Reiten in Irland

Während unseres Irlandaufenthaltes habe ich die ganze Zeit davon gesprochen, dass ich gerne einmal dort reiten gehen möchte. Habe mich im Vorfeld immer mal wieder umgeschaut ob es dort denn auch Reitschulen oder ähnliches in der nähe unserer Unterkünfte gibt. Hauptsächlich wollte ich eigentlich mal ein Connemarapony reiten. Weil die Gegend ja für diese Rasse bekannt ist.

Was macht der Preis da?

So begab es sich, dass wir, recht spontan, über die Jugendherberge in der wir genächtigt haben, einen 60 Minütigen, geführten, Ausritt gebucht hatten. Für die 60 Minuten haben die Betreiber 40 € p.P. verlangt. Noch okay, aber mit deutschen Preisen nicht ganz zu vergleichen.

So zahle ich beispielsweise, zu Hause, für eine Privatstunde 40 €. Für die Gruppenstunde allerdings weniger. Wobei ich vermute, dass es auch hier abhängig von Region und Lage ist. Aber seis drum.

Nette, spontane Begleitung

In der Juhe hat sich dann noch eine Mutter mit ihrem Sohn eingeklinkt. Zwei Holländer. Echt sehr nette Menschen, muss man schon sagen. Der Junge Mann wollte so gerne reiten gehen. Allerdings hatte sich die Familie für ihren Urlaub kein Auto gemietet. Also waren wir so nett und haben die Beiden mitgenommen. Ich muss sagen, ich bin nach wie vor sehr überrascht darüber, dass der Junge, für sein alter, so extrem gutes Englisch gesprochen hat. Ich konnte da nicht so recht mithalten.

Vor Ort angekommen

Dort angekommen, wirkte alles eher etwas alt und renovierungsbedürftig auf mich. Vielleicht bin ich auch einfach ein wenig von zu Hause verwöhnt. Wir meldeten uns am Empfang und wurden sehr freundlich empfangen. Scheint eine irische Eigenart zu sein, von der sich manch einer noch ganz gewaltig eine Scheibe abschneiden kann.

Es war auch überhaupt kein Problem, dass wir spontan noch zwei aus unserer Unterkunft mitgebracht hatten. Die zwei hatten nämlich nicht vorher gebucht. Die Dame am Empfang sagte kurz dem Guid bescheid und erklärte, dass es dann ein paar Minuten später wird, da nur zwei Pferde bereit zum Start wären.

Verwunderung macht sich breit

Ich wunderte mich ein wenig. Denn bin ich es von zu Hause gewohnt, mein Pferd selbst fertig zu machen. Also putzen und satteln. Allerdings kann ich aber auch die Sicht der Betreiber verstehen. Wenn da jetzt jeder kommt und behauptet er kennt sich aus. So können sie selbst sicher stellen, dass das Pferd richtig gesattelt ist.

Die Fähigkeitsabfrage

Vor beginn mussten wir dann noch unsere Daten angeben. Außerdem auf welchem Level wir uns befinden. Also von unseren reiterlichen Fähigkeiten. Das wurde dann unterteilt in: weniger als 10 Reitstunden, mehr als 10 Reitsunden und dass dritte, also Fortgeschritten, waren irgendwie mindestens 20 oder mehr Reitstunden. Wobei ich selbst bei 20 Reitstunden noch nicht von fortgeschritten sprechen würde. Aber das ist wohl Auslegungssache.

Detektiv Sherlock unterwegs

Während wir noch darauf warteten, dass die zwei zusätzlichen Pferd fertig waren, habe ich mich ein wenig umgesehen. Und habe für meinen Teil festgestellt, dass es dort zwar schon nett ist, und auch das Personal freundlich ist. Allerdings gab es ein paar Punkte, die ich nicht so recht gut fand. Ohne die Betreiber nun schlecht machen zu wollen.

Die Boxen waren zwar geräumig, aber relativ dunkel. Hatte der gesamte Stall keine Fenster, lediglich die geteilte Tür, ließ Licht in die Boxen. Am Tag unseres Rittes war, bis auf die beiden Boxen der Zuchthengste, zwar alle Boxen sauber, aber kein Krümel Streu zu finden. Vielleicht hatten sie aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht nachgestreut. Sollte das aber ein Dauerzustand sein, finde ich, dass es eigentlich kein Dauerzustand sein kann, nicht zu streuen.

Endlich geht es los!

Als es um das Reiten ging, muss ich sagen, waren sie dort sehr gut organisiert. Jeder bekam eine Warnweste, damit man sehen konnte, wer zur Gruppe dazu gehört. Außerdem hatten sie sehr viel Helme in verschiedenen Größen. Es war für jeden Pflicht einen Helm zu tragen.

Daraufhin ging es dann los, dass wir unsere Pferde zugeteilt bekamen. Man muss sagen, jeder bekam das passende Pferd zugeteilt. Seinen Fähigkeiten entsprechend. Unsere „Führerin“ erkundigte sich auch nochmals darüber, auf welchem Level wer denn nun reitet. So teilte sie auch die Pferde auf und strukturierte in welcher Reihenfolge wir reiten würden. Die Anfänger vorne, die guten hinten.

Kurze Fähigkeitsabfrage auf dem Reitplatz

Zuerst ging es kurz auf den Reitplatz, der am Tag des Rittes leider etwas nass und matschig war, da es davor leider geregnet hatte. Kann passieren und ist nicht weiter dramatisch. Die Führerin wollte kurz einfach noch den Anfängern erklären, wie sie ihre Pferde zu lenken und zu parieren haben. Damit die beiden nicht einfach aufs Pferd geklatscht und sich selbst überlassen waren. Sehr lobenswert!

Wir ritten dann, eine gute Stunde, durch die Irische Landschaft und auch ein kurzes Stück am Strand. Aufgrund der zwei Anfänger die wir dabei hatten, beschloss die „Führerin“ bereits am Anfang, dass wir nur Schritt reiten. Was ich für sehr Sinnvoll gehalten hatte. Erkundigte sie sich auch bereits am Anfang bei beiden, ob sie auch traben möchten. Was eine der beiden von vornherein verneinte, da sie noch so gut wie keine Reiterfahrung hatte. Was auch vollkommen okay war.

Irgendwo im Nirgendwo

Der Ausritt war wirklich sehr schön und die Pferde waren auch sehr angenehm zu reiten. Sehr brav und anständig. Man musste im Grunde keine Angst haben, eines der Tiere würde im nächsten Augenblick durchgehen oder ähnliches. Die „Führerin“ erkundigte sich auch mehrfach ob noch alles in Ordnung ist und schaute auch immer darauf, dass die Gruppe zusammen blieb. Sehr lobenswert. Man fühlte sich echt gut aufgehoben.

Arbeitserleichterung oder doch Gefahr?

Was mich am Schluss allerdings etwas schockiert hat, naja was heißt schockiert, ich empfand es für nicht richtig war, dass die Pferde nach dem Ritt, in ihre Boxen gestellt wurden. Aber das Absatteln ausgefallen ist. Sie wurden samt ihrem gesamten Equipment in der Box geparkt, bis die nächste Truppe zum Reiten kam. Lediglich die Riemen an der Trense wurden geöffnet. Mit der Begründung, dass später eh schon die nächsten zum Reiten kommen würden und es zu viel Arbeitsaufwand wäre, die Pferd nochmal einzukleiden.

Persönlich sehe ich das eher kritisch. Zum einen weiß ich nicht, wann die nächste Truppe gekommen ist. Sind es nur ein paar Minuten, ist das kein Problem, die Pferde nicht abzusatteln. Handelt es sich aber ggf. bereits um gut 1 Stunde, halte ich es für ungünstig die Pferde, eine Stunde lang, gesattelt und getrenst, in der Box stehen zu lassen. Zum einen dem Wohlbefinden des Pferdes gegenüber. Aber auch aus Sicherheitsgründen.

Wenn ich mir denke was da alles passieren könnte. Die Pferde könnten sich selbst auf die Zügel treten oder auf diverse geöffnete Riemen an der Trense, während dem Fressen. Oder lass da mal ein Pferd auf die Idee kommen, sich hin zu legen oder zu wälzen. Mit samt Sattel und allem drum und dran. Prost Mahlzeit wenn sich das Pferd in Zügeln oder Vorderzeug verwickelt. Danach ist dann das Drama groß, wenn sich einer schwer dabei verletzt.

Irgendwie so was wie ein Fazit

Aber, ich möchte hier nicht alles schlecht reden. Es war ein sehr netter Ausritt. Das Personal dort war sehr bemüht um uns, aber auch um die Pferde. Allerdings gab es ein paar Punkte, die ich, aus persönlicher Sicht nicht gut heiße. Grundlegend ist es immer noch den Betreibern überlassen, wie sie es handhaben.

Wobei man dazu sagen muss, dass die Iren vielleicht das ganze etwas anders sehen. Und das was ich sah auch nur eine Momentaufnahme war. Was nicht zu heißen hat, dass bestimmte Dinge immer so sind.

Persönlich würde ich durchaus einen Ritt in Irland empfehlen. Auch wenn ich selbst ein wenig frustriert war, kein Connemara geritten zu haben. Aber es ist wirklich schön gemacht gewesen, vom Ritt her. Und auch von der Organisation.

Es war super organisiert und strukturiert. Es wurde auf sämtliche Bedürfnisse und Fähigkeiten eingegangen. Was nicht vielleicht nicht immer und überall so der Fall ist.

Manche Sachen könnte ich allerdings nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.

In diesem Sinne, adios 🙂

 

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