Reitstunde, ein Einblick

Anweisungen Hallen durch die Reithalle.

Gerade sitzen!

Schultern zurück, Kopf hoch.

Absatz tief, Bein lang!

Hände aufstellen.

Nicht in der Hüfte einknicken! 

Samstag Nachmittag. Reitsunde. Ich sitze auf dem Flitzepony, dem Streber der Stellung und der Biegung. Dem Künstler der kleinen Volten und Flitzegalopp durch die ganze Bahn.

Ich bin schwer konzentriert. Habe einen leicht verkniffenen Gesichtsausdruck. Das muss einfach klappen. Ich kämpfe in der Lösungsphase mit Stellung und Biegung. Es will nicht so recht klappen. Ich treibe wie ein Ochse. Bekomme Krämpfe in den Schenkeln.

Komme heute nicht ganz mit den Steigbügeln klar. Nehme ich das Loch von letzter Woche, kommen sie mir, hingegen letzter Woche, viel zu kurz vor. Ein Loch länger fühle ich mich auch nicht wohl. Die Steigbügel sind so einen Ticken zu lang. Ich verliere sie, habe das Gefühl nicht richtig zum treiben zu kommen. Schlackere hin und her.

Mein Bein bleibt nicht ruhig und ein Gleichgewichtsproblem bekomme ich auch noch dazu. Kippe mit dem Oberkörper nach vorne. Also doch ein Loch kürzer. Trotzdem ziehe ich die Beine hoch. Fange an zu klemmen. Kann keine richtigen Hilfen geben. Zumindest so mein Gefühl.

Das Kinn sinkt wieder auf die Brust. Die allseits bekannte Konzentrationsphase meiner Einer. Gedanken schießen durch meinen Kopf. Es muss Klappen! Du kannst das doch! Hinten sitzen! Kopf! Kopf! Kopf! Treiben! Treiben! Zügelmaß beachten! Nicht verkriechen! Bein! Sitzen! Schenkel! Treiben! Nicht nach vorne Kippen! Füße! 

Die Lektionen klappen nur teilweise. Teilweise nicht so. Teilweise lob. Teilweise Korrektur. Ist auch gut so, sonst kann sich nichts bessern. Irgendwie bin ich unkonzentriert. Ich bin auch etwas Müde. Die letzte Nacht kaum geschlafen. Hatte Nachtschicht.

An der Bande sitzen zwei Mädchen. Sie schauen der Stunde zu. In meinem Kopf regt sich etwas. Mich stören Zuschauer. Außer ein paar wenige. Da stört es mich nicht. Mich setzt es unterschwellig unter stress. Kennt man ja die Leute. Fangen gerne an zu reden. Nach dem Motto, gugg mal wie schlecht die Reitet. Oder so in die Richtung.

Eine Mitreiterin reitet an mir vorbei. Sie guggt so komisch. Eigentlich ist sie nicht in unserer Stunde. Eigentlich reitet sie unter der Woche. Hatte sie eigentlich als recht gute Reiterin in Erinnerung. Vor der ich Respekt hatte. Davor, dass bei ihr alles so leicht aussieht. Sie es irgendwie kann. Irgendwas ist heute anders. Und irgendwie setzt mich das auch etwas unter Spannung. Komme mir so unheimlich schlecht vor.

Letzt Woche hat alles so viel besser geklappt. Da hatte ich aber auch Einzelstunde. War alleine. Wobei es zu viert, in der Halle, ganz angenehm ist. Hat man eigentlich auch Platz. Außerdem hatte ich da, zuvor, keine Nachtschicht. Und danach auch nicht.

Ich bin direkt schon wieder genervt. Genervt davon, dass ich heute nicht entspannt im Stall sein kann. Nachher gleich weiter muss. Weil der nächste Nachtdienst ruft. Unter stress stehe. Ich verspanne mich, meine Konzentration schwindet. Das Pferd purzelt zusammen. Und ich sacke zusammen wie ein Nasser Sack. Und die das gerade doch so gut an die Hand gerittene Pferd ist nun wieder alles, nur nicht an der Hand. So kann das ja nichts werden.

Nach der Stunde steige ich. Denke nach. Ganz schlecht war die Stunde eigentlich nicht. Nur haben eben manche Sachen heute nicht geklappt. Die Aussage meiner Reitlehrerin hängt mir nach…Was ist denn heute los? Da sitzt jemand ganz anderes im Sattel wie letzte Woche. 

Gedankenverloren laufe ich noch ein paar Runden in der Halle. Die Frage konnte ich dann beantworten. Es war ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

  • Zuschauer an der Bande und eine, meiner Meinung nach, sehr gute Reiterin mit in der Stunde, setzten mich unter druck. Möchte alles ganz besonders gut machen. Und zeigen, das ich auch was kann. Bekomme Stress wenn ich nur daran denke, einer von denen könnte sagen, ich würde völlig bescheiden, wenn nicht sogar scheiße reiten. (Weiß ich das ich kein Olympiatauglicher Reiter bin, aber völlig schlecht bin ich auch nicht ;))
  • es für meine Reiterei auch nicht gerade Förderlich wenn ich Nachtschicht habe, Nachtschicht hatte oder zwischen zwei Nachtschichten stehe. Alle drei Kombinationen sind völliger Mist. Gelange ich oft genug in einen geistigen Abwesenheitszustand, der mich genervt sein lässt.
  • Zu große Erwartungen an mich selbst, haben auf mich eine Enttäuschende und ernüchternde  Wirkung. Leider schon wieder mit zu viel Erwartung aufgestiegen. Weil letzte Woche hats ja geklappt. Stress den ich mir selber verpasse.

Nächste Woche wird’s dann wieder besser. Bestimmt. Da ist dann wieder die Stammbesetzung da. Die Stammsamstagler. Eine ganz feine Gruppe. In der es, keinen Anlass zu stress gibt. Jeder Reitet so gut er kann. Keiner Meckert. Jeder macht das beste. Wenns nicht klappt, dann halt das nächste mal. Man freut sich über kleine Erfolge. Passt aufeinander auf und reitet sich nicht in den Weg. Alles andere bringt mich, komischerweise, oft aus dem Konzept.

 

 

 

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