Das Los einer Fachkraft: Was wird der nächste Schritt sein?

Die Wochen vor dem Urlaub als auch jetzt, nach dem Urlaub, gestalten sich als sehr anstrengend. Wenn man das manchem erzählt, verdreht der eine vielleicht die Augen und sagt einem, man hätte halt was gescheites lernen sollen. Andere wiederum verharmlosen es. Wieder andere könnten es nicht.

Ich bin mir auch nicht immer so ganz sicher, ob ich das wirklich kann. Manch einer würde hier dann sagen, ich habe das ja schließlich gelernt, also muss ich das auch können. Allerdings bin ich auch nur ein Mensch, der irgendwann an seine Grenzen kommt. Was nicht bedeuten soll, dass ich das was ich tue nicht kann.

Die Lage scheint sich immer weiter in eine Richtung zu manövrieren, die ich nicht für sonderlich gut heiße. Die mir nicht gefällt. Die mir für Frau Autistin nicht gefällt, aber auch nicht für mich und meine Kollegen.

Frau Autistin wird, zur Zeit, immer schwieriger zu Handeln. Sie wird laut. Sehr laut. Teilweise herrscht, über Stunden, ein sehr hoher Lärmpegel. Und das bereits seit Wochen. Sie ist unruhig. Schon beinahe ein regelrechter Zappelphilipp. Die Situation scheint sich nicht wirklich entspannen zu wollen.

Wir kommen an unsere Grenzen. Sei es in Bezug auf den Lärmpegel aber auch in Bezug auf unsere Handlunsmöglichkeiten. Warum reagiert sie aber so ungehalten? Beinahe schon aggressiv? Obwohl wir einen sehr engmaschigen Tagesablauf haben? Obwohl wir Regeln haben? Was für Autisten ja irgendwie wichtig ist.

Für ganz schlimme Tage hätten wir auch eine Medizin, damit sie ruhiger wird. Sich entspannt und sich vielleicht auch selber besser ertragen kann. Nicht mehr aggressiv ist, wenn sie es dann mal ist. Aber die Medizin scheint nicht so recht zu wirken, wenn man sie braucht.

Wir vermuten, dass eventuell noch was psychisches dahinter stecken könnte. Sicher sind wir uns aber nicht. Wir sind ja schließlich keine Ärzte. Manchmal bin ich wirklich verzweifelt. Manchmal frage ich mich, ob eine Überprüfung der Dauermedikation nicht auch mal wieder anstehen würde, inklusive Neueinstellung, wenns nicht passt.

Das ist allerdings nicht mehr mein Auftrag. Dafür ist ihre Wohngruppe zuständig. Ich kann es ihnen lediglich vorschlagen. Umsetzten müssen sie es dann. Nicht ich. Irgendwann ist man aber enttäuscht. Wenn es so scheint, als würde sich nichts tun.

Einen Aufenthalt in der Klinik lehnt die gesetzliche Betreuung ab. Und wenn die gesetzliche Betreuung nicht mitspielt, haben wir da nichts mehr auszurichten. Die Wohngruppe möchte sich aber nochmal mit der Psychiaterin auseinandersetzten. Wegen der Medizin fragen, die sie für den Notfall hat. (Fachsimplerisch sagt man da übrigens Bedarfsmedikation oder Notfallmedikament ;)). Ob es noch eine andere Möglichkeit gibt die vielleicht besser anschlägt. Oder vielleicht auch eine Erhöhung der Dosierung des Rätsels Lösung ist. Wer weiß. Allerding ist die Ärztin grad im Urlaub. Die müssen auch mal ausruhen.

Neulich bei einem Beratungsgespräch bei einer Fachfrau für Autismus gewesen. Habe einen guten Tipp von ihr bekommen. Aufgrund ihrer Diagnose und ihrem Verhalten, könnten wir eine Individualbetreuung beantragen, die sich gezielt mit ihr beschäftigt. Sie gezielt fördern könnte. Frau Autistin gezielt aus Situationen herausnehmen könnte, die sie wütend werden lassen. Könnte gezielt Methoden mit ihr erarbeiten, mit denen sie sich ausdrücken kann. Gezielt einen Plan erarbeiten kann, an dem sie sieht, was ansteht. Wann was los ist. Was ihre Aufgaben sind. Gezielt uns mitteilen kann, was ihr fehlt, was sie braucht.

Was auch eine gewisse Entlastung für uns wäre. Auch wenn es nur ein paar Stunden wären. Vielleicht könnte sich Frau Autistin dann auch selber besser haben. Sich selbst besser aushalten. Wäre vielleicht auch zufriedener, wenn sie Möglichkeiten hat sich auszudrücken. Einen noch engmaschigeren Tagesablauf hat. Ich weiß es nicht. Wir werden sehen.

Zuerst müsste dazu allerdings die Individualbetreuung beantragt werden. Mehr als nein sagen können die Behörden nicht. Sollte es durchgehen, muss auch erst jemand gefunden werden, der das dann übernimmt.

Um vorweg zu greifen, mit abschieben hat das ganzen übrigens nichts zu tun. Es ist nur der Versuch eine Lösung zu finden um die angespannte Situation zu entschärfen.

Die sich im Moment, auf die Gemüter aller auswirkt. Auf gewisse Weise.

 

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2 Gedanken zu “Das Los einer Fachkraft: Was wird der nächste Schritt sein?

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