TEACCH Fortbildung

Wie ich neulich schon mal verlauten ließ, glaube ich zumindest, war ich letzte Woche auf einer Fortbildung für das TEECH Konzept. Dabei handelt es sich um eine Arbeitsweise, die speziell für Menschen mit Autismus entwickelt wurde. Da ich in meinem Arbeitsalltag mit einer autistischen Frau zu tun habe, wurde ich zu dieser Fortbildung angemeldet.

Allgemeines

Dazu muss ich jetzt allerdings ein wenig meine Erklärungskunst beweisen, damit auch Menschen, die nichts mit Autisten zu tun haben, die ganze Sache ein wenig verstehen.

Autismus ist eine Angeborene Kiste, die nicht heilbar ist. Die Menschen die diese Diagnose haben, erleben die Welt in vielerlei Hinsicht anders als wir. Sie haben Probleme mit Sozialkompetenzen, da sozial für sie keine Logik ergibt, im vergleich zu einem PC der mit 1 und 0 Funktioniert. Dazu kommt eine Filterschwäche. Die sozusagen bewirkt, dass sie viele Eindrücke viel intensiver wahrnehmen als unser eins. Was sie dann auch von ihrem eigentlichen Auftrag ablenken kann, den sie bekommen haben.

Autistische Menschen brauchen, zudem, klare Strukturen und Grenzen. Da sie etwas (z.B. PC spielen) extrem  ausleben und keine Grenze mehr finden. Des weiteren brauchen sie klare Ansagen wie z.B. ich komme in fünf Minuten wieder. Ein, ich komme gleich wieder, ist für einen Autisten schwer einzuordnen. Jeder andere würde weiter denken, dass derjenige sich vielleicht ein Glas Wasser holt oder auf die Toilette geht. Für einen Autisten ist so eine Aussage, jedoch nicht Konkret genug und unlogisch. (Auch wieder eine Sache der Sozialkompetenz)

Die Fortbildung

In der Fortbildung haben wir dann, viele Infos zum TECCH Konzept erhalten. Ein Konzept die einem die Arbeitsweise mit Autisten erleichtern soll. Aber auch den autistischen Menschen eine klare Linie gibt. Die sie, unter anderem, dazu befähigen soll, alleine im Alltag und in der Gesellschaft, klar zu kommen. Den Alltag sozusagen erleichtert.

Ich muss offen sagen, dass es da schon tolle Sachen gibt. Von Symbolen über Farben bis hin zu Bildkarten. Alles, was einem Autisten eine klare Linie vorgibt, was erledigt ist, was noch kommt und wie der Tag ablaufen kann oder was ansteht. Natürlich muss man alles immer auf die entsprechende Person abstimmen, da kein Autist gleich tickt. Sie haben zwar alle zusammen, diese Diagnose, aber gleich ist keiner von ihnen.

Die Umsetzung

Die Umsetzung stellt mich, inzwischen, vor ein großes Fragezeichen. Mir ist zwar, durch die Fortbildung, einiges klarer geworden. Aber es scheitert gerade an der Umsetzung. Aufgrund Personeller Besetzung, sehe ich es als sehr schwierig, mich tatsächlich (jeden Tag) für einen längeren Zeitraum aus dem Alltagsgeschäft raus zu ziehen und mit unserer autistischen Frau dies wirklich zu erarbeiten. Es konsequent und zielführend durchzuführen. Damit das ganze einen Sinn hat. Meine Devise lautet nämlich, entweder machen wir es gescheit oder wir lassen es.

Lassen ist aber, wenn ich genauer darüber nachdenke, keine sonderlich gute Option. Da sich an der gespannten Gesamtsituation, in der Gruppe, dann nichts ändern wird. Ständig mit Medikamenten abzuschießen und jemanden ruhig zu stellen, ist da jetzt auch nicht meine tiefere Intension. Vor allem mit dem Wissen, dass es eine Möglichkeit geben könnte, wie sich die Lage entspannen könnte. Und das ohne die Volldröhnung auspacken zu müssen.

Eine andere Möglichkeit

Die nächste Möglichkeit ist, eine Individualbetreuung anzuheuern. Nun gut, was heißt da anheuern. Eigentlich muss ich dazu einen Antrag stellen und diesen an den Kostenträger weitergeben. Mit der ärztlich bestätigten Diagnose ist die Möglichkeit, definitiv, vorhanden. Mit der aktuellen Personellen Lage so wie dem Plan, effektiv, TECCH zu erarbeiten, hätte ich sogar eine recht gute Begründung. Da es sich dabei, um eine Maßnahme zur Eingliederung handelt.

Kurzzeitig hatte ich allerdings die Hoffnung schon fast aufgegeben. Leider in keinem der Berichte wirklich zu erkennen, ob die Dame nun Autistin ist oder nur Züge davon aufweist. In den meisten Berichten stand sogar, dass es nicht ärztlich bestätigt sei.

Damit war ein Teil meiner Hoffnung, mit einem mal, zerplatz. Denn ohne die klare Diagnose vom Psychiater, keine Chance auf Individualbetreuung. Aufgeben war aber die letzte Option. Glücklicherweise habe ich, auf Nachfrage in der Wohneinrichtung, einen aktuellen Arztbrief erhalten. In welchem Klar drin ersichtlich war, dass die Diagnose Frühkindlicher Autismus lautet. Darunter das Servus vom Arzt.

Nun muss ich nur noch den Antrag auf die Betreuung stellen. Dazu muss ich mich allerdings noch mit meinem Abteilungsleiter zusammensetzten und die ganze Sache besprechen. Durchgehen was für Möglichkeiten wir überhaupt haben. Wie viel vielleicht der Kostenträger für so was übernimmt. Und so weiter.

Ich habe mich so gefreut, stelle aber zunehmend fest, dass da noch einiges an Arbeit auf mich zukommen wird. Einiges an Arbeit mit der Argumentation weshalb der Antrag genehmigt werden muss. Und dann muss erst mal jemand gefunden werden, der diese Zeit abdeckt und es auch macht. Ich werde es dennoch versuchen. Denn mehr als ein Nein, kann mir im Grunde nicht passieren.

Trotzdem schießen mir ständig irgendwelche Gedanken durch den Kopf. Wie ich es umsetzten kann. Wie ich es argumentieren kann. Wirklich entspannt sein, kann ich aber erst, wenn ich mit der Abteilungsleitung darüber gesprochen habe. Allerdings stehen da noch knapp 1 1/2 Wochen Urlaub dazwischen.

Nun heißt es abwarten und Argumente sammeln und aufschreiben um gerüstet zu sein.

 

 

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