Warum bin ich eigentlich HEP geworden?

Manchmal stelle ich mir tatsächlich die Frage, warum ich eigentlich HEP geworden bin. Warum ich nicht einfach Bürokauffrau oder gleichen wurde. Gerade an Tagen an denen ich nicht mehr weiß wo eigentlich nochmal vorne und hinten ist.

Man ist den ganzen Tag auf den Beinen. Läuft ständig von a nach b, getreu dem Motte, was man nicht im Kopf hat, hat man in den Füßen. Vielleicht sollte ich irgendwann mal Kilometergeld beantragen. Ganz zu schweigen von den körperlichen Belastungen die sogar überbelastend sein können und nicht immer ganz Rückenschonend. Und dann wären da natürlich noch der Geräuschpegel, der Zeitweise herrscht. Zeitweise sehr Nervenzehrend.

Administratives gehört natürlich auch zu meinen Aufgaben mit dazu, die unumgänglich sind. Manchmal verlang es einem doch so einiges ab und man sitzt doch für einige Zeit vor dem PC, was manch Kollegen stört, weil man ja nur im Büro sitzt und nichts tut. Was einem, manchmal, so einiges abverlangen kann. Gerade dann, wenn man Ziele formulieren soll, einem aber keine einfallen.

Mit dazu kommt noch die Elternarbeit die mir, bekanntlich, nicht sonderlich gut liegt und ich unheimlich Probleme mit „schwierigen Eltern“ habe. Außerhalb der Arbeit würde ich, Kontakte dieser Art, von vornherein gekonnt vermeiden.

Wenn ich an meine WG Zeit zurück denke, kommt noch die Schichterei mit dazu, die man dann an der Backe hat. Muss man mögen. Ich mochte es nicht, da mir, gerade die Nachtdienste, ziemlich aufs Gemüt und auf den Körper geschlagen sind. Und ich es unheimlich schlecht weggesteckt habe.

Ich merke gerade selber, dass ich gerate realtiv viele negative Aspekte aufgeführt habe. Aber es ist die Realität und nicht nur alles Bauklötze spielen und Kaffee trinken. Da braucht man sich wirklich nichts schön reden. Und manchmal denke ich mir, wie schön es wäre, wenn ich diese ganzen Aspekte nicht an der Backe hätte.

Aber um ehrlich zu sein, bin ich nicht HEP geworden, weil alles so schlecht und doof ist. Es hat alles irgendwo doch auch positive Punkte, die einen dazu bewegen eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Es gibt in jedem Job Pros und Contras. Egal welchen man sich anschaut. Und der Job, der am meisten auf einen Passt, wird es halt dann.

Ich habe die Entscheidung, HEP zu werden, aus verschiedenen Gründen getroffen. Einer davon drüfte sein, dass es mir unheimlich Spaß macht, mit Menschen zu arbeiten. Zumal man von Menschen mit Behinderung so viel zurück bekommt wenn man sich, positiv, mit ihnen beschäftigt.

Außerdem sind Menschen mit Behinderung so erbarmungslos ehrlich. So erbarmungslos direkt und nicht um den heißen Brei herum. Aber auch Dankbar und mit so kleinen Dingen zufrieden. Wobei man da natürlich auch aufpassen und unterscheiden muss. Je nach Art und Schwere der Behinderung. Bei, sagen wir mal, fitteren Menschen mit Behinderung kann man sich auch leicht vorkommen, wie im Kindergarten oder unter einem Haufen Teenager. Eine Maschine kann einem so was allerdings niemals nie nicht ersetzen.

Man kann so viel probieren und teilweise noch Fähigkeiten aus einem Menschen herauskitzeln, mit denen niemand gerechnet hätte. Auch wenn es, gerade im schwerstbehinderten Bereich eher ein erhalten von Fähigkeiten ist. Auch wenn es manchmal länger dauert. Es erfüllt einen ganz schön mit Stolz, wenn etwas dann doch Klappt oder man Fortschritte und Erfolge sieht.

Es gab allerdings noch ein paar andere Gründe für meine Entscheidung. Zum Beispiel mein Helfersyndrom Ich wollte Helfen. Leute helfen, die wirklich Hilfe brauchen. Weiter ging es dann mit meinem Bewegungsdran. Ich muss mich bewegen. Ich kann mich zwar schon mal hinsetzten und etwas am PC erledigen. Aber 8 Stunden nur am PC hocken, wäre absolut nicht meins gewesen und ich wäre wohl, früher oder später, hohl gedreht.

Auch ein Job mit Zahlen wäre überhaupt nicht meins gewesen und in Frage gekommen. Gebe ich offen zu, dass ich ein Zahlenlegastheniker bin. Mathe hatte für mich nie einen tieferen Sinn. Obwohl es eigentlich total logisch ist. Für mich war es aber nie logisch.

Handwerklich bin ich, ehrlich zugegeben, auch nicht sonderlich begabt. Weshalb viele Handwerkliche Berufe, im Vorfeld, den Laufpass bekommen hatten. Mal abgesehen von meiner Legasthenie für Zahlen. Von manchen Berufen wurde mir, aus finanziellen Gründen, schon von vornherein abgeraten. Studieren viel auch Flach. Kein Abitur.

Hotelgewerbe hatte ich mal probiert, musste aber feststellen, dass es eine ziemlich blöde Idee war, Köchin werden zu wollen. Hatte es dann aber recht schnell bemerkt und die Ausbildung an den Nagel gehängt. Zum einen wegen dem Schichtgedöns, aber auch weil ich so weit von zu Hause weg war und eher in einem Kabuff hauste. Da ist meine jetzige Wohnung richtiger Luxus. Hauptsächlich aber, weil es einfach der verkehrte Beruf war.

Entschloss mich also, erst mal im sozialen Bereich ein Praktikum zu machen. Ich wollte arbeiten und was tun. Und, nach einem Jahr, würde man ja weiter schauen können. Entweder Ausbildung im Kaufmännischen oder wo anders.

Nach ein paar Monaten hat sich dann aber herauskristallisiert, dass der soziale Bereich genau meiner ist. Und wie man sieht, bin ich geblieben. Es hat zwar ein bisschen gebraucht, aber irgendwann hats geklickt.

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4 Gedanken zu “Warum bin ich eigentlich HEP geworden?

  1. Ich habe immer wieder Phasen in denen mir Bewusst wird wie viel Verantwortung da auf meinen Schultern liegt (bin im Wohnheim), grade wenn man als einzige Fachkraft im Haus ist. Und dann frage ich mich auch gerne mal warum ich nicht im Büro sitze wo zumindest nichts gesundheitliches schief gehen kann wenn ich mal falsch oder zu langsam handel. Aber wie du schon sagst, die positiven Momente gibt es auch und ich bereue es auf keinen Fall diesen Beruf gelernt zu haben und auszuüben!

    Zum Kommentar von mikesch: ich habe auf solch einen Kommentar gewartet haha. Immer die erste Frage nachdem ich Leuten meinen Beruf genannt habe.

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    • Ja das ist wirklich so. Hin und wieder wird einem extrem deutlich wie viel Verantwortung man eigentlich hat. Ich habe auch eine Zeit lang in einer WG gearbeitet und hatte da auch schon oft die Situation, dass ich die einzige Fachkraft im haus war. Ganz deutlich wurde es mir einmal, als ich zur Nachtbereitschaft kam. In dieser WG war es üblich, noch im Spätdienst mit zu arbeiten, wenn man Bereitschaft hatte. Ein Bewohner hatte an diesem Abend einen sehr schweren epileptischen Anfall. Inklusive Erbrechen. Hier obliegt dann die Entscheidung bei der Diensthabenden Fachkraft und bei demjenigen der Bereitschaft hatte. Nachdem ich beides war, musste ich entscheiden was gemacht wird. Da dieser Bewohner wohl Aspiriert haben musste, war die Entscheidung schnell gefallen. Weil ich jegliche Verantwortung für Folgen nicht auf mich nehmen wollte, wurde kurzerhand der Arzt angeleiert. Da wurde mir, das erste mal, so richtig bewusst, was da eigentlich auf meinen Schultern lastet. Und zusätzlich musst du dann auch noch einen coolen Kopf behalten und darfst dich nicht von der Unruhe anstecken lassen, die in so einem Moment die Oberhand zu haben scheint.

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