Damals, als alles angefangen hat

Bei der Begutachtung meiner Statistik musste ich schmunzeln. Lieblingsthema scheint derzeit, wieder mal, die ganze Geschichte um die Reittherapie zu sein. Scheinbar ist das Interesse doch größer als ich ursprünglich dachte. 

Musste ich doch beinahe schmunzeln, wenn ich so zurückdenke. Wenn ich zurückdenke warum ich vor gut 4 Jahren eigentlich meinen Blog angefangen habe. Ja warum hab ich das eigentlich?

Eines schönen Tages hat mich irgendwas geritten. Die Einbildung des Tages, ich führe jetzt einen Blog! Ich mach das jetzt. Das ist bestimmt toooootal super. Und ich schreibe, hm, über was schreib ich denn? Ah, Reittherapie. Das wird was ganz großes. Und ich bin völlig davon überzeugt, dass funktioniert so wie ich das will.

Bumms, Blog erstellt. Bumms Blog online gestellt. Ohne nur den gringsten Schimmer davon zu haben, was ich da eigentlich tue. Ohne eine einzige Anleitung mit vielleicht nicht ganz so schlechten Tipps zu lesen. Manchmal wars ne ganz schöne Zerreisprobe. Wirklich.

Und ganz offen gestanden, war ich auch sehr lange davon überzeug Reittherapeut zu werden. Davon überzeugt ich muss am besten so vielen Leuten wie nur möglich davon erzählen. Also von Reittherapie an sich. Und eines schönen Tages bin ich dann selbstständig. So ganz in echt.

Mittlerweile bin ich aber ganz wo anders gelandet. Der Reittherapeut ist irgendwo in der Versenkung verschwunden. Die Idee von der Selbstständigkeit verstaubt aktuell irgendwo in einem der hintersten Schubladen. Ganz tief unten. Und über Reittherapie findet man hier noch die anfänglichen Blogposts wo ich noch völlig Motiviert war. Und auch noch quellenmäßig irgendwo und irgendwie was gefunden habe.

Aber was ist passiert? Tja, das frage ich mich manchmal auch. Kurzum ich habe dann doch ne andere Abzweigung genommen und bin vom ursprünglichen Weg abgekommen. Weils sich eben ergeben hat. Außerdem kann ich nicht abstreiten das ich mir nicht auch den ein oder anderen Gedanken zu allem gemacht habe und überlegt habe. Das meine Grübeleien wohl auch nicht ganz unschuldig daran waren, warum ich hinsichtlich Reittherapie eigentlich die Segel gestrichen habe.

Fangen wir mal mit ganz banalen Grundsteinen an. Wenn ich als Reittherapeut tätig werden möchte, dann muss ich dazu erst eine Ausbildung machen. Die wiederum dauert gut ein Jahr und kostet mich ein kleines Vermögen. Mit der Ausbildung alleine ist es nicht getan, denn um arbeiten zu können, brauche ich das entsprechende Pferd dazu. Ohne Pferd bringt mir die beste Therapeutenausbildung kein Fünkchen.

Um ein halbwegs anständiges Pferd zu bekommen, mit dem man ziemlich zügig anfangen kann zu arbeiten, ohne vorher erst noch 3 Jahre das Pferd auszubilden müsste ich das nächste kleine Vermögen in die Hand nehmen und selbst damit ist es nicht getan. Unterhalt etc. kommt ja auch noch drauf. Und dann habe ich noch nicht mal Kundschaft. Kurzum, worauf ich hinaus möchte, ich hätte pie mal Daumen etwas ein Startkapital von etwa 10.000 bis 15.000 € benötigt um überhaupt die Basics zu besitzen.

Klingt nicht nach viel. Ist es letztlich auch nicht. Wenn man drüber nachdenkt das man für andere Sachen viel mehr ausgibt oder sich eben  mal schnell ein neues Auto kauft, weil einem das andere nicht mehr gefällt oder komisch tut. Aber wenn wir schon dabei sind. Selbständig machen wollte ich mich. Okay, grundlegend benötige ich dazu dann noch wesentlich mehr.

Meine Vorstellung davon richtig Therapeutisch zu arbeiten war eigentlich ziemlich cool, aber beinahe nicht finanzierbar. Ich habe mir immer vorgestellt, ich kaufe mir dann irgendwo, in der hinterletzten Pampa ein bisschen Grund. Setze da mein Haus drauf und pack noch nen Stall mit dazu. N Reitplatz wäre auch noch ganz prima und weil wir gerade dabei sind, wäre eine kleine halle auch ganz cool. Wegen weil Wetter und damit ggf. verbundenen Verdienstausfällen.

Ich geh dann mal Lotto spielen. Vielleicht hab ich ja Glück. Selbst wenn du dann aber die Möglichkeit hast, dir sowas aufzuziehen, ist immer noch nicht gesagt, dass du Kundschaft hast die kommt. Davon abgesehen wurde mir zunehmend klar oder bewusst, was es eigentlich für eine Tragweite hat, dass die Kosten für Heilpädagogisches Reiten, dass sich jetzt nicht als Ergotherapie oder Physio am oder auf dem Pferd betitelt, nicht von den Kassen finanziert werden.

Wenn du Glück hast, wird dir ein bisschen was gezahlt oder du kannst per Gerichtsurteil die Summe einklagen. In den meisten Fällen heißt es aber, der Patient darf in die eigene Tasche greifen. Die in den meisten Fällen nicht unbedingt übermäßig gut gefüllt sind. Gerade bei denjenigen nicht, die es am nötigsten brauchen würden.

Kurz um war es fast wie ein schlag in die Magengrube, als mir bewusst geworden ist, dass ich mit der ganzen Sache, außer ich bin wirklich gut, meinen Lebensunterhalt nicht finanzieren werden könnte. Es eigentlich eine Nette Nebensache ist, die ich nebenher mal eben ein bisschen mache. Aber als Vollzeitjob? Erst rentabel wenn du wirklich dauerhaft einen gewissen Kundenstamm hast.

Da wären schon noch ein paar andere Ideen in meinem Kopf unterwegs. Wobei ich die noch nicht ganz aussortiert habe. Da muss ich bei Gelegenheit mal nochmal drüber nachdenken. Vom Reittherapeuten alleine aber seinen Lebensunterhalt, langfristig, ohne am Stress zu kripieren, zu finanzieren ist schon so eine Sache für sich und wird wohl nicht ganz reichen.

So war das also. Als ich die andere Weggabelung nahm. So war das also. Vor 4 Jahren, wieso ich den Blog überhaupt in die Welt gesetzt habe. Und jetzt? Och jetzt liest man so dies und das. Mir fällt da sowieso immer wieder irgendwas neues ein. Und das passt schon so.

Wer weiß was mir im laufe des neuen Jahres noch so alles einfällt. 🙂

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