Der Alltag mit einem „alten“ Pferd mit seinen Wehwehchen

In letzter Zeit werde ich immer mal wieder gefragt, wie alt denn meine Stute inzwischen ist. Wenn ich dann antworte, werde ich mit großen Augen angeschaut. Die meisten Kommentieren dann so Dinge in die Richtung „Wow, dass ist aber schon ganz schön alt oder?“ oder „Kannst du sie denn überhaupt noch reiten?“

Des Rätsels Lösung ist übrigens, dass die Gutste inzwischen 21 Jahre alt ist. Nicht mehr ganz die aller jüngste, aber auch noch nicht Stein alt. Und kurz um, ja sie ist durchaus noch reitbar! Trotz unserer Vorgeschichte.

Die letzten Jahre hatten wir immer wieder so unsere Vorfälle. Was heißt Vorfälle. Diverse Erkrankungen, aufgrund von Alterserscheinungen. Die mit den Jahren halt kommen. Wie beim Menschen eben auch.

Oh mein Gott! Mein Pferd hat Spat!

Alles fing an mit der Verdachtsdiagnose Spat. Eine Form der Arthrose im Spatgelenk, die eine Versteifung des besagten Gelenkes verursacht. Das Spatgelenk ist übrigens ein Gelenkstück im Sprunggelenk. Hervorgerufen, vermutlich, durch eine Entzündung im Sprunggelenk vor ca. 5 Jahren.  Die wohl mehr Schaden angerichtet hatte, als ich ursprünglich dachte. Trotz guter Tierärztlicher Behandlung.

Ich habe mich allerdings dagegen entschieden, weitere Diagnoseverfahren durchführen zu lassen. Einfach mit dem Gedanken im Hinterkopf, was es mir denn bringt, wenn ich zu 100 % statt zu 80 % weis was es ist. Die 100 % Diagnose hätte auch nichts an der gesamten Situation geändert.

Es hätte nichts daran geändert, dass sie mit dem einen Fuß steifer läuft. Es hätte auch nichts daran geändert, dass sie sich erst mal ein gutes Stück einlaufen muss, bevor es flüssig geht. Und es hätte auch nichts daran geändert, dass sie an manchen Tagen besser und an manchen schlechter läuft. Und eine Operation, die eine frühzeitige Versteifung verursacht hätte, kam für mich nicht in Frage. Zumal ich, nach wie vor, nicht den Eindruck habe, dass sei schmerzen hat.

Chronische Nierenerkrankung, jetzt ist es wohl aus!

Ein gutes Jahre später, darüber habe ich auch schon mal berichtet, ging es der Dame wieder nicht sonderlich gut. Sie stellte das Fressen des Heus ein, irgendwann verschmähte sie auch das Gras. Spätestens dann sollte man stutzige werden. Das ganze ging raz faz, innerhalb von ein paar Tagen. Innerhalb von kurzer Zeit, hat sie auch drastisch abgenommen. Was bei einem älteren Pferd, jetzt nicht gerade das optimale ist.

Zu erst hatte ich ja die Zähne im Verdacht, die sich auch als die Lösung des Übels zu entpuppen schienen. Hacken und Kanten. Kurzerhand eine Zahnbehandlung durchführen lassen. Aber es änderte sich, auch nach 3 Tagen, nichts. Man sagt ja immer, nach ca 2 bis 3 Tagen sollten die Pferde wieder zu Fressen anfangen, wenn sie eine Zahnbehandlung hatten.

Das einzige was ich in das Pferd hinein zu bekommen schien, war furz trockenes Heu und Müsli. Aber nur Müsli kann ich auch nicht füttern. Also blieb mir nichts anderes Übrig, als wiederholt den Tierarzt zu rate zu ziehen. Der kurzerhand ein großes Blutbild machen ließ.

Die Schocknachricht überbrachte er mir dann, ein paar Tage später, sogar persönlich. Chronische Nierenerkrankung, die Harnwerte sind viel zu Hoch. Die Nierenfunktion eingeschränkt. Körper schafft es wohl nicht mehr ganz, alles zu entgiften, was raus muss.

Ich wurde Kreidebleich und eine Welt schien zusammen zu brechen. Spätestens an dem Punkt als man mir berichtete, dass man es nicht behandeln kann. Lediglich unterstützen. Mit einem Pflanzlichen Medikament, dass dem Pferdekörper bei der Entgiftung hilft. Zusätzlich musste ich dann, das muss ich heute noch, auf die Ernährung achten. Eiweiß und Salzarm um die Nieren nicht unnötig zu belasten.

Zum Aufbau Melassen Schnitzel zufütter, damit sie zunimmt. Anfangs bekam die Guteste, drei mal täglich, eine recht gute Ration Melassen Schnitzel. Wodurch sie sich langsam wieder aufrappelte und zunahm. Langsam auch wieder anderes Futter zu sich nahm. Unter die Morgenration habe ich ihr ihr Medikament gemischt.

Mittlerweile füttere ich nur noch, als kleines Schmankerl, ein bisschen Melasse. Und nach einem guten halben Jahr, konnte ich, nach einem wiederholten Blutbild der Nierenwerte, sogar das Medikament weg lassen. Da sich die Werte wieder soweit normalisiert hatten, dass es nicht mehr notwendig war.

Unser Alltag

Unser Alltag gestaltet sich immer danach, wie es der Madam geht. Was heißt es ist immer mal unterschiedlich. Es gibt Tage, an denen sie absolut biestig ist, weil es z.B. kalt und nass ist. Und sie ihre Nieren wieder merkt. An anderen Tagen, ist sie manchmal einfach ein wenig schlappi und möchte nicht so viel machen. Was auch okay ist, denn dann ist dieser Tag einer dieser, an denen die Nieren wieder schwer zu tun haben.

An anderen Tage, merke ich dann erst beim reiten, dass sie Probleme mit ihrem Fuß hat. Nicht im Sinne von schmerzen, sondern eher im Sinne von, dass sie sich nicht richtig einlaufen kann, an dem Tag. Was je nach Intensität darauf hinaus läuft, dass wir nur eine 25 Minütige Schrittrunde reiten, oder sogar frühzeitig umkehren und nach Hause reiten.

Läuft aber alles nach Plan läuft es meist wie folgt ab, dass wir jeden zweiten Tag, für mindestens 30 Minuten ausreiten gehen. Manchmal schaffen wir sogar unsere große Runde von 1 Stunde 20 Minuten. Die ihr oft sogar sehr viel Freude bereitet und sie spätestens danach sehr schön wieder läuft.

Aber Bewegung muss sein. Zumal mir aufgefallen ist, dass sich ihr Gang Bild deutlich verbessert, wenn sie regelmäßig bewegt wird. Auch mal auf einer etwas längeren Strecke.

Nach unserem Ritt wird sich dann, auf der Koppel, vergnügt. Da stiefelt sie mit größter Freude herum und schlägt sich den Bauch voll.

An Reitfreien Tagen läuft meist nicht viel. An diesen Tagen, darf sie einfach Pferd sein. Auf dem Paddock herum lümmeln und sich auf der Koppel, mit ihrem Kumpel, austoben. Da verlange ich nicht sonderlich viel von ihr. Vielleicht mal ein bisschen Bodenarbeit oder Putzen zu Bespaßungszwecken.

Aber zeitweise muss ich auch täglich abschätzen, ob reiten sinn macht. Mittlerweile kenn ich meine Dame so gut, um zu wissen ob es geht oder nicht. Manchmal verschiebe ich das Reiten dann auch und lasse es gut sein. Gerade dann, wenn offensichtlich zu erkennen ist, dass es nicht geht. Manchmal ist es aber nicht klar erkennbar, weshalb es, wie oben bereits erwähnt, während dem Ritt auch dazu kommen kann, dass ich diesen abbreche.

Im Großen und ganzen ist auch das Reiten mit einem „alten“ Pferd möglich. Nur weil ein Pferd über 20 ist, bedeutet es noch lange nicht, dass es nicht mehr reitbar ist. Sie bringt natürlich nicht mehr die Leistung wie mit 12. Dennoch bin ich, regelmäßig, darüber überrascht, wie fit sie an manchen Tagen dann doch noch ist. Und man gerade meinen könnte man sitzt auf einem 4 Jährigen.

Erfahrungsgemäß habe ich für mich festgestellt, dass unserer Taktik 1 Tag reiten, 1 Tag Pause, sehr gut funktioniert. Sich die guten Tage wirklich häufen und die schlechten eher aus bleiben. Auch wenn wir nicht mehr im Dressurunterricht mit machen, sondern „nur“ noch gemütlich im Gelände rumschauckeln. Wobei das auch nicht ganz stimmt. Gibt es auch Tage wo nichts mich gemütlich ist ;), sondern eine fetzige Galoppstrecke auf der Tagesordnung ganz oben steht. 🙂

Nur weil ein Pferd alt ist und die Leistung etwas herabgesetzt ist, muss ich es nicht abschieben. Es geht halt alles etwas gemütlicher und langsamer von statten als früher 🙂

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2 Gedanken zu “Der Alltag mit einem „alten“ Pferd mit seinen Wehwehchen

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