Was ist therapeutisches Reiten? Nochmal aufgerollt.

Wenn ich meine Statistiken so ansehe, stößt das Thema Therapeutisches Reiten doch auf höheres Interesse, als ich ursprünglich noch vor einiger Zeit glaubte zu meinen. Weshalb ich eigentlich genau aufgehört habe, darüber zu schreiben, ist mir nicht zu hundert Prozent klar. Aber vermutlich hing es mit dem Richtungswechsel zusammen, den ich angestrebt habe.

Nichts desto trotz kann das Thema vielleicht doch nochmal aufgenommen werden. Weswegen ich einfach nochmal versuche, das ganze aufzurollen. Bevor das Pferd aber von hinten aufgezäunt wird, fange ich lieber nochmal von vorne an. Von hinten Aufzäumen ist gar nicht so leicht. Nicht das ich es schon versucht hätte. Aber warum kompliziert wenns auch einfach geht 😉

Was meint man also allgemein unter dem Begriff „Reittherapie“?

Wie wird also Reittherapie jetzt eigentlich ingesamt verstanden? Also unter dem Begriff „Reittherapie“ wie er oft und gerne im allgemeinen betitelt wird? Wikipedia definiert es folgendermaßen:

Therapeutisches Reiten umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die über das Medium Pferd umgesetzt werden. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Die Entwicklungsförderung steht dabei im Mittelpunkt; reiterliche Fähigkeiten sind dagegen eher nebensächlich.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Therapeutisches_Reiten)

Insgesamt ist die obere Definition schon eher oberflächlich gehalten. Und definiert im Grunde das, was der Volksmund unter Reittherapie versteht. Aber Reittherapie ist nicht gleich Reittherapie und lässt sich, meines erachtens und wie es auch ingesamt definiert wird, nicht über einen Kamm scheren.

Dachte ich auch lange Zeit, Reittherapie ist eben lustiges Therapieren auf dem Pferd. Kurz um, dass was ich ingesamt unter dem Begriff Reittherapie verstanden habe ist im Fachsprachlichen als Hippotherapie oder Physiotherapie mit/am Pferd zu verstehen. Was ich aber auch erst wussten, nachdem ich mich mit der ganzen Sache genauer auseinander gesetzt hatte.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ja wie, es gibt da nicht nur DAS therapeutische Reiten, was denn noch? Man Unterscheidet im Grunde zwischen

Heilpädagogischem Reiten

heilpädagogischen Voltigieren

Hippotherapie

Integratives Reiten

Ergotherapie mit dem Pferd

Alle fünf Bereiche haben unterschiedliche Inhalte, mit denen sie sich beschäftigen. So unterschiedlich wie die Inhalte , also deren Therapieziele, sind auch die Einsatzbereiche der Pferde zu sehen.

Ich selber habe mich im Grunde hauptsächlich mit dem Bereich Heilpädagogisches Reiten/Voltigieren auseinander gesetzt. Trotzdem ist der Unterschied zu den andern Maßgeblich.

Um einen kurzen Einblick zu geben, bevor es weiter geht, folgen nun die verschiedenen Definitionen um einen kleinen Überblick zu verschaffen.

Heilpädagogisches Reiten

Die Arbeit mit dem Medium Pferd und das Reiten an sich sprechen den Menschen ganzheitlich und über alle Sinne an. Sie fordern körperlich, emotional, geistig und sozial.

Die Beziehung zum Pferd spielt im Heilpädagogischen Reiten die tragende Rolle. Der Reittherapeut fördert im Beziehungsdreieck „Klient-Pferd-Reittherapeut“ den konstruktiven Umgang miteinander. Lern-Erfahrungen können auf die Gruppe übertragen und geübt werden. Persönliche und soziale Entwicklung ist das Ziel.

Die Umsetzung erfolgt durch den direkten Kontakt und Umgang mit dem Pferd, durch das Pflegen des Pferdes, durch Übungen am und auf dem geführten Pferd, durch Arbeit im Stall, mit einem Menschen oder in Gruppenarbeit, für Fortgeschrittene beim Reiten und bei Projekten (Reiterspiele, Geländereiten, Wanderreiten).

Heilpädagogisches Voltigieren

Auf dem an der Hand oder an der Longe geführten Pferd werden gymnastische Übungen und Geschicklichkeitsspiele ausgeführt (Voltigieren). Der Bewegungsrhythmus des Pferdes hat eine lockernde, ausgleichende und angstlösende Wirkung, gleichzeitig spricht er auf vielfältige Art und Weise die Wahrnehmung des Reiters an.

Durch individuelle Therapieplanung können die individuellen Problematiken gezielt auf die Anforderungen der jeweiligen Behinderung oder Störung abgestimmt werden.

Hippotherapie

Hippotherapie setzt Pferde zur Physiotherapie und Ergotherapie ein. Dabei sitzt der Patient in der Gangart Schritt oder Trab auf dem Pferderücken. Bewegungsimpulse des Pferdes werden auf Becken und Wirbelsäule des Menschen übertragen.

Der gesamte Bewegungsapparat muss sich neu einpendeln. So können zum Beispiel halbseitig gelähmte Menschen ein Gefühl für ihre Körpermitte entwickeln. Zugleich könne die Muskelspannung positiv beeinflusst werden; schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische, also zu stark gespannte Muskulatur hingegen gibt nach. Dadurch werden die gesamte Haltung vor allem des Oberkörpers geschult und das Balancegefühl verbessert.

Nicht angewendet werden soll die Hippotherapie bei Entzündungen der Wirbelsäule, medikamentös nicht gut eingestellten Anfallsleiden, aktivem Schub Multipler Sklerose, Gefahr von Thrombosen oder Embolien, Bluterkrankheit oder Pferdehaar-Allergie.

In der Hippotherapie arbeitet der Hippotherapeut mit einem Physiotherapeuten zusammen, oder wenn er selbst einer ist, mit einem Longenführer.

Integratives Reiten

Beim integrativen Reiten liegt der Fokus nicht auf einem therapeutischen Schwerpunkt. Im Mittelpunkt stehen die sportliche Betätigung und Teilhabe am allgemeinen Reitsport durch spezielle Hilfsmittel und Ausrüstungsgegenstände.

Zentral sind die Freude an körperlicher Betätigung, die soziale Integration und Einbindung und der Spaß.[1]

Ergotherapie mit dem Pferd

Bei der Ergotherapie mit dem Pferd wird alltagsorientiert und klientenzentriert die Selbstständigkeit und Selbstbestimmung in bestimmten Lebenssituationen gefördert.

Die Wahrnehmung, Handlungsplanung und -kompetenz, die Selbstsicherheit und die Koordination werden durch das Pferd und sein Umfeld gefördert um in weiterer Folge Alltagssituationen besser meistern zu können.[2]

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Therapeutisches_Reiten)

Insgesamt ein sehr spannendes Thema. Manchmal werde ich auch nach dem Thema gefragt. Was mir meist ein kleines Schmunzeln entlockt. Weil es irgendwie jedem, der sich nicht genauer damit auseinander setzt, fast genau so geht, wie mir, bevor ich so viel dazu gelesen hatte.

Versuche ich mich meist dann folgendermaßen:

Reittherapie ist nicht gleich Reittherapie. Man unterscheidet zwischen Heilpädagogischem Reiten und Physiotherapie/Ergotherapie mit/am Pferd.

Das heilpädgagische Reiten hat seinen Schwerpunkt tendenziell eher im Bereich der Emotionsentwicklung bzw. in der Entwicklung des Sozialverhaltens, allgemeine Verhaltensentwicklung, durch den Kontakt und den Umgang mit dem Pferd. Geritten wird nur Geführt, im Schritt. Es hat zwar einen gewissen Effekt auf den Körper an sich, aber steht das beim heilpädagogischen Reiten absolut nicht im Vordergrund.

Der gesundheitliche Effekt auf den Körper ist dann wieder das Ziel der Physiotherapie mit/am Pferd also der Hippotherapie. Ein weiterer Unterschied sind nicht nur die Inhalte und unterschiedlichen schwerpunkte sondern eben auch, dass Physiotherapie am/mit dem Pferd bzw. Hippotherapie von den Kassen bezahlt wird. Heilpädagogisches Reiten hingegen, wird von den Kassen nicht übernommen. Meist mit der Begründung, dass die Wirkung bzw. der positive Effekt des heilpädagogischen Reitens wissenschaftlich nicht ausreichend geklärt und bewiesen ist, weshalb es nicht im Heilmittelkathalog aufgenommen wird.

Historisches

Leopold Fleckles, Doktor der Heilkunde und Mitglied der medizinischen Fakultät in Wien, wies bereits im Jahre 1835 auf therapeutisches Reiten zur Heilung von Lungenkrankheiten hin; er schrieb: „Das Reiten wird von den erfahrensten Aerzten älterer und neuerer Zeit zur Beherzigung und Befolgung Lungenschwachen anempfohlen.“ Und ohne Quellenangabe zitiert er den berühmten englischen Arzt Thomas Sydenham (1624–1689), der erklärt habe: „Ich kenne kein bewährteres Mittel zur Tilgung der Lungensucht, als das Reiten.“ [3]#

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Therapeutisches_Reiten)

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