Kaffeetrinken und Zeitung lesen. Der Alltag eines HEPs?

„Du trinkts da doch nur Kaffee und liest dabei Zeitung!“

„Was tust du da eigentlich? Bauklötze spielen? Türmchen bauen und Bilder malen oder?“

„Da wird doch nix gearbeitet. Zumindest nix richtiges. Ihr macht euch da schon nen chilligen Job.“

Sprüche die ich früher immer mal zu hören bekam, wenn ich erzählte ich würde eine Ausbildung zur HEP machen. Alleine die Aussage, was ich für eine Ausbildung mache, hatt bei den meisten erst mal Fragezeichen im Gesicht verursacht. Weil man das noch nie gehört hat. (Habe ich bestimmt einfach mal erfunden und mir aus der Nase gezogen:))

Bei der näheren Erläuterung, dass es da um die Betreuung von Menschen mit Behinderung geht, folgten eben immer mal die oberen Sätze. Die mich hin und wieder zur puren Weißglut trieben. Weil das gar nicht stimmt. Alles andere, nur stimmen tuts nicht.

Gerade dann, wenn ich einen Arbeitstag hinter mir habe, wie am Montag, weiß ich ganz genau, ich trinke definitiv nicht nur Kaffee und lese auch kein einziges Wort in einer Zeitung.

Als HEP legt man nicht mal eben die Füße hoch

Lasst mich euch einen kurzen Einblick in meinen Job erlauben. Am besten einen kleinen Einblick, in den Arbeitstag am Montag.

Arbeitsbeginn 15:30 Uhr. Jacke runter, in die Hausschuhe rutschen. Schnell an den PC und kurz überfliegen was an Mails und Tagesdoku vorhanden ist. Am besten Zeitgleich noch den Kaffee aufsetzen, kommen die ersten Bewohner schon um 15:40 Uhr von der Werkstatt nach Hause. Und die erste wird, kaum das sie den Wohnbereich im oberen Stock (in dem ich übrigens Dienst hatte) betreten hat (besser befahren), nach einem Kaffee fragen. Und das so lange, bis sie ihre Tasse  bis an den Rand gefüllt, vor sich stehen hat. Vorher wird keine Ruhe herrschen.

Kaum vom PC weg, steht auch die erste Bewohnerin mit ihrem Rolli im Wohnbereich. „Du….kann ich Kaffee?“ Hab ichs doch geahnt. „Mit Milch?“ „mmmmmh. Jap“ Allerdings hatte ich dann immer noch keinen Frieden, musste ich mir gefühlt hundert mal anhören, wann Fasching ist und ob besagte Bewohnerin doch bitte in ihren Schrank schauen darf.

Zwischenzeitlich mal zu unserem aktuell Kranken bewohner geschaut, der derzeit in der WG bleibt. Und Tagesbetreuung von der Bereitschaft hat. Er lag im Bett und schlief. Sollte ihn jetzt allerdings nicht all zu lange schlafen lassen. Schläft der sonst ja Nachts nicht. Und hält die Bereitschaft wach.

Vorher aber noch schnell nach der Wäsche schauen. Gut, alles vom Tagdienst bereits soweit weggewaschen. Lobenswert. Muss ich das schon nicht mehr tun, nachdem ich bis 18 Uhr, mit 4 Bewohnern  alleine bin. Wegen Personalersparnis. Hätte zwar auf den Springer im Stockwerk unter mir zugriff. Macht aber keiner. Kann schließlich nur auf einem Stockwerk mit zwei laufen. Frau Rennt dann leiber alleine. Bis die Bereitschaft ca 2 Stunden später zur unterstützung kommt.

Mittlerweile war bereits Bewohner drei zuhause eingetrudelt. Der dann auch noch regelmäßig, nachdem ich ihm die Jacke und die Straßenschuhe ausgezogen hatte, nach Trinken rief. Welches ich ihm eingeben muss, da er selber nicht trinken kann.

Zwischen Tür und Angel, verfrachtete ich dann, die Kaffeetante, auf die Toilette. Inklusieve Lifter. Nahm bereits den Schlafanzug mit, damit ich sie schon mal umziehen konnte. Wenn sie schon auf dem Klo ist. Natürlich bekam sie noch einen Pulli. Damit es eher nach Daheimrum Kleidung und nicht nach Schlafi aussah.

Die Beine hoch gelegt? Fehlanzeige.

Für nen Kaffee ist immer Zeit

Kaum hatte ich das Badezimmer verlassen, schoss bereits die letzte im Bunde auf die Etage. Ein relativ kurzes Hallo. Darauf ein pampiges „Ist hier n Klo frei.“ Okay. Ich merk schon. Schlechte Laune lässt stark grüßen. War schon auf das schlimmste Vorbereitet, als ich ihr sagte, dass ihre Schwester gerade das Klo blockiert. Nichts. Irgendwas stimmt da gerade nicht so ganz.

Den Kaffee den ich ihr anbot, konnte sie aber so gut wie nicht abschlagen. Ich selbst hatte bis dato lediglich zwei Schluk meines Kaffees getrunken. Im Vorbei rennen. Zwischen Tür und Angel. Kalt war er inzwischen auch noch. Na prima. Aber kalter Kaffee macht ja bekanntlich schön. Den Tee, welchen ich mir kurz vorher gekocht hatte, hatte ich inzwischen auf Ex runter gekippt. Konnte nicht mal sagen ob er gut war.

Die Rauchen doch alle bloß

Kaum einen Schluck Kaffee zu mir genommen, der ja kalt war, hüpfte ich ins Zimmer des Kranken. Der muss aufstehen. Rausgezogen. Richtung Toilette buchsiert. Einlagenwechsel eindeutig notwendig. Laut Doku hatte er ziemlich viel Getrunken. Die Einlage bestätigte mir auch die Dringlichkeit eines Wechsels.

Weiter gehts. Kaum das dieser auf dem Klo saß, schoss ich auch schon wieder ins andere Bad. Beziehungsweise hatte ich es vor. Hielt dennoch kurz inne und dachte so bei mir, ich könnte eigentlich eine Zigarette vertragen. Weshalb ich zwischen den Zeilen kurz auf den Balkon verschwand um der Sucht zu fröhnen.

Jeder andere Raucher würde dafür mindestens 5 minuten brauchen. Ich schaffs in 2 1/2. Ich hab auf die Uhr geschaut. Nikutin abgedeckt. Genuss flöten gegangen. Oder auf Urlaub in den Malediphen. Kommt erst in ein paar Tagen zurück.

Sofortiger abgang ins Bad. Kaffeetante vom Klo geholt. Schalfanzughose anziehen in der Eile verspickt. Hatte ich sie schon im Rolli sitzen als es mir augefallen ist. Naja, mach ichs eben später und richte jetzt nur mal oben rum.

Tiefer Schluck aus der Kaffeetasse. Rin zum Kranken. Vom Klo geholt. Schlafanzug angezogen.

Grantler muss auch noch zur Pflege. Wäre nicht schlecht. Habe ich sonst fünf Kilo Einlage an der Hand hängen. Für die etwas schlecht gelaunte Bewohnerin immer nur für einen Kurzen Moment Zeit zum schwatzen. Ärgert man sich dann schon, wenn man weiß dass im unteren Stock auf 2 Betreuer die selbe Anzahl Bewohner kommt. Die ich alleine schmeiße. Fühlt sich nicht gut an. Wirklich nicht.

Wie war das mit der Zeitung?

Inzwischen, nachdem ich drei Leute gepflegt hatte, fünf Schluck Kaffee getrunken hatte, und eine 2 1/2 Minuten-Zigarette hatte, war es Zeit Abendessen herzurichten. Bei genauere Betrachtung des Kühlschrankes viel mir allerdings auf, dass Brotbelag relativ rar war. Sollte vielleicht fürs Frühstück übrig bleiben. Gemüse schien so oder so Mangelwahre darzustellen.

Entsprechend suchte ich die Tiefkühle nach einem halbwegs schnellen Gericht ab. Das man einfach schnell in die Pfanne knallt und gut ist. Wurde Fisch mit Kartoffeln draus. Nebenher, während ich für die ganze Mannschaft kochte, noch der Kaffeetante beim verkleiden geholfen. Hatte sie doch tatsächlich ihr Kostüm in die Finger bekommen.

Multitaskintechnisch sogar noch rausbekommen, warum die Schwester so schlechte Laune hatte. Der Bus kommt früher. Also der Fahrdienst. Weils angeblich nicht anders geht. Und sie immer ein paar Minuten zu spät in die Werkstatt kommen. Hauptproblem war eigentlich, dass die Schwester jetzt etwas früher aufstehen muss. Ganz zu schweigen, dass sie in der Früh weniger Zeit hat.

Um aufs Zeitunglesen zurück zu kommen. Habe ich allerhöchstens die Anleitung gelesen, wie ich den Fisch in der Pfanne am besten bearbeite. War ich mir da nicht ganz sicher. Eine Zeitung hatte ich bis dahin,  nicht ein einziges mal in der Hand. Und selbst wenn ich es getan hätte, hätte ich mich lediglich über das Titelbild gewundert. Der Inhalt mir gänzlich unbekannt. Und ein Rätsel.

Wenn dann doch mal Ruhe rein kommt.

Gegen 18 Uhr trudelte dann auch meine Verstärkung ein. Was zur Folge hatte, dass etwas mehr Ruhe in die Sach rein kam. Ich sogar Zeit hatte, nach dem Abendessen in aller Ruhe eine Zigarette zu rauchen und sie auch zu genißen.

Mal davon abgesehen, dass ich noch zwei Bewohner zu Bett brachte. Und einer der Beiden, Liebensgewürzigerweise, Durchfall hatte. Fand ich auf die Uhrzeit dann nicht mehr so toll. Von den Latschen gehauen hat es mich eindeutig nicht.

Bewohner soweit fertig. Allerdings noch nicht mit der Arbeit. Wäsche abhängen und zusammenlegen. Maschiene anschmeißen, in der sich innerhalb der letzten Stunden, doch einiges Angesammelt hat. Damit es am nächsten Tag fertig ist.

Küche in Ordnung bringen. Geschirr weg räumen. Tisch wischen. Spüli anschmeißen. Herd sauber machen, Töpfe von Hand spülen, die nicht mehr in die Spüli passen. Doku schreiben. Kontrollieren ob ich alles Abgezeichnet habe, was ich gemacht hatte (Medigabe, Stuhlgang etc.)

Zum Glück musste heute keiner mehr Baden.

Punkt 21 Uhr abgestempelt. Völlig entnervt. Gelöchert wie ein Schweizer Käse von den imme wiederkehrenden Fragen, die kamen.

Chillig? Eindeutig was anders, dass aber definitiv nicht. Badewanne ist mein Ziel und dann ins Bett. Herzlichen Glückwunsch.

 

 

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2 Gedanken zu “Kaffeetrinken und Zeitung lesen. Der Alltag eines HEPs?

  1. Die wenigsten „Aussenstehenden“ können wirklich nachvollziehen, was Pflegekräfte zu leisten haben. Und dazu zählt nicht nur die körperliche Arbeit, sondern auch die Psychische. Die oftmals mehr schlaucht. LG JJacky

    Gefällt 1 Person

    1. Ja das stimmt. Manche können es tatsächlich nicht nachvollziehen. Andere wiederum sagen, sie könnten es nie machen. Weil es ihnen zu anstrengend ist.
      Allerdings erlebe ich in letzter Zeit immer mehr, dass ein Wandel in den Köpfen vorgeht. Zollt man mir inzwischen eher respekt, als das man mir an den Kopf wirft, ich würde mir da ein Gemütliches leben draus machen. Wobei es diejenigen nach wie vor gibt 🙂

      Gefällt 1 Person

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