Was machst du eigentlich beruflich

Wenn ich in letzter Zeit gefragt werde, was ich eigentlich beruflich mache oder was ich für eine Ausbildung gemacht habe, antworte ich zur Zeit meistens immer eher auf Sparflamme mit der Aussage „Ich bin HEP“. Freue ich mich nämlich zurzeit immer riesig drüber, wenn ich daraufhin mit großen Augen angestarrt werde. Weil mein Gegenüber entweder überhaupt nichts damit anfangen kann, oder eine komplett verquere Vorstellung davon hat, was ich eigentlich täglich mache.

Oft bekam ich schon Aussagen an den Kopf geschossen wie: „Ach so, du arbeitest dann also in so einer Werkstatt.“ Genau….in so einer Werkstatt. Mit Türen und Fenstern und da stehen Maschinen rum. Ganz zu schweigen von den Leuten die da wohl rumlaufen. Es handelt sich hierbei um eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Nicht um so ne Werkstatt. Könnte ja auch ne Autowerkstatt sein, was es ja im Grunde überhaupt nicht ist. Die Fragen darüber, wo man als HEP sonst so arbeitet, bleibt in den meisten Fällen auch nicht lange aus.

Verdutzt waren die meisten dann sehr, als ich am Rande erwähnte, dass ich gar nicht in „So ner Werkstatt“ arbeite. Wo sollte denn ein HEP sonst arbeiten, wenn nicht dort? Bestimmt im Krankenhaus oder? Nun ja, das müsste jetzt bitte noch ein wenig genauer sein. Denn in einer normalen Klinik bin ich als HEP vollkommen fehl am Platz. Ich bin schließlich HEP und keine Krankenschwester oder der gleichen. Ich bin dort eine Hilfskraft und keine Fachkraft. Anders sieht es dann schon wieder im Psychiatrischen Bereich aus. Da bin ich dann schon wieder richtig, mit meinem Berufsfeld. Aber da arbeite ich auch nicht.

Ja aber wo denn dann? Ich frage mich dann manchmal, ob sich manch einer noch nie richtig Gedanken darüber gemacht hat, wo denn die ganzen Menschen mit Behinderung wohnen? Gerade diejenigen, die es beispielsweise, aufgrund ihrer Behinderung, NICHT schaffen würden, alleine zu wohnen? Die in jeglicher Hinsicht auf die Unterstützung von außen angewiesen sind? Natürlich erkläre ich dann ausführlich darüber, dass es auch spezielle Wohneinrichtungen für dieses Klientel gibt. Und das in unterschiedlicher Form und Ausführung.

Treffe ich jedoch dann auf jemanden der überhaupt nichts mit dem Berufsbegriff anfangen kann, erkläre ich mich meistens ganz anders. HEP = Heilerziehungspfleger. Jemand der mit Menschen mit Behinderung arbeitet. In Wohngemeinschaften, im ambulanten Dienst, (Integration)Kindergarten, Psychiatrie oder auch in Werkstätten. Ein HEP ist ein Pädagoge mit Zusatzqualifiktaionen in Pflege, Medizin und Psychiatrie. Der Schwerpunkt liegt allerding auf der pädagogischen Arbeit, Eingliederung und Rehabilitation. Arbeite ich zwar  im Moment in einer Wohneinrichtung, diese ist aber kein Pflegeheim sondern eine pädagogische Wohneinrichtung zur Wiedereingliederung. Gehört somit zur Eingliederungshilfe und hat mit Medizin so viel zu tun, wie ein Apfel mit einem Krokodil.

Zu guter Letzt bekomme ich zur Zeit, immer wieder, folgenden Schlusskommentar an den Kopf geschossen: „Und dafür muss man eine Ausbildung machen?“

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2 Gedanken zu “Was machst du eigentlich beruflich

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