Wenn sich was ändern muss

Was ich mir bloß dabei dachte

Manchmal frage ich mich selbst tatsächlich, was mich damals eigentlich geritten hat, die Stelle zu wechseln, als ich mit der Ausbildung fertig war. Raus aus der geregelten Arbeitszeit, rein in den WG Alltag mit Wechselschicht- und Wochenendarbeit.

Es lag wohl nicht zuletzt an der Tatsache, dass ich mir steif und fest einredete, mich beruflich weiter zu entwickeln. Mal einen anderen Bereich kennenlernen wollte. Wissen wollte wie es in einer WG für Menschen mit Behinderung so abläuft. Ich wollte Erfahrungen sammeln und meine pädagogische Arbeit verbessern. Alle Hinweise von Kollegen, Freunden und Familie, wohlwissend in den Wind geschossen, dass Schichtarbeit sehr anstrengend ist.

Ich wollte es aber auf Teufel komm raus wissen. Unbedingt. Obwohl ich eigentlich von meiner ersten Ausbildung her, wissen hätte müssen, dass mir die Schichtarbeit überhaupt nicht liegt. Aber genau das habe ich gekonnt ignoriert und überhört. Hätte ich mich letztlich wahrscheinlich sehr drüber geärgert, hätte ich es nicht gemacht. Weil dann hätte ich immer noch nicht gewusst wie es ist.

Beruflich unterwegs im psychiatrischen Bereich

Nach dieser Entscheidung begab es sich, dass ich in einer Wohneinrichtung im psychiatrischen Bereich gelandet war. Auf der einen Seite war es sehr interessant, auf der anderen schwor ich mir von Tag zu Tag mehr, ich würde dauerhaft nicht mit diesem Klientel arbeiten können. Ich konnte damit nicht viel anfangen und bin eindeutig im falschen Bereich gelandet. Mein Steckenpferd war  ein anderes. Aber nicht der psychiatrische Bereich.

Ganz zu schweigen von den Nachtwachen, die ich absolut nicht abhaben konnte. Die ganze Nacht schlägt man sich um die Ohren, wartet eigentlich regelrecht darauf, dass man abgelöst wird vom Frühdienst, zählt die Stunden wie lange man noch bleiben muss, bis man ins Bett kann. Und schaut TV. Mal ganz zu schweigen von einer doch recht langen Strecke, die ich bis nach Hause zurücklegen musste. Was mich zusätzlich geschlaucht hat zu der Tatsache so oder so schon übermüdet zu sein.

Stellenwechsel, schon wieder!

Letztlich lief es auf einen Stellenwechsel hinaus. Zu meinem jetzigen Arbeitsplatz. Kannte ich einen Teil der Bewohner bereits aus meiner Zeit der Ausbildung. Außerdem empfand  ich es im Vorstellungsgespräch damals sehr angenehm, dass es eine Bereitschaft für die Nacht gibt und keine Nachtwache. Letztlich habe ich auch zugesagt, weil die Stelle weitaus näher an meinem Zuhause ist, als die vorige.

Allerdings komme ich in den seltensten Fällen in der Bereitschaft tatsächlich dazu zu schlafen. Ich bin oft zwar recht müde, aber kann dennoch nicht schlafen. Was vielleicht auch damit zusammen hängt, dass ich außerhalb allgemein schlechter schlafe als zu Hause. Was aber, so glaube ich, nichts ungewöhnliches ist.

Ich bin nicht für den Schichtdienst gemacht

Dennoch stelle ich für meinen Teil immer mehr fest, dass ich wirklich nicht für den Schichtdienst gemacht bin. Ich ein Mensch bin, der tagsüber arbeitet, abends zu Hause ist und des Nachts auch in seinem eigenen Bett schlafen will. Ich stelle zunehmend fest, dass mich die verschiedenen Schichten sehr schlauchen.

Ich oft sehr müde und erschöpft bin. Auch wenn ich ein bestimmtes Pensum Schlaf habe. Vor allem nach einer durchwachten Nacht, bin ich oft extrem fertig. Brauche recht viel Zeit um mich davon wieder zu erholen. Habe auch oft keine große Lust mehr, irgendwas zu unternehmen.

Außerdem fällt mir immer mehr auf, dass es mich von Zeit zu Zeit immer mehr Nerven kostet, am Wochenende zur Arbeit zu gehen. Ich vieles häufig als Unfair und ungerecht sehe. Aber nichts sage. Es stillschweigend so hinnehme, wie es ist.

Mit meinen jungen Jahren, komme ich mir inzwischen vor wie jemand, der kurz vor der Rente steht. Schlapp, müde und ausgelaugt. Kaputt. Unmotiviert. Energielos. Den Wunsch verfolgend, wieder geregelte Arbeitszeiten zu haben. Wieder einen normalen Rhythmus hat. Ich bin zu alt für den Sch….würde eine ehemalige Kollegin von mir dazu wohl sagen.

Eine extreme Erfahrung

Neulich hatte ich eine sehr krasse Erfahrung. Die mir wieder neu aufgezeigt hat, was ich eigentlich wirklich will. Beruhend auf meiner Entscheidung, die ich damals im psychiatrischen Bereich traf, nie mehr in diesem Bereich zu arbeiten, da es nicht mein Bereich ist und ich mit diesem Personenkreis nicht gut harmoniere.

Hatte ich Nachtbereitschaft. Ich war ziemlich müde und kaputt vom Tag. Da ich in meiner Freien Zeit, bis ich zum Dienst durfte, noch einiges erledigt und gemacht hatte. Wusste auch, dass in der WG nicht viele Bewohner anwesend sind, da der größte Teil erst am Folgetag, von den Eltern vom Wochenendbesuch nach Hause kommen würde. Bei einem Bewohner ist es jedoch üblich, dass dieser bereits am Sonntagabend wieder zurück kommt.

War mir auch klar, dass besagter Bewohner, etwas durch den Wind sein dürfte, aufgrund seiner psychiatrischen Hintergrundgeschichte. Allerdings musste ich für meinen Teil feststellen, dass dieser nicht nur ein bisschen durch den Wind war.

War es ein regelrecht provokatives Verhalten, dass an den Tag gelegt wurde. Ein Verhalten, dass mir Angst einjagte. Hinzu kam noch die Tatsache, dass ich wusste, die Nacht alleine im Haus verbringen zu müssen. Der nächste Dienst, der mich unterstützen könnte, erst am nächsten Morgen eintreffen würde. Ich demnach mehrere Stunde alleine im Haus wäre.

Angst und blanke Panik

Leichte Panik stieg in mir auf. Zumal ich immer dachte, als ich ein Gespräch begonnen hatte, vom Thema ablenkte und der Bewohner auch immer wieder entspannt wirkte, dass sich die Situation im Allgemeinen entschärft hatte. Allerdings kamen immer wieder provozierende, teils aggressive Äußerungen. Was zur Folge hatte, dass die Angst und die blanke Panik immer mehr in mir hoch stieg und wie ein Klos in meiner Brust hing. Aber zeigen darfst du es im Grunde nicht, denn sonst hast du von vornherein verloren. Immer cool bleiben hieß die Devise.

Diese Angstzustände, muss ich zugeben, hatte ich vor vielen Jahren schon einmal. Allerdings kamen diese über einen langen Zeitraum nicht mehr auf. Hatte ich sie lange nicht mehr. Und alleine durch diese eine Situation stiegen sie wieder auf. Es ist nicht angenehm.

Ich konnte die gesamte Nacht nicht mal im Ansatz daran denken zu schlafen. Zu groß war der Klos im Hals, der dort steckte. Zu viel Angst hatte ich, plötzlich einen Bewohner neben mir stehen zu haben, der außer Rand und Band ist. Ich keine Chance mehr habe die Flucht zu ergreifen und mir Hilfe zu holen. Zu viel Respekt davor, nicht mitzubekommen wenn etwas passiert.

Was tue ich eigentlich wenn…?

Ich sah mich vor meinem inneren Auge bereits, wie ich mich in ein Zimmer verschanzte. Total panisch den Notruf absetzte. Weinend vor Angst, mit zittriger Stimme dem Beamten, am anderen Ende der Leitung, meine Situation schildernd. Draußen ein schreiender und randalierender Bewohner. Ich darum bittend einen Einsatzwagen vorbei zu schicken um den, am Rad drehenden, Bewohner in die Klinik einzuliefern.

Die gesamte Nacht hörte ich permanent irgendwas. Irgendwelche Geräusche, die mich aufschrecken ließen. Nicht zuordnen könnend, woher diese kamen. Da war ich dann auch an dem Punkt, an dem ich entschlossen hatte, es muss sich dringend und sehr schnell etwas ändern. Außerdem setzte ich für mich selbst fest, dass ich nicht mehr im psychiatrischen Bereich arbeiten möchte. Auch nicht, wenn davon nur einer betroffen ist. Dachte ich zu Anfang immer, dass ich mit einer Person, die einen Psychiatrischen Hintergrund hat, schon klarkommen würde. Aber ich tue es nicht. Das muss ich mir wohl nun eingestehen.

Als erstes werde ich wohl darum bitten, keine Nachtdienste mehr eingeteilt zu bekommen, wenn dieser Bewohner im Haus ist bzw. vom Elternbesuch zurück kommt. Ich hoffe nur, dass meine Sorge ernstgenommen wird.

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