Warum nimmst du noch Reitunterricht?

Manchmal wurde ich Tatsache gefragt, warum ich denn überhaupt noch Reitunterricht nehmen würde. Obwohl ich doch ein eigenes Pferd habe, da könnte ich doch bestimmt schon alles was man so können muss. Ich muss mich da immer wieder drüber amüsieren und diejenigen darüber belehren, warum ich eigentlich noch Reitunterricht nehme.

Als Reiter ist einem natürlich der allseits bekannte Spruch „Beim Reiten lernt man nie aus“ sehr wohl bekannt und geläufig. Nicht Reitern aber nicht. Wenn ich erzähle, dass ich ein eigenes Pferd habe, werde ich oft erst mal gefragt ob ich dann auch auf Turniere gehe. Ich erkläre dann hierauf oft, dass ich es rein aus Spaß machen und es einfach mein Hobby ist. Weil es Spaß macht. Ich der typische Wald und Wiesenreiter bin und viel im Gelände unterwegs bin.

Hole ich dann aber noch weiter aus, dass ich aber einmal die Woche zum Reitunterricht in einer Reitschule bin und dort ein Schulpferd reite, werde ich erst mal mit ungläubigen Blicken bedacht. Daraufhin folgen meist die Aussagen „Warum denn das? Du hast doch ein eigenes Pferd, da kannst du doch schon alles!“ oder „Warum reitest du denn andere Pferde, wenn du doch dein eigenes hast?“

Die Aussage „beim Reiten lernt man aber nie aus.“ erscheint mir dann in dieser Hinsicht oft zu flapsig. Ein Reiter versteht das, ein nicht Reiter eher weniger. Oder nur halbherzig. Aber warum genau gehe ich eigentlich zum Reitunterricht, obwohl ich ein eigens Pferd habe? Und warum reite ich nicht mit meinem Pferd mit?

Für die Unwissenden werde ich jetzt einmal versuchen, alle Argumente, so gut wie möglich, zusammen zu fassen und meinen Standpunkt zu begründen, warum genau ich eigentlich zum Unterricht gehe 🙂

Fehler schleichen sich ein

Ich gebe offen und ehrlich zu, ich hatte eine weile Pause vom Reitunterricht. Etwa 3 Jahre bin ich nur im Gelände, auf meinem Pferd, unterwegs gewesen. Und es haben sich Fehler eingeschlichen. Da ist oft alleine Unterwegs war, hat das niemand gesehen und ich wurde nicht Korrigiert. Einer

Ein guter Sitz, ist eine gute Basis

Legen wir also mal mit dem Sitz los. Von dem ich immer dachte da könnte mir keiner das Wasser reichen. Von wegen.  Sacke ich doch manchmal zusammen wie ein Nasser Sack, zeitweise bekomme ich auch ein leichtes Übergewicht und mein Oberkörper hängt über. In Stresssituationen verfalle ich auch gerne in die Richtung des Entlastenden Sitzes, anstatt mich einfach auf meinen Hintern zu setzten und schwer im Sattel zu sitzen. Mit aufrecht Sitzen hat das nicht mehr viel zu tun. Und schön schaut es auch nicht aus.

Erklärung: Mit dem Entlastungssitz vermittle ich dem Pferd im Grunde, dass ich ihm das Kommando überlasse. Somit z.B. einen zu Flotten Trab noch zusätzlich verstärke. Das Pferd also noch schneller im Trab wird, als es werden soll.

Der Kopf wird immer so schwer

Weiter ging es mit meinem Kopf. Im Gelände fällt das gar nicht so stark auf. Aber im Viereck. Immer wieder ploppt mein Kopf mit dem Kinn fast auf meine Brust. Weil ich mein Pferd anschaue, Anstatt dort hin zu sehen, wo ich eigentlich hin reite. Was eine zusammenfallende Körperhaltung im übrigen verstärkt. Und man somit keine guten treibenden Hilfen mehr geben kann. Und mit einem bequemen Sitz wird das dann auch meist nicht mehr viel.

Wie, ich habe Füße?

Ich habe festgestellt, dass ich unheimlich klemme, was mir übrigens erst im Laufe der Zeit aufgefallen ist, seit ich wieder Reitunterricht habe. Das heißt ich drücke die Oberschenkel zusammen oder sitze, anstatt auf meinem Hintern, auf den Oberschenkeln. Weil ich versuche mich zu halten. So irgendwie.

Was wiederum das Pferd darin Blockieren kann, ordentlich zu laufen. Dann werden die Füße auch noch hoch gezogen an statt diese lang zu lassen. Und mit Hochgezogenen Beinen treibt es sich auch noch so unheimlich schlecht.

Info am Rande: Mit treiben ist im übrigen gemeint, dass man die Unterschenkel zusammen drückt und somit das Pferd zum Vorwärtslaufen bringt. Es gibt aber auch noch andere Hilfen, die über die Schenkel ausgeführt werden. Denn eigentlich beruht die Reiterei darauf, dem Pferd Kommandos über Gewichts und Schenkelhilfen zu geben und nicht über die Zügel.

Die Zügel dienen zur Hilfestellung und Verfeinerung der Schenkel- und Gewichtshilfen. Zusätzlich gibt man natürlich mit den Zügeln Paraden, um die Schenkelhilfen etc. zu unterstreichen.

Auch wird über die Zügel die Stellung und Biegung beeinflusst. Es muss aber noch genug Spiel sein, damit sich das Pferd rund macht und Tief geht. (Hals der Hals wird rund, nicht zu verwechseln mit Rollkur im übrigen, die Nase und somit der Kopf gehen etwas nach unten. Der Rücken kann sich somit aufwölben und das Pferd das Gewicht auf dem Rücken besser tragen. Woraufhin das Pferd flüssiger und lockerer laufen kann.)

Außerdem wird Stetig der Kontakt zum Pferdemaul gehalten um die Parden anständig geben zu können, so wie schnell reagieren und handeln zu können, wenn das Pferd z.B. durchgeht. Weshalb die Zügel anstehen und nicht durchhängen sollten. Was aber nicht bedeutet, dass man dran zieht wie ein Betonklotz. Parade, locker lassen. Weiche Hand. Minimaler Impuls über die Hände.

Hände und Arme hängen da übrigens auch noch rum

Die Lieben Hände. Da können sich auch die tollsten Fehler einschleichen. Kurzum: Hände werden zu Fäusten locker geschlossen und aufgestellt. Die Ellbogen sind am Körper und sind leicht angewinkelt. Das sollte der Idealfall sein.

Aber leider haben sich über die Jahre doch Fehler eingeschlichen. Manchmal werden die Arme zu weit nach vorne gestreckt. Manchmal sind die Hände keine aufgestellten Fäuste. Manchmal sind die Fäuste nicht geschlossen. Manchmal (das ist aber schon lange her) werden die Fäuste nach außen gedreht oder auch ganz wo anders hin. Manchmal baumelt eine Hand irgendwo rum, obwohl eigentlich beide Hände an den Zügeln zu sein scheinen.

Hin und wieder hänge ich wie ein Betonklotz im Zügel, meine Hand ist also nicht weich genug und die Hand ist Fachgesimpelt zu hart anstatt weich.

Treiben, treiben, treiben! Schenkel ran!

Ich wurde, irgendwann ziemlich am Anfang, als ich wieder zu Reiten angefangen habe, gesagt ich wäre ganz schön Schenkelfaul. Warum? Weil ich nicht getrieben habe. Die Füße sind da halt rumgehangen und haben nur dann was gemacht, wenn ich was anderes von meinem Pferd wollte. Bumms. Mitunter auch damit zusammenhängend, das mir mein Hotti immer halb davon gerannt ist, wenn ich nur ansatzweise zu viel Schenkeldruck gegeben habe.

Außerdem habe ich manchmal, meine Füße vom Pferd weggestreckt. Was eigentlich auch nicht der Sinn ist. Die Schenkel gehören ans Pferd um das Pferd einzurahmen. Dem Pferd Sicherheit zu geben. Das Pferd nicht zu überrumpeln, wenn dann ein Situationswechsel ansteht. Aufgrund meiner Weggestreckten Schenkel, habe ich mich schon oft genug gewundert, warum Abwenden nicht geklappt hat. Reaktion: Ich zieh mal am Zügel. Nicht gut.

Schenkel kontinuierlich ran. Pferd wird somit eher nicht überrumpelt das was neues kommt. Bumms aus ende amen. Manche Pferde brauchen mehr schenkel, manche Weniger. Aber die Schenkel gehören ans Pferd, dann klappt es auch mit dem Abwenden ohne an den Zügeln ziehen zu müssen.

Warum Reitest du andere Pferd?

Alle Pferde sind unterschiedlich. Nicht nur in der Rasse, sondern auch in ihrem Verhalten und wie man sie Reiten muss, damit es klappt. Man muss mehr oder weniger treiben. Man muss die Zügel länger oder kürzer nehmen.

Man muss kurz um, bei jedem Pferd anders reagieren und lernt daraus sehr viel und verbessert sich in jeglicher Hinsicht, weshalb es gut ist, unterschiedliche Pferde zu reiten. Auch mal ein Pferd zu reiten, dass es einem etwas schwerer macht. Oder bei dem man sich wirklich hinsetzten muss, damit es einem nicht davon rennt. Wo man auch lernt, wie man reagiert, wenn es z.B. durch geht. Und so weiter und sofort.

Ich möchte mich weiterentwickeln und lernen

Außerdem wollte ich mich in der Dressur weiterentwickeln. Langsam aber sicher auch an höhere Lektionen im Viereck heran kommen. Allgemein mehr Dressur reiten. Nicht weil ich bei Turnieren reiten wollte. Nein einfach weil es mir spaß macht. Außerdem ging es mir auch darum, Pferdegerecht zu reiten. Zu lernen ein Pferd mit minimalsten und feinsten Hilfen reiten zu können.

Und man lernt beim Reiten nie aus. Manche Lektionen sind leichter, mache schwieriger. Nur weil ich einmal eine Lektion geritten bin, heißt das nicht, dass diese dann vom Fleck weg funktioniert. Es kann oft Wochen dauern, bis man manches beherrscht. Bis man manches in Perfektion reitet und nur noch minimale Hilfen geben muss.

Wie oft ich schon verzweifelt bin. Dachte ich, ich könnte Lektion xy. Bumms in der Stunde stellt sich heraus, dass das Pferd z.B. sich den Hilfen entzieht. Ausweicht, mich „veräppelt“, weil ich das Pferd mit den Schenkeln und Zügeln nicht genügend begrenzt habe oder es dem Pferd zu sehr durchgehen lassen habe. Es mich somit nicht ernst nimmt und die Aufgabe nur flapsig ausführt.

Dann kommen Dinge wie die Falsche Einteilung. Zu wenig gestellt/gebogen, geradeaus durch die Kurve gelaufen. Überstellt. Schenkel nicht richtig dran und das Pferd zu wenig in die richtige Richtung geschoben.

Tempo nicht angepasst. Zu wenig in die Hand geritten. Zu wenig Aktivität vom Pferd. Und so weiter und sofort. Zu 90 Prozent liegt es allerdings am Reiter und nicht am Pferd, wenn etwas nicht klappt.

Und bevor die Grundgeschichten nicht passen, die leichten Aufgaben, braucht man auch gar nicht anfangen höhere Lektionen zu reiten. Grunddinge müssen gefestigt sein und sitzen, damit man die nächste Stufe draufsetzten kann.

Habe schon festgestellt, wenn ich zu viel von mir selbst erwarte, mein Kopf nicht leer ist und ich mich nicht richtig konzentriere, dann geht viel mehr schief. Dann klappt nicht so wie es soll. Dann streckt das Pferd mit Vorliebe die Nase in die Luft. Lässt sich nicht biegen und stellen.

Habe ich den Kopf aber frei und konzentriere ich mich aufs Pferd, dann klappt es. Dann könnte ich es. Würde ich das konsequent so durchziehen, könnte es durchaus sein, dass ich mittlerweile schon ein paar Stufen weiter wäre. Aber ich wills mal nicht verschreien 🙂

Soziale Kontakte

Aber beim Reiten zählt noch so einiges mehr dazu. Ich treffe im Stall meine Freunde. Das ist mein soziales Umfeld sozusagen. Wir haben alle das selbe Hobby. Wir reiten zwar in der Stunde alle für uns selbst. Aber man kann sich auch während der Stunde manches Abschauen.

Nach der Stunde sitzen wir dann immer noch zusammen. Unterhalten uns über dies und das. Auch wenn es meistens um Pferde geht. Wir trinken Kaffee und essen Kuchen. Geben uns gegenseitig Tipps und haben einfach unseren Spaß und sitzen zusammen.

Reiten ist eben nicht nur aufs Pferd sitzen und fertig. 🙂

 

 

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