Kurz vor Wutausbruchhausen

Mit Sicherheit, glaube ich zu meinen das jeder der hier anwesenden, folgende Situation kennt. Man begebe sich am Wochenende, aber auch unter der Woche, in die Fußgängerzone. Nichts ahnend und schwer entspannt, schlendert man hindurch. Plötzlich sieht man sie. Der Körper verkrampft, man versucht die schiere Wutentbranntheit zu unterdrücken und sucht einen anderen Weg um ihnen zu entkommen. Aber eine Flucht ist zwecklos. Bekommen sie einen sowieso.

Von wem ich spreche? Ganz einfach. Von diversen Vereinen und Zusammenschlüssen. Welche sich selbst als Spendenorganisation zur Rettung der Welt beschreiben. Freiwillige rüsten sie mit allerlei Unterlagen und Ausrüstungsgegenständen aus, damit diese in den Fußgängerzonen, Ahnungslose in ihren Bann ziehen. Komme was wolle. Darauf geschult, jeden der ihnen in die Fänge gerät, zu überzeugen etwas zu unterschreiben und am besten täglich zu spenden. Entkommen, zwecklos.

Wie ich mich kürzlich in die Fänge einer solchen Organisation begab, ohne es zu wollen, ist mir immer noch schleierhaft. Kurz vor dem Wutausbruch, dann noch so ruhig zu bleiben ist mir zudem auch ein zusätzliches Rätsel, welches nach einer Lösung zu schreien versucht.

Begab es sich also, dass ich mit einer Bewohnerin unterwegs war. Von fernem konnte ich bereits die Blaukittel irgendeiner Organisation ausmachen. Mit festem Vorsatz, ich lassen mich nicht anquatschen und dem Irrglauben, sie würden es sowieso nicht tun (da sich die meisten dieser Organisationsheinis hüten einen Menschen mit Behinderung anzusprechen) stiefelte ich also blindlings gerade hindurch.

Und da stand er plötzlich. Dieser blau gekittelte, viel zu bereit grinsende und für meinen Geschmack, viel zu fröhliche Freiwillige. Der mir ein viel zu überzogenes „Hallo“ entgegen schleuderte. Dazu noch blöd grinsend herumhopste. Kurzzeitig fragte ich mich, ob ich ihn fragen solle ob es ihm gut geht und ob man ihm helfen kann.

Allerdings verkniff ich es mir, denn zu Wort kam ich irgendwie sowieso nicht. Redete er wie ein Wasserfall auf mich ein. Was bei mir eine Rotfärbung des Gesichtes verursachte. Was mich dazu veranlasste, mich zu fragen ob ich vielleicht eine Allergie auf solche Leute habe. Ob man das testen kann? Heutzutage, kann man ja irgendwie alles testen.

Nachdem mein Talent es mir jedoch zur Zeit ermöglichte, manövrierte ich mich doch recht elegant aus dieser absolut, bekloppten Situation hinaus. Viel ihm einfach mit folgendem Spruch ins Wort: „Wir kaufen nichts, wir betteln selber.“ Förmlich konnte man dabei zusehen, wie ihm die Kinnlade hinunter klappte. Sprach er vor einigen Sekunden noch wie ein Wasserfall, so blieben ihm nun die Worte im Hals stecken.

Ein kurzer Blick Richtung Organisationsstand, verriet mir übrigens, dass es sich um eine Organisation für Kinder handelte. Welche Spenden für „Starke“ Kinder sammelten. Dann war ich weg. Einen überrumpelten Menschen hinter mir stehen lassend.

Meiner Wut, war spätestens in der WG, kein Einhalt mehr zu gewähren. Wie kommen diese Leute bitte darauf, einen Menschen mit Behinderung, der selbst ein Frühchen war und darum gekämpft hat, da zu sein wo er nun ist, anzusprechen. Und ihn dann am besten noch von einer Spende überzeugen wollen. Hallo? Mal ganz davon abzusehen, dass die meisten meiner Bewohner, Geldtechnisch sowieso nicht so viel zur freien Verfügungen haben. Sind diese nicht einmal Geschäftsfähig.

Und dann sowas. Nein, Nein, Nein. Ich glaube dem nächsten, welcher mir dies meint Zumuten zu müssen, bekommt mehr ab als ein „Wir kaufen nichts, wir betteln selber.“ Ich glaube es nicht nur, da bin ich mir ziemlich sicher. Dieser bekommt die gesamte Bandbreite davon ab. Eine geballte Ladung Wutausbruch.

 

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5 Gedanken zu “Kurz vor Wutausbruchhausen

  1. Gestern habe ich auch einen Stand mit blau bekittelten Spendensammlern gesehen und habe mich dadurch an deinen Artikel erinnert. Denke mal, dass es die gleichen waren, also UNICEF. Ich finde, deine Wutreaktion war etwas zu heftig. Klar, ich mag es auch nicht, auf der Straße angesprochen zu werden, sei es wegen einer Unterschrift oder einer Spende oder irgendeiner Werbeaktion. Es gab ne Zeit, da habe ich wegen sowas die Straßenseite gewechselt (ging natürlich nicht immer). Mittlerweile weiß ich, dass ein freundliches, aber bestimmtes „Nein, danke“ reicht. Sei nicht wütend, dass sie euch angesprochen haben! Ich glaube UNICEF wählt seine Straßenspendensammler nach den Kriterien ‚jung und kinderlieb‘ aus und natürlich ohne Hemmungen, andere anzusprechen. Die, die ich gesehen habe, waren sehr jung, also ca 18 Jahre – sprich: Null Lebenserfahrung 😉 Vielleicht hat der, der euch angesprochen hat auch gedacht, dass jemand mit einer Behinderung (also jemand, der auch benachteiligt ist) auch anderen Benachteiligten helfen möchte? Oder vielleicht galt die Ansprache dir, weil er gesehen hat, dass du ein Mensch bist, der anderen hilft. Im Zweifelsfall hat er nichts gedacht. Und das mit dem Frühchen konnte er wirklich nicht ahnen, oder? Vielleicht solltest du es beim nächsten Mal auch mal so versuchen, wenn dich/euch wieder jemand anspricht: Blickkontakt, leicht lächeln und ‚Nein, danke‘ sagen. Oder du erklärst ihm die Situation (falls du willst, dass der Jungspund an Lebenserfahrung gewinnt). Naja, jedenfalls nicht wütend sein, das ist es nicht wert. (Sorry für den langen Kommentar, aber das hat mich schon die ganze Zeit beschäftigt.)

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    1. Ist schon in Ordnung :-). Was mich eigentlich am meisten nervt an der ganzen Sache (so war es bei wwf mit denen wir fast 1 Stunde für und wieder diskutiert hatten) das man eigentlich etwas unterschreibt und ständig sozusagen sich verpflichtet zu spenden. Ich bin eher der Mensch der dann sagt ich möchte selber entscheiden dürfen wem ich spende, wann, wie viel und wie oft. Und nicht an eine Vertrag gebunden zu sein. Was sich natürlich widerspricht mit Handy und co. Dennoch möchte ich selber entscheiden was kann ich wann in welcher Höhe tragen.

      Und mit der geballten Ladung meinte ich auch eher, dass ich mitteile was sache ist. Ich sollte mich besser ausdrücken ^^

      Böse meinen sie eigentlich ja auch nicht. Dennoch bin ich manchmal von ihrer Art genervt. Genervt davon das sich manche einem mitten in den Weg stellen, so daß man schon garnicht mehr ausweichen kann. 🙂

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