Reisefieber und Fernwehwahn

Es ist ein stinknormaler, völlig Ruhiger und Vorkommnis armer Morgen. Wie üblich rolle ich mich  vormittags aus dem Bett, schlurfe zur Kaffeemaschine und schmeiße den Laptop an. Verschwinde ins Bad und ärgere mich wieder, dass die Pickel über Nacht immer noch nicht von selber verschwunden sind. Der Schönheitsschlaf hat also nicht funktioniert. Man sollte also nicht immer alles glauben, was im Internet steht.

Während dem Zähneputzen laufe ich, quer durch die Wohnung und starre währenddessen meine Fotokollage des letzten Gardasee Urlaub an. Schöne Erinnerungen, an einen schönen Urlaub. Italien hat mich immer schon fasziniert. Die fröhlichen und gut gelaunten Menschen, die ziemlich Gastfreundlich sind und immer so entspannt wirken. Völlig Entschleunigt und stressfrei. Davon könnte sogar ich mir eine Scheibe abschneiden.

Wenn ich dann auch noch an das gute Essen denke, werde ich ganz schwermütig und bekomme Fernweh. Könnte schon wieder Urlaub vertragen. Aber bis zum nächsten ich bin dann mal weg dauert es noch ein bisschen.

Während ich vor mich hindenke, nicht genau wissend über was eigentlich, wird mir klar, dass ich nie weiter als bis zum Gardasee gekommen bin. Okay, zwei mal war ich noch in Rom. Spätestens hier hört es dann aber tatsächlich auf. Dabei hat Italien noch so viele andere wunderbare Orte, die es Wert sind, besucht zu werden.

Beim durchforsten des Webs, suche ich ziellos vor mich hin. Was ich eigentlich genau suche, weiß ich nicht. Ich klicke mich durch Blogs. Lande wiederholt auf Seiten die mir Tipps dazu geben, wie ich richtig Blogge. Daran hat sich aber in den letzten 8 Monaten auch nichts geändert, immer noch das selbe. Tu dies, tu das, tu jenes. Alles klar. Danke.

Im Verlauf lande ich auf mehreren Reiseblogs. Lese mir die Beiträge durch. Denke darüber nach, wie ich das vielleicht auf meinen Blog umlegen kann. Die schreiben schon gut. Die haben das schon irgendwie drauf. Vielleicht muss ich mehr schreiben üben. Und mehr in den Urlaub fahren.

Dann schleicht sich das große ABER in meinen  Kopf. Student lässt grüßen und Student hat nie Geld. Student kann nur kleinen Urlaub machen. Weshalb Student auch ein Hotel buchen musste. Das ja so billig. Ist aber tatsächlich so, im Vergleich zu den meisten Ferienwohnungen. Die meiner Meinung nach, in diesem Jahr, Preislich ganz krass angezogen haben. Ganz extrem ist mir das bei der Unterkunft aufgefallen, die ich letztes Jahr am Gardasee, um eine ähnliche Zeit, gebucht habe.

Spätestens hier frage ich mich dann, wie anderen das alles hinbekommen. Also so rein finanziell. Wie finanzieren die sich denn ihre ganzen Reisen von denen die da so berichten? Vermutlich können die besser sparen als ich und sind auch keine Studenten mehr. Was gescheits ham se wohl auch gelernt. Und vermutlich rauchen die auch nicht so viel wie ich. Ich sehe schon, heute nehme ich mich selbst nicht sonderlich ernst.

Dann  taucht plötzlich die Urlaubsfrage in meiner Rübe auf. Mit 30 Tagen im Jahre mache ich schließlich keine großen Sprünge. Man ließt aber immer wieder, von weitaus längeren Reisen. Wenn ich den Urlaub, geschickt, über Feiertage lege und/oder habe so viele Überstunden die ich abfeiern muss, könnte das natürlich irgendwie hinhauen. Aber wenn nicht, dann wird es kompliziert.

Andere geben ihren Job auf. Vermieten ihre Wohnung unter oder geben sie ganz auf. Verkaufen ihr hab und gut und beschränken sich auf das nötigste zum leben, dass vielleicht sogar in einen einzigen Koffer oder Rucksack rein passt. Klingt wirklich interessant und irgendwie mutig. Kann ich mir das nur ganz schwer vorstellen. Ich glaube meine Phantasie ist kaputt. Muss da wohl mal zum Klemptner.

Während ich also einen weiteren Reiseblog überfliege, denke ich an meine beiden Irlandreisen. Die grüne Insel, mit ihren vielen Schafen, die da irgendwo in der Gegend rumrennen. „Unendliche“ Inselweiten. Quadratkilometer weit einfach nichts. Ob man das als die pure Freiheit betiteln könnte? Womöglich.

So schön es dort auch war, es ändert nichts daran, dass es mir zu kalt, zu windig und manchmal auch zu nass war. Momentan ist mir eher nach warm, Strand, Sonnenbrandrisiko und Sonnenmilch mit LSF 30. Ich hätte dann gerne Kultur-Welness-Hack halb und halb. Danke sehr! Nein sie brauchen das nicht einpacken, ich nehms gleich auf die Flosse.

Zeitgleich schallen die Worte „An deiner Stelle würde ich mir auch mal einen anderen Ort am Gardasee anschauen“ in den Ohren. Wie in Zeitlupe fiel  der Groschen in meinem Hinterzimmer. Man konnte das klirren kaum wahrnehmen. Währe in diesem Moment jemand da gewesen, hätte man es rattern und denken gesehen.  Warum „was anderes“ nur auf den Gardasee begrenzen? Könnte man nicht vielleicht gleich ganz Italien draus machen?

Der Gedankengang nimmt Form an. Ich hab es! Statt Backpackern durch Thailand,mach ich das einfach durch Italien! Mit dem Auto von Norditalien über die Ostküste bis auf höhe Rom. Dann rüber an die Westküste und dann wieder rauf. Ich muss gleich mal eine Italienkarte Inspizieren! Man reiche mir Stift und Zettel!

Erst hier hin, dann dort. Hier bleiben wir ein bisschen länger. Das kann man zusammen legen. Och und hier könnte ich auch noch einen Zwischenstopp einlegen, klingt gut. Moment, ich muss noch kurz die Tage zusammen zählen. Summa summarum…..30 Tage. Bauen wir noch ein paar Überstunden mit ein, dass ich nicht meinen ganzen Urlaub verbraten muss. Gut, so könnte ich geschlagene zwei Wochen Urlaub und zwei Wochen Überstunden abfeiern. Dann kann ich noch wann anders nochmal Urlaub nehmen.

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ieses Jahr wird das also nichts mehr. Ist der ganze Urlaub schon restlos aufs Jahr verteilt. Und gebucht habe ich auch schon. Mehr als einmal weg fahren, ist dieses Jahr nicht drin. Kannst Kicken. Ganz zu schweigen davon, grenzt es beinahe schon an puren Wahnsinn, während dem Studium mal einfach für fünf Wochen zu verschwinden. Kann ich gleich das Semester aussetzten. Über die Sommerferien bekomme ich keinen Urlaub. Und irgendwann im Winter will ich auch nicht runter.

Und wenn wir gerade dabei sind, mit was finanzier ich das? Ich glaube kaum dass sich der Lebensunterhalt von ein paar netten Worten finanzieren lässt. Geschweige denn in Materiellen Dingen bezahlt werden kann. Wobei der Gedanke des Tauschgeschäfts vielleicht gar nicht so falsch wäre. Manchmal zumindest.

Wann war mein Studium jetzt nochmal zu Ende? Ach ja, 2022. In den Ferien nehme ich dann sicherlich keinen Urlaub mehr, wenn ich es nicht muss. Aha….ich könnte das Zeitfenster zwischen Pfingst- und Sommerferien nutzen. Letzte Juni Woche bis letzte Juli Woche. Urlaubsplan für 2022 steht also schon mal.

Memo an mich selber:

  • Nach einer neuen Spiegelreflex schauen, für gute Fotos
  • Im Internet suchen, was man inspizieren kann
  • Sparschwein aufstellen und die Münzflasche weiter befüllen
  • Überstunden ansammeln und bis 2022 etappenweise auszahlen, Geld ins Sparschwein stopfen.
  • Noch ein paar Überstunden übrig lassen, zum abbauen
  • Eigenen Koffer kaufen
  • Rucksack organisieren
  • Reiseführer besorgen
  • Landkarte organisieren
  • Klappstuhl und Zelt ausgraben, man weiß ja nie

 

2 Gedanken zu “Reisefieber und Fernwehwahn

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