenn es mir oft so vor kommt. Alles gemischt, teigt gegangen, Produkt im Ofen. Ich döse auf dem Sofa ein. Schrecke hoch. Gott sei Dank, der Zopf ist noch nicht verkockelt.

Prima. Bin nun wieder hell wach. Was tue ich jetzt? Vor mich hin wurschteln. Auf schöneres Wetter warten.

Am nächsten Tag und die Kollegen

Ein Bewohner hat es mir inzwischen schon mal mitgeteilt. Ich solle ja nicht auf die Idee kommen, damit aufzuhören, mit dem Backen im Nachtdienst. Weil ich immer so coole Sachen fabriziere. Ihn würde es immer total freuen, wenn es auch mal was anderes gibt.

Manche Kollegen sehen dies jedoch irgendwie etwas anders als mein lieber Bewohner. Am nächsten Tag läuft es dann folgender maßen ab. „Du hast gebacken?“ „Ja sieht ganz danach aus, als hätte ich das getan. Ich konnte nicht schlafen.“ „Schaut gut aus. Aber xy mag das nicht und yz sowieso nicht.“ „Schon mal probiert?“ „Nö“ „Woher weißt du dann, dass er es nicht mag?“ betretenes schweigen.

Oder es läuft so: „Poa geil, du hast heute nacht gebacken! Hast wieder nicht schlafen können oder?“ „Nö, scheinbar konnte ich das nicht.“ „Das sieht voll lecker aus und riechen tuts auch voll gut.“ „Freut mich.“ „Ich glaub da muss ich mir auch ein Stück nehmen von.“ „Osterbrot schmeckt übrigens besonders gut mit Marmelade, oder mit Schinken.“ „Echt jetzt? Haben wir Schinken da?“ „Weiß nicht, schau nach, glaube aber nicht.“

Was ich kürzlich zu hören bekam

Als ich vor einiger Zeit zur zweiten Nacht in Folge kam

Badtür scheppert auf.

„Ach du bist es. Du ich hab ein Anliegen. Bitte heute nicht Backen. Es sind fast keine Bewohner da und wir waren heute auf einem Ausflug. Außerdem hatte heute fast keiner Hunger. Von dem letzten Kuchen ist noch gut was da.“

Okay, zur Kenntnis genommen. Alles in Ordnung. Koch ich eben Rührei zum Frühstück. Tuts aus. Bin heute außerdem viel zu müd. Keine Lust zum Backen. Andermal vielleicht wieder.

Kurze Zeit später, die nächste Kollegin.

„Poa, du hast letzte Nacht schon wieder gebacken! Es sind kaum Bewohner da und es isst keiner was davon. Außerdem, ist das Zeug was du da gemacht hast, total hart. Bekommt ja kein Mensch Runter. Und für xy müsste man es eh in den Mixer stecken.“

„Das ist kein Dingsbums, das sind selber gemacht Müsliriegel.“

„Ist ja egal jetzt, was es ist. Auf jeden Fall, hat kein Mensch davon was gegessen und die Stehen immer noch da.“

(Frage an mich selbst, es hat kein Mensch was von den Riegeln gegessen, sie sind aber stein Hart und man bekommt sie nicht runter? Kapier ich nicht)

„Kann man ja morgen auch noch essen, die werden ja nicht schlecht.“

„Es geht halt einfach ums Prinziep….“

Daraufhin ins andere Geschoss verschwunden. Müslirigel kosten. Stein hart. Was ist denn an den Riegeln stein hart? Die sind Butter weich und man kann gut runter beißen. Naja könnt etwas süßer sein.

Kollegin 1, kam derzeit nochmal zu mir.

 „Du das war frei nicht böse gemeint vorhin. Ich wollte dir das nur sagen. War halt bisi viel heute.“

„Schon okay. Sind ja noch länger haltbar die Teile. Außer man befindet sie wirklich für zu hart. Oder zu unsüß“

 „Die sind doch gar nicht hart! Außerdem schmecken die echt gut.“

Auch von anderen Kollegen bekam ich lob für die guten Müsliriegel, die viel zu hart waren (angeblich), die keiner essen wollte (angeblich) und die nicht süß genug wären (angeblich)

Was die Chefin davon hält

Meine Chefin und Kollegin, kam vor einiger Zeit auf mich zu. Sie mache sich sorgen. Ich würde ja nachts immer so viel Backen. Ob ich das nicht ein bisschen einschränken könnte. Auch ihr erklärte ich gerne nochmal, dass ich anfangs im Nachtdienst überhaupt nicht schlafen konnte und auch 9 Monate später noch immer so hin haut.

Laut ihrer Ansicht sollte ich aber schlafen. Ob ich könne oder nicht, spielte hier wohl keine Rolle. Ich sollte doch dann lieber TV schauen und versuchen zu schlafen. Lesen wäre doch auch eine Idee. Danke vielmals für diese Verständnislosen ääää Verständnisvollen Tipps. Wäre ich selber nie drauf gekommen.

Weiter im Text. Das Backen in der Nacht halte sie für keine gute Idee. Ich sollte doch lieber Bewohner mit dazu nehmen. Lieber Tagsüber mit den Bewohnern zusammen Backen. Mir einen schnappen und einfach machen. Äm. Wie jetzt? Wann soll ich das denn Tagsüber machen, wenn nie Zeit dafür ist? Das habe ich natürlich nicht gesagt. Meine Antwort war viel schlagfertiger. Berief ich mich nämlich auf die Erfolgssicherung. Müsste ich doch neue Backrezepte erst mal ausprobieren und verbessern. Um zu wissen wie es geht, damit es dann zusammen mit dem Bewohner klappt und gelingt. Wollen wir ja wie gesagt den Erfolg und das Ego der Bewohner stärken. Das Ego ist nämlich bei manchen etwas angeknackt. Wobei man natürlich auch die Frustrtionstolleranz nicht ganz vergessen darf.

Meine Chefin könne das natürlich voll und ganz verstehen. Aber ich könnte das ja auch mit einem fitteren Bewohner ausprobieren. Dann könnte ich ja einfach mal mit Bewohner xy, einen kleinen Zopf machen. Weniger Teig machen und dann eben Backen.

Sonderlich weit kamen wir mit unserem Gespräch jedoch nicht. Unsere Ansichten und Meinungen schienen sich hierbei nicht ganz einige zu werden.

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