Therapie mit Pferden für autistische Kinder

Neulich mal wieder im Netz gesurft und nach diversen Beiträgen zu meinem Lieblingsthema gesucht. Reittherapie. Lässt mich nach wie vor überhaupt nicht los. Neulich stieß ich dann, als ich mal wieder sinnierend vor dem Computer saß, auf einen zweiteiligen Beitrag, von Spiegel online. Über ein Autistisches Kind, dass Reittherapie in Anspruch nimmt.

Diesen Beitrag fand ich so rührend und auch toll, dass ich ihn euch nicht vorenthalten möchte.

Hamburg – Die Sekunden, in denen Rupert Isaacson um das Leben seines Sohnes fürchtet, fühlen sich an wie Stunden. Während Rupert starr ist vor Angst, amüsiert sich Rowan königlich. Der Zweieinhalbjährige grunzt vor Freude, strampelt vor Vergnügen. Rowan liegt rücklings im Gras, rudert mit den Armen. Ein wenig sieht er aus wie ein Käfer, dem es nicht gelingt, zurück auf die Beine zu finden. Ihn beglückt der Anblick von Betsy, der Stute, die groß und gewaltig über ihm steht. Wenige Zentimeter trennen die Hufe des Hunderte Kilo schweren Tieres vom Körper des Kindes.

Ein lauter Knall, eine abrupte Bewegung und Rowan wäre zerquetscht. Doch Rowan ist selig, denn er kennt keine Gefahr. Rowan ist Autist.

„Wenn ich mich damals auch nur minimal bewegt hätte, wäre das sein Ende gewesen“, sagt Rupert Isaacson SPIEGEL ONLINE. Doch Isaacson, 42 Jahre alt, Brite, gelernter Journalist und passionierter Menschenrechtler, kennt sich mit Pferden aus.

Betsy, die Stute, unterwirft sich in jenem Moment dem kleinen Bündel Mensch, das sich zu ihren Füßen gelegt hat. Das Tier, Anführerin der Herde, die um sie herumsteht, senkt den Kopf und stupst den Jungen mit der Nase. Isaacson kann nicht glauben, was er sieht, aber er kann es deuten. Betsy will seinen Sohn schützen.

Für Rowan ist es die Wende in seinem Leben.

Der Junge ist eineinhalb Jahre alt, als Isaacson und seine Frau Kristin Neff, eine Psychologieprofessorin, realisieren, was sie bis dahin nur befürchtet hatten. Rowan ist nicht nur anders als andere Kinder, er ist krank. Der Junge kann nicht sprechen, keine Wörter wiederholen, nur brabbeln. Unverständlich murmelt er vor sich hin, wo andere schon „Mama“, „Papa“, „Ja“ oder „Nein“ sagen können. Zu seiner Umwelt verhält Rowan sich wie ein Fremdkörper. Er nimmt kaum Kontakt zu seinem Umfeld auf. Andere zeigen in seinem Alter auf Gegenstände, präsentieren ihr Spielzeug, reagieren auf den eigenen Namen. Rowan tut nichts von all dem. Isaacson und seine Frau sind ihrem Sohn nah, doch sie trennen Welten.

Rowans Welt ist zu laut, zu grell, zu schwer

„Kaiserschnittkinder sind oft etwas langsamer in der Entwicklung“, versuchen Freunde Isaacson und seine Frau zu beruhigen. Doch das Paar weiß es längst besser. Rowan ist nicht nur langsamer als andere Kinder, sein Gehirn funktioniert anders als das Gleichaltriger.

Forscher gehen davon aus, dass lediglich ein kleiner Bereich des menschlichen Gehirns für die Symptome der Autistic Spectrum Disorder (ASD) verantwortlich sind. Nur wenige Autisten weisen eine geistige Behinderung auf – die meisten hingegen haben ganz besondere intellektuelle Fähigkeiten. Die Zahl autistischer Kinder ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Diagnosespektrum erweitert worden, zum anderen ist das Bewusstsein für die Krankheit gewachsen. Studien gehen davon aus, dass eines von 150 Kindern betroffen ist.

Eine Untersuchung von Rowans DNA ergibt, dass ihm ein Gen fehlt, das ein Enzym namens Glutathion produziert und dem Körper hilft, Toxine zu verarbeiten. Rowans Nervensystem ist überaktiv. Autistische Gehirne enthalten viel mehr Nervenzellen als andere. Für Rowan bedeutet das: Er sieht, fühlt und spürt mehr als andere Kinder. Alltägliche Dinge stellen für ihn eine sensorische Überlastung dar. Das Licht eines Supermarktes wirkt auf ihn wie ein Stroboskop, Pullover, Hosen und Bettdecken fühlen sich für ihn an wie Bleigewichte. Das Surren der Klimaanlage ist ein Höllenlärm in seinen Ohren. Rowans Welt ist zu laut, zu grell, zu schwer. Alle Sinneseindrücke strömen in ungebremster Intensität auf ihn ein. Die Welt surrt, blinkt, pfeift, drückt, sie ist übervoll mit Farben, Klängen, Sinnesreizen. Doch Rowan kann nicht aus seiner Haut – und nicht aus seiner Welt.

Er kann das, was er erlebt, nicht artikulieren. Ihm fehlen die Worte. Rowan teilt sich mit, indem er schreit. Er schreit wie von Sinnen, stundenlang und überall, halb vor Wut, halb vor Qual. Auf der Straße passiert es, dass Bauarbeiter ihre Presslufthämmer beiseite legen und den Knirps anstarren, der sich in Rage brüllt, bis er schließlich in hohem Bogen erbricht.

Das Leben ist geprägt durch Lärm, Selbstzerstörung, emotionalen Zwang

Rowan ist unberechenbar. Er schmeißt sich auf den Boden, schlägt mit Kopf und Fersen auf den Beton, macht sich zugleich in die Hose. Er verzerrt den kleinen Körper stakkatoartig in bizarre Verrenkungen.

Passanten beschimpfen die Eltern, der Junge sei schlecht erzogen, habe zu viele Freiheiten. Oder sie wollen den Notarzt rufen. Hat er einen Anfall, dann scheint Rowan nicht von dieser Welt zu sein. Eine Kontaktaufnahme ist für die Eltern unmöglich. Rowan ist da – und auch nicht. Das Leben der Familie auf dem Land in Texas ist geprägt durch Lärm, Selbstzerstörung, emotionalen Zwang.

Rupert und seine Frau kutschieren den Jungen von einem Therapie- zum nächsten Begutachtungstermin, sprechen mit Versicherungen, Sozialpädagogen, Medizinern. Sie versuchen verschiedene Ansätze, der Arzneischrank ist voller Medikamente. Nur besser wird die Situation nicht. Rowan kämpft mit seiner Umwelt und gegen sich selbst.

Gefunden auf der Seite von Spiegel Online, wo übrigens auch der zweite Teil des Beitrages zu lesen ist, wenn man das denn gerne möchte.

Hier der genaue Link dort hin:  http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/pferdetherapie-bei-autismus-ausritt-ins-leben-a-654717.html

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