Landwirtschaft als Arbeitsbereich für Menschen mit Behinderung. Ein Bericht

Hallöchen ihr Lieben Leser!

Ich melde mich mal wieder zu Wort. Und das zwischendurch mal mit meinem Lieblingsthema, an dem ich mich gerne etwas längerfristig aufhänge. Aus welchem Grund auch immer. Nein ich hänge mich da nicht dran auf, ich bin voll motiviert darüber Infos zu bekommen und sauge diese regelrecht in mich auf. Schon eine Idee? Für meine bereits länger vorhandene Leserschaft dürfte es eigentlich ein sehr leichtes sein, zu wissen, von was ich spreche. Nämlich davon, wie ich die Landwirtschaft als Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung nutzen könnte und wie man es umsetzten kann. Wie ich diversen Betrieben, die sich bereits der Behindertenarbeit hingegeben haben, davon überzeugen kann, dass man genau das als Erweitertes Arbeitsfeld benötigt. Die Landwirtschaft in diesem Sinne ein positiver Aspekt ist, den man sich näher ansehen sollte.

Entsprechend meiner eigenen Motivation, setzte ich mich heute wieder mal an den PC. Eigentlich mit dem Hintergedanken, zu recherchieren wie ich mich als HEP irgendwie selbstständig machen könnte. Allerdings hat mir mein Lieblingsthema keine Ruhe gelassen. Weshalb ich anfing nochmal zu suchen ob es nicht doch irgendwie und irgendwo einen Sinnvollen Beitrag zum Thema gibt, den ich vielleicht noch nicht gelesen habe. Zuvor durchforstete ich aber nochmal das Internet nach diversen Leitfäden für ein Konzept, um mir Stichpunkthaltig schon mal aufzuschreiben, was ich denn in mein Konzept einbringen möchte. Darauf aufbauend dann nach Beiträgen gesucht, die ich noch nicht las. Also Beiträge zum Thema Menschen mit Behinderung in der Landwirtschaft. Wo ich nicht zu Letzt sogar über den ein oder anderen Beitrag von mir selbst stolperte, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass ich den überhaupt mal geschrieben hatte. Wahnsinn oder? Faszinierend.

Zu erst muss ich jedoch sagen, entdeckte ich dann irgendwo die Werkstättenverordnung, die man sich via PDF Datei im Netz anschauen konnte. Ich konnte nicht widerstehen, mir die mal durchzulesen. Wusste ich eigentlich bis heute zwar, dass es diese Verordnung gibt, was da genau aber drin steht, wusste ich bis vorhin noch nicht. Entsprechend habe ich mir dann, für mein Konzept, den §5 Absatz 1 – 4 raus gelassen. Denn der spiegelt einiges sehr gut wieder, was eigentlich genau für eine Umsetzung eines landwirtschaftlichen Projektes spricht. So rein theoretisch gesehen. In der Praxis schaut es dann so oder so ständig anders aus, wenn ich mich nicht irre.

Gut, alles soweit zusammen gesammelt, stichpunktartig aufgeschrieben, was ich eigentlich in mein Konzept reinpacken will. Stellte fest, ich habe bei manchen Sachen überhaupt keine Ahnung wie ich das Stichpunkthaltig aufschreiben soll. Wenn es dann bei den Stichpunkten schon anfängt, frage ich mich, wie ich das dann bitte in ganze Sätze verpacken soll. Vielleicht sollte ich mir auch die Option offen halten, von den Starren Strukturen eines Üblichen Konzeptes oder meinetwegen Buissinesplanes etwas abzuweichen, die Überschriften etwas anders zu formulieren. Vielleicht würde ich mir dann etwas leichter tun. Andererseits benötige ich dann wiederum doch ein paar Vorgaben um einen Ansatz zu finden, mit dem ich arbeiten kann.

Aber ich sehe schon ich rede zu viel um den heißen Brei herum und kommen nicht zum eigentlichen Thema, dass ich euch eigentlich mit diesem Beitrag mitteilen wollte. Ich habe aufgrund meiner, sagen wir mal, Vision, ein bisschen herumgegooglet. In der Hoffnung tatsächlich mal wieder was zu finden, Beitrags bzw. Berichtmäßig, was ich noch nicht kenne, Sinnvoll und Inhaltlich gut ist sowie es kein Beitrag von mir ist von dem ich nicht mehr weiß, dass ich diesen vor gefühlt hunderten von Jahren verfasst habe.

Beim ersten Versuch, ich hätte es ja beinahe nicht glauben können, habe ich dann direkt einen Beitrag gefunden, der zwar lang aber dennoch sehr aufschlussreich so wie sinnvoll ist. Inhaltlich sehr detailliert zu sein scheint und es auch spaß macht diesen zu lesen, wenn man sich ernsthaft mit diesem Thema befasst oder befassen will.

Genau diesen möchte ich euch nun mal vorstellen oder auch zeigen. Allerdings habe ich nicht den Kompletten Beitrag als Zitat eingebaut, da es einfach sonst viel zu lange wird, was der Beitrag ja jetzt ohne das Zitat schon ist. Gefunden habe ich den Beitrag übrigens auf socialnet.de unter dem Link: https://www.socialnet.de/materialien/60.php

Dort könnt ihr den Beitrag komplett lesen ohne mein Gesummsel vorne weg.

Landwirtschaft als Beschäftigungsfeld für Menschen mit Behinderung

Martina Carl

Veröffentlicht am 01.03.2005.

socialnet Materialien. Reihe 2: Akademische Abschlussarbeiten

Der Aufsatz beruht auf der gleichlautenden Diplomarbeit vom Februar 2005, Universität Kassel, Fachbereich 04 Sozialwesen. Die Arbeit wurde unter Betreuung von Prof. Dr. Ewald Rumpf erstellt und mit 1 benotet.
Die vollständige Diplomarbeit (121 Seiten) kann gegen 10,00 EUR per E-Mail bestellt werden.

Im Rahmen einer Diplomarbeit am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel wurden die Bedeutung und die Funktionen von landwirtschaftlicher Arbeit für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung untersucht. Besondere Beachtung wurde hierbei sowohl den therapeutischen Wirkungsweisen und Potentialen als auch den Schwierigkeiten und Grenzen von sogenannten „grünen“ Beschäftigungsbereichen wie Land- und Gartenbau geschenkt.

Die Diplomarbeit will aufzeigen, wo die Chancen und wo die Potenziale der landwirtschaftlichen Arbeit mit Behinderten liegen. Es stehen dabei vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:

  • Wie wirkt die landwirtschaftliche und gartenbauliche Arbeit auf den Menschen, insbesondere auf den geistig und seelisch behinderten Menschen?
  • Wo liegen die Grenzen der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Arbeit mit geistig und seelisch Behinderten; welche Schwierigkeiten und Problemsituationen können auftreten und mit welchen Maßnahmen kann man ihnen entgegentreten?

Grundbegriffe

Als geistig behindert gelten Personen, deren Lernverhalten wesentlich hinter der auf das Lebensalter bezogenen Erwartung zurückbleibt und durch ein andauerndes Vorherrschen des anschauend-vollziehenden Auflehnens, Verarbeitens und Speicherns von Lerninhalten und eine Konzentration des Lernfeldes auf direkte Bedürfnisbefriedigung gekennzeichnet ist.

Die Ursachen einer geistigen Behinderung sind organischer Natur. Vorrangig sind dies Schädigungen des Gehirns sowie Chromosomenaberrationen (Abweichungen der Chromosomenanzahl) sowie Infekte oder Vergiftungen der Mutter während der Schwangerschaft. Außerdem kann eine geistige Behinderung auch im Zusammenhang mit psychischen Störungen wie frühkindliche Schizophrenie oder Autismus gesehen werden sowie durch Einflüsse der Umwelt verursacht sein (HENSLE 2000, S. 131 ff.).

Kennzeichnend für eine psychische Behinderung ist ein breites Spektrum von Einschränkungen im sozioemotionalen sowie kognitiven Funktionsbereich. Dies können insbesondere Funktionseinbußen in Antrieb, Motivation, Interesse, Ausdauer, Belastbarkeit, Selbsthilfepotential, Selbstvertrauen, Kritikfähigkeit, Entscheidungskraft sowie auch in Wahrnehmung, Konzentration und Merkfähigkeit sein. Nicht eingeschränkt ist in der Regel das intellektuelle Leistungspotential des psychisch Behinderten. Kennzeichnend für eine psychische Erkrankung ist außerdem, dass diese in Phasen verläuft und nur schwer vorhersehbaren Schwankungen unterliegt. Die Fähigkeit des Betroffenen, Einsicht in seine Krankheitssituation zu haben und diese beurteilen zu können, ist oftmals erheblich eingeschränkt und die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen erfordern meist mehr Zeit als bei anderen Behinderungsarten (Bundesvereinigung Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e. V. 2002).

Die Bedeutung von Arbeit für den Menschen wird von verschiedenen theoretischen Positionen ähnlich groß eingeschätzt. JAHODA beschreibt bei seinen Ausführungen fünf Strukturmerkmale von Arbeit. Demnach hat organisierte Arbeit eine Zeitstruktur, der sich der Beschäftigte nicht entziehen kann und die sein Zeiterleben strukturiert. Arbeit erweitert den sozialen Horizont des Arbeitenden und lässt ihn seine soziale Existenz erleben, da am Arbeitsplatz viele Kontakte geknüpft werden können. Außerdem bestimmt Arbeit den gesellschaftlichen Status sowie die Identität eines Menschen und verschafft ein Gefühl von persönlichem Erfolg und Sicherheit durch die gelungene Bewältigung von äußeren Anforderungen und die Erfüllung der Erwartungen anderer (SONNENTAG 1991).

Diese Funktionen und Wirkungsweisen von Arbeit gelten auch für Menschen mit Behinderung. Das Verrichten einer Arbeit oder Beschäftigung kann wesentlich dazu beitragen, dass Menschen mit einer Behinderung ein Leben führen können, welches so normal wie möglich verläuft. Durch eine den persönlichen Neigungen entsprechende Tätigkeit wird dem Beschäftigten Normalität vermittelt, indem ihm Akzeptanz und Anerkennung zuteil wird.

Arbeit bringt dem Menschen mit Behinderung einen täglichen Lebensrhythmus und bietet die Möglichkeit, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln und immer wieder neu auszubauen. Durch das Wahrnehmen eigenständiger Aufgabenbereiche kann ein Leistungsfähigkeits- und Selbstwertgefühl aufgebaut werden und eine emotionale Ausgeglichenheit und Zufriedenheit bei dem Beschäftigten erreicht werden.

Durch die ständige Zusammenarbeit mit anderen Beschäftigten sowie Betreuern können am Arbeitsplatz wichtige Kontakte geknüpft werden und ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl erlebt werden (AERNOUT 1992).

In Abhängigkeit von der Behinderungsart und Behinderungsschwere sowie auch der Krankheitsgeschichte und den beruflichen Vorerfahrungen des Betreuten kommen für Menschen mit geistiger und seelischer Behinderung verschiedene Möglichkeiten in Betracht, einer regelmäßigen Beschäftigung nachzugehen. Dies sind vor allem die Beschäftigung in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Firmen für psychisch Kranke, Arbeitsbereiche in Dorf- und Lebensgemeinschaften sowie auch vereinzelt Betriebe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Anforderungen an Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung in der Landwirtschaft

Um dem Menschen mit Behinderung bei seiner Beschäftigung in der Landwirtschaft nicht zu schaden, sondern zur Weiterentwicklung seiner Fähigkeiten beizutragen, müssen bestimmte Anforderungen an den jeweiligen Arbeitsplatz erfüllt sein:

Grundsätzlich sollte der Arbeitsplatz von dem Betreuten auch gewollt sein. Der gewählte Arbeitsplatz sollte Gelegenheit geben, während des gemeinsamen Arbeitens mit anderen in Kontakt zu kommen. Das Eingehen einer persönlichen Beziehung zu anderen Mitarbeitern kann für den geistig oder seelisch Behinderten eine wichtige Möglichkeit sein, die Persönlichkeit positiv entfalten zu können. Durch die Anpassung des Arbeitsplatzes an die Fähigkeiten des Betreuten sowie die Interaktion mit anderen Menschen hat die Arbeit eine entwickelnde und stabilisierende Funktion. Unter der Beachtung von Prinzipien der Anschaulichkeit und des Sinnzusammenhangs sollten die verschiedenen Arbeitsvorgänge miteinander verknüpft werden und dem arbeitenden Menschen auf diese Weise das eigene Können sowie der Weg zum Endprodukt kognitiv erfahrbar gemacht werden. Gerade in der Landwirtschaft wird dies äußerst erfolgreich praktiziert, indem es den Betreuten ständig möglich ist, das Gedeihen von Pflanzen, das Reifen von Früchten und das Wachsen von Kälbern oder anderen Nutztieren zu verfolgen. Wichtig ist außerdem die Wertschätzung, die Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung durch ihre Arbeit erfahren. Dies kann geschehen, indem der Beschäftigte in die Vermarktungsmöglichkeiten der Produkte einbezogen wird und bei der Arbeit im betriebsinternen Hofladen Kontakt zu Kunden pflegen und Lob an der Qualität der erzeugten Produkte erfahren kann (AGÖL 1994).

Damit Arbeit für den geistig und seelisch Behinderten einen rehabilitativen und persönlichkeitsfördernden Charakter hat, sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Es müssen Entscheidungsspielräume bei der Arbeit gegeben sein, die jedoch nicht zu groß sein dürfen.
  • Die Arbeit muss eine gewisse Variabilität aufweisen.
  • Die Arbeitsaufgaben müssen mindestens Handlungsniveau haben.
  • Die Arbeitsanforderungen müssen klar und überschaubar sein.
  • Generell müssen die Anforderungen den individuellen Voraussetzungen angepasst sein.

Um Überforderungen entgegen zu wirken, sollten bei der Arbeitsgestaltung die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten des Betreuten berücksichtigt werden und belastende Faktoren wie Zeitdruck, mangelnde emotionale Unterstützung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, Arbeitsumgebungsbelastungen und unangemessene Arbeitszeiten vermieden werden (SONNENTAG 1991).

Therapeutische Aspekte des Land- und Gartenbaus

Arbeiten in Land- und Gartenbau eignen sich in besonderer Weise für die Förderung geistig und seelisch Behinderter und unterscheiden sich in verschiedener Hinsicht von der in geschlossenen Räumen stattfindenden Industriearbeit. In Land- und Gartenbau sind die Sinnzusammenhänge für den Beschäftigten meist einfacher zu erkennen. Dem behinderten Mitarbeiter fällt es leicht, einen unmittelbaren Bezug zu seiner Arbeit herzustellen und sich damit zu identifizieren.

Dem ausgeprägten Bewegungsbedürfnis vieler Beschäftigter kommt die Auslastung durch körperliche Arbeiten entgegen. Vereinzelt gelten Betreute als besonders aggressiv und sind für einen industriellen Arbeitsbereich nicht tragbar. Nach einem Wechsel in einen der sogenannten „grünen Arbeitsbereiche“ werden solche Beschäftigte oftmals zu wichtigen Leistungsträgern.

Besonders wichtig für den Menschen mit Behinderung sind die natürlichen Regelmäßigkeiten, die bei der Arbeit im Land- und Gartenbau erlebt werden. Sowohl die Tierhaltung als auch der Anbau und die Ernte von Pflanzen erfordern regelmäßige und immer wiederkehrende Arbeiten. Der überwiegende Aufenthalt im Freien lässt den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten als etwas Elementares erleben und die Zeit wird für den Beschäftigten begreifbar als Wachstums-, Reife- und Erntezeit.

Feld- und Gartenarbeit

Unter Feldarbeit ist die landwirtschaftliche Pflanzenproduktion auf Grünland oder Acker zu verstehen (Gras, Futterrüben, Getreide etc.). Der Begriff Gartenarbeit umfasst die gartenbauliche Produktion wie den Anbau von Schnittblumen, Stauden, Gemüse, Kräutern, Pilzen, Obst und Beeren sowie die gartenbaulichen Dienstleistungen (Landschaftspflege, Floristik und Friedhofsgärtnerei).

Bei der Förderung des behinderten Mitarbeiters kann mit den entsprechend anfallenden Arbeiten auf die vorhandenen Eignungen und Neigungen eingegangen werden. So bieten der Zierpflanzen- und Gemüsebau die Möglichkeit, soziale, kognitive, methodische und psychomotorische Kompetenzen der unterschiedlichsten Intensität zu fördern. (AGÖL 2000).

Die bei der Arbeit in der Natur gewonnenen Erfahrungen können genutzt werden, um sich selbst näher zu kommen und sich der eigenen Natur vertraut zu machen. Die Arbeit auf dem Feld und im Garten bringt den Klienten durch die lebendige Auseinandersetzung mit den Pflanzen in Kontakt mit seinen eigenen Fähigkeiten zu Wachstum und Veränderung. Vor allem Menschen mit seelischer Behinderung haben Probleme mit Beziehungen. Therapeutisch angewandte Feld- und Gartenarbeit geht davon aus, dass ein beziehungsgestörter Mensch in gewisser Weise „entwurzelt“ ist. Durch Orientierung an und Arbeit in der Natur können Ruhe, Zufriedenheit und Motivation gefördert und die Beschäftigung mit den eigenen Unzulänglichkeiten verringert werden. Gartenarbeit ermöglicht es dem Betreuten, sich auf etwas anderes als nur sich selbst zu konzentrieren. Bei den vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten können die bestehenden gesunden „Anteile“ und Fähigkeiten bestens beobachtet werden. Es werden persönliche Entwicklungen angeregt. Entwicklungsdefizite werden nachgeholt und das Neugelernte wird langsam in die Persönlichkeit integriert.

Die Feld- und Gartenarbeit ist eingebettet in ein eindeutiges, in der Natur vorgegebenes Handlungsschema. Dass Pflanzen regelmäßig gegossen werden müssen und aufmerksamer Pflege bedürfen, ist für den Betreuten leicht einsehbar und nachzuvollziehen. Solche Erlebnisse machen den Aufforderungscharakter von Feld- und Gartenarbeit deutlich und dienen als Motivationshilfe.

Arbeit mit Nutztieren

Genauso wie die Arbeit mit Pflanzen und Erde kann auch die Beschäftigung mit Tieren einen heilenden Einfluss auf den Menschen haben. Der Anblick eines Tieres oder der Hautkontakt beim Streicheln kann beim Menschen Reaktionen und Gefühle der Zuneigung auslösen.

Bei der Beschäftigung Behinderter kann der Tierkontakt als wichtige Grundlage für die therapeutische Arbeit genutzt werden. Der Umgang mit Tieren macht es dem Betreuten möglich, verschiedene Verhaltensweisen zu erproben. Durch Versorgung und Pflege eines Tieres wird das Selbstvertrauen gestärkt, Verantwortung sowie Rollenverständnis bezüglich des eigenen Arbeitsbereiches erprobt. Die Arbeit mit Nutztieren dient dem Menschen mit Behinderung dazu, Zusammenhänge in der Nahrungskette besser begreifen und eine reale Vorstellung über die Herkunft von Lebensmitteln gewinnen zu können (AGÖL 1994).

Hinsichtlich der therapeutischen Aspekte von Tieren können die psychologischen, physischen und sozialen Wirkungen auf den Menschen unterschieden werden. Zu den psychologischen Wirkungen gehört die Förderung eines positiven Selbstbildes. Die Versorgung eines Tieres kann dazu beitragen, das eigene Leben zu strukturieren und den Aufbau eines festen Tagesablaufes zu ermöglichen. Der Betreute erfährt im Umgang mit dem Tier Ermutigung und Begeisterung für das eigene Handeln und wird außerdem zu Pünktlichkeit, Ordnung und Selbstdisziplin erzogen.

Die Sensibilisierung für die eigenen Ressourcen sowie die Kontrolle über sich selbst und die Umwelt werden gefördert. Beim Tierkontakt wird das emotionale Wohlbefinden des Betreuten positiv beeinflusst. Er erfährt Zuwendung, Bestätigung, Trost und spontane Zuneigung. So ermöglicht es ein Nutztier dem Behinderten, Körperkontakt zu erleben, Distanzen abzubauen und Nähe herzustellen. Die vielfältigen Lernerfahrungen im Zusammenhang mit Tieren und Tierhaltung tragen zu kognitiver Anregung und Aktivierung bei.

Anhand von physiologischen Reaktionen beim Menschen kann nachgewiesen werden, dass Tiere dem Menschen ein Gefühl von Geborgenheit und Vertrautheit vermitteln. Schon die reine Präsenz eines Tieres kann beruhigend auf den Menschen wirken. Bei regelmäßigem Umgang mit einem Tier werden Herzfrequenz und Blutdruck gesenkt sowie der Kreislauf stabilisiert.

Eine wichtige soziale Wirkung von Tieren auf den Menschen ist die Aufhebung von Einsamkeit und Isolation. Durch die Nähe eines Tieres wirkt ein Mensch offenbar zugänglicher und in diesem Zusammenhang fördern Tiere auch den sozialen Kontakt zu anderen Menschen. Dabei dient das Tier als Kommunikationshilfe, als eine Art Vermittler beim Aufbau von sozialen Kontakten (GREIFFENHAGEN 1991, OTTERSTEDT 2001).

Probleme und Grenzen der Beschäftigung von Behinderten in der Landwirtschaft

Trotz aller positiven und therapeutisch sinnvollen Aspekte des Land- und Gartenbaus mit geistig und seelisch Behinderten, können bei der praktischen Arbeit in einem solchen Beschäftigungsbereich auch diverse Schwierigkeiten auftreten.

Bei der Arbeit mit Behinderten in Land- und Gartenbau sollen einerseits die Beschäftigten individuell betreut und deren Persönlichkeit gefördert werden, andererseits existieren gewisse betriebswirtschaftliche Zwänge, die beachtet werden müssen. Der Konflikt zwischen Produktion und Pädagogik wird hier deutlich. Eine völlige Rationalisierung und Mechanisierung der Betriebe wird nicht angestrebt, da gerade manuelle Arbeit diverse Beschäftigungsmöglichkeiten für die unterschiedlich qualifizierten Mitarbeiter bietet. Allerdings gilt es, betriebswirtschaftliche Standards zu beachten und termingerechte Auftragsarbeiten fertig zu stellen. Das wirtschaftliche Ergebnis und die leistbare pädagogische Arbeit werden in hohem Masse durch Art und Schwere der vorhandenen Behinderungen bestimmt. Aufgrund des wirtschaftlichen Drucks sehen sich viele Gruppenleiter gezwungen, die besonders leistungsfähigen Menschen mit Behinderung in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich zu halten, was die betriebsinterne Konkurrenz verstärkt und zu Konflikten unter den Betreuten führt. Um einer heilpädagogischen Betreuung gerecht zu werden und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten zu können, wäre die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen gemäß der Leistungsfähigkeit und dem sozialen Verhalten der Betreuten wünschenswert. Für besonders komplexe Arbeiten (z. B. Melken) sollte überlegt werden, Fachkräfte anzustellen. Monotone und bei den Behinderten weniger beliebte Arbeiten könnten vollständig mechanisiert werden, damit die Arbeitsmotivation bei den Betreuten gesteigert werden kann. Die Gegensätze zwischen Pädagogik und arbeitswirtschaftlichen Erfordernissen können vor allem dann überwunden werden, wenn der Betreuer von dem Sinn und Wert der verrichteten Arbeiten überzeugt ist und dies den behinderten Mitarbeitern auch vermitteln kann. Die Wertschätzung der geleisteten Arbeit sowie die damit verbundenen Hochgefühle über den eigenen Erfolg sind wichtige Erfahrungen für den Betreuten, die eine konstante und zufriedenstellende Beschäftigung gewährleisten (AGÖL 1994).

Geregelte Arbeitszeiten sind in Betrieben des Land- und Gartenbaus kaum zu realisieren. Die Versorgung und Pflege der landwirtschaftlichen Nutztiere ist auch am Wochenende und in Ferienzeiten unabdingbar, was zu Überbeanspruchungen des behinderten Mitarbeiters führen kann. Wetterabhängige Saisonarbeiten mit „Arbeitsspitzen“ können vor allem im Hochsommer nicht vermieden werden. Um einerseits einen optimalen Betriebsablauf zu gewährleisten, jedoch auch den Bedürfnissen der Betreuten gerecht zu werden, kann in einem sogenannten Schichtdienstverfahren gearbeitet werden. Dabei arbeiten zwei Gruppen im Wechsel an Vormittagen bzw. Nachmittagen. Auf diese Weise wird eine Wochenarbeitszeit von 36 Stunden nicht überschritten und den Behinderten ist weiterhin die Teilnahme an Freizeitaktivitäten in Wohnbereich und sozialem Umfeld möglich. Sonder- und Mehrarbeit am Wochenende wird mit einer zusätzlichen Vergütung oder alternativ durch Freizeitausgleich entlohnt.

Relativ unbeliebte Beschäftigungsbereiche wie Melken -und das damit verbundene frühe Aufstehen- können zu ausgesprochen verantwortungsvollen Positionen erklärt werden, indem dem Betreuten die Wichtigkeit und Notwendigkeit der verrichteten Arbeit vermittelt wird (AGÖL 1994).

Viele pädagogische Mitarbeiter nennen den als zu eng empfundenen Betreuungsschlüssel von 1:12 als große Schwierigkeit bei der Arbeit mit Behinderten in Landwirtschaft und Gartenbau. Die Weitläufigkeit der zu bewirtschaftenden Fläche lässt kaum zu, auf jeden Betreuten individuell einzugehen. Eine Veränderungsmöglichkeit diesbezüglich wäre die individuelle Festlegung des Betreuungsschlüssels für den jeweiligen Werkstattbereich. Somit würde sich der Betreuungsschlüssel in einem Bereich mit geringerem Betreuungsbedarf (z.B. Montage) verschlechtern zugunsten des landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Arbeitsbereiches. Solche Änderungen des Betreuungsschlüssels sind mit dem Träger der Einrichtung auszuhandeln (AGÖL 1994).

Viele Einrichtungen mit landwirtschaftlichem und gartenbaulichem Arbeitsbereich für behinderte Menschen stehen vor dem Problem, qualifiziertes Betreuungspersonal zu finden, welches den unterschiedlichen Anforderungen eines solchen Beschäftigungsfeldes entspricht. Gruppen- oder Betriebsleiter sollten u.a. Führungsqualitäten, pädagogische Fähigkeiten, Fähigkeit zur Teamarbeit, soziales Engagement, gute Produktkenntnisse und betriebswirtschaftliches Wissen vorweisen können. Die Diskrepanz zwischen diesen Anforderungen an die Position des Betriebsleiters einerseits und dessen finanzieller Entlohnung andererseits wird auch als „Betriebsleiterproblem“ bezeichnet (HERMANOWSKI 1992).

Ein weiteres Problem aus dem Bereich des pädagogischen Personals ist die mangelnde Kommunikation mit anderen Arbeitsbereichen der Einrichtung. Organisatorische Absprachen zwischen dem Sozialen Dienst oder Wohnbereich mit dem Werkstattbereich finden oftmals entweder gar nicht oder nur unzureichend statt. Als Lösungsansätze für dieses Problem könnten regelmäßige Zusammenkünfte für das gesamte Personal sowie gegenseitige Hospitationen in den verschiedenen Arbeitsbereichen sein (AGÖL 1994).

Die Art und der Aufwand der Betreuung kann bei psychisch Behinderten anders sein als bei geistig Behinderten. So erfordern psychisch Behinderte einen erhöhteren Betreuungsaufwand und fühlen sich schneller überfordert als geistig Behinderte. Psychisch Behinderte lehnen eine Zusammenarbeit mit geistig Behinderten häufig ab, weisen höhere Fehlzeiten auf und zeigen schlechtere bzw. schwankendere Arbeitsleistungen als geistig Behinderte. Ein erster Lösungsansatz für diese Problemsituation besteht im Aufbau einer eigenen Werkstatt für psychisch Behinderte bzw. einer separaten Abteilung innerhalb der Werkstatt (SONNENTAG 1991).

Der Umgang mit landwirtschaftlichen Nutztieren birgt einige Gefahren und das Risiko einer Krankheitsübertragung oder einer Verletzung. Verletzungen wie Kratzen, Beißen, Treten oder Umrennen von Menschen durch Tiere können durch nicht artgerecht gehaltene und folglich aggressiv und unberechenbar gewordene Tiere verursacht werden. Über die Ausdrucksformen und die Ansteckungsgefahr von Tollwut sollten alle Beschäftigte ausreichend aufgeklärt werden. Um Wurmparasiten zu verhindern, ist es wichtig, ausreichende hygienische Maßnahmen zu treffen. Unzureichend gereinigte Futternäpfe und Tierbehausungen beeinträchtigen die Gesundheit des Tieres wie des Menschen gleichermaßen (AGÖL 1994).

Durch die Abhängigkeit von Wetter und Jahreszeiten kann es schwierig sein, den Beschäftigten in Land- und Gartenbau ganzjährig eine sinnvolle Arbeit zu bieten. Bei der Gestaltung der Produktionsbereiche ist darauf zu achten, dass genügend Schwerpunkte vorhanden sind, die auch im Winter konstante Arbeiten ermöglichen. Eine Konstanz an Beschäftigung zu jeder Jahreszeit kann erreicht werden durch Viehhaltung (tägliches Füttern und Misten), Kartoffelschälbetriebe sowie Verpackungsbereiche (HERMANOWSKI 1992). […]

Nachdem mein Beitrag jetzt doch ziemlich lang wurde, bin ich jetzt schon mal begeistert, wenn irgendwer das ganze gelesen hat und hier unten wieder angekommen ist.

Aber wie gesagt, es ist nicht der gesamte Beitrag, und ich wollte unbedingt diesen mit euch Teilen, weil ich ihn so Toll fand. Und auch aufschlussreich. Ganz oben findet ihr wie gewohnt den Link, über den ihr dann zur entsprechenden Seite kommt, auf der der komplette Bericht zu finden und zu lesen ist. Kurz um, der Text kommt nicht von mir, sondern von jemand anderem.

Adios bis später.

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Ein Gedanke zu “Landwirtschaft als Arbeitsbereich für Menschen mit Behinderung. Ein Bericht

  1. Hallo! Das ist wirklich ein guter Aspekt über den ich so in der Form noch nie nachgedacht habe. Ich habe einen Teil meines FSJ in einem Behindertenwohnheim absolviert und weiß wie wertvoll die Arbeit für die Bewohner war und wie stolz sie mir davon berichtet haben. Sie haben z.B. Kerzen in Form von Käse mit kleinen Mäusen daran hergestellt in den Werkstätten. Sie waren so stolz, dass sie damals zusammengelegt haben um mir zum Geburtstag eine solche Kerze zu schenken. Ich bin stolz so eine Kerze geschenkt bekommen zu haben. Sie steht immer noch in meinem Wohnzimmerschrank und niemals wird ein Feuerzeug ihr auch nur zu nahe kommen!
    Danke für deinen Beitrag!
    Liebe Grüße 🙂

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