Übers reisen

Manchmal beneide ich diejenigen, die sich hinsetzten und einfach mal hier und mal dort sind. Einfach los fahren und die Initiative ergreifen. Einfach machen. Könnte ich mir davon wohl auch ein Scheibe abschneiden. Und wenn du dann noch richtig gut bis, schreibst du dazu noch was. Aber, wer kann der kann, nicht wahr 🙂

Ich hingegen stehe alle Jahre wieder, wie wahrscheinlich der Großteil der Bevölkerung, vor der Jährlichen Urlaubsplanung. 30 Tag habe ich bis zum ende des Jahres zu verplanen und auch zu nehmen. Einmal verteilen bitte! Die Kollegen dabei berücksichtigen. Ferien fallen raus, da haben Schüler und Eltern mit Schulpflichtigen Kindern unter 18 Vorrang.

Andere, legen einfach ein Sabbat ja ein. Zack, ich mach das jetzt und los gehts! Bin dann mal n Jahr weg. Klingt äußerst spannend und ist sicherlich auch ziemlich cool. Wenn man es richtig anstellt, zumindest. Überstundenabbau und nebenbei dann noch das Gehalt aufs Konto laufen lassen. Hajo, hätte ich auch nichts dagegen. Rumreisen und trotzdem Geld haben. Aber ich stelle mir die Umstellung von Reisen auf wieder normal Arbeiten ziemlich anstrengend vor.

Um mich aber durchzuringen fehlt mir noch das richtige denken dazu, bzw. müsste ich wohl erst einmal anders denken. Mir jagen viel zu viele Gedanken durch den Kopf. Die man aber durchaus als Ausreden abstempeln könnte. Die mir aus dem Nichts einfallen.

Was ist wenn mir das Geld ausgeht? Und wie mache ich das mit der Wohnung? Was ist mit meinen Tieren? Wie bezahle ich meine Rechnungen? Mein Auto? Meine Wohnung? Mein alles?

Wahrscheinlich geht das in meinem Fall nicht mal, weil der Arbeitgeber nicht mitmacht. Und sowieso und überhaupt. Und was passiert mit meiner Stelle? Wahrscheinlich schneller umbesetzt, als ich nachsehen kann. Vermutlich bekomme ich dann auch noch zu hören, dass wir doch nicht bei wünsch dir was sind, wie es mir zur Zeit öfter mal passiert.

Trotzdem gefällt mir die Vorstellung, durch die Gegend zu gondeln, in Frankreich Käse zu essen, in Spanien Salsa zu tanzen und in Italien Nudeln zu verspeisen. Vermutlich liegt aber genau da der Knackpunkt und der Hund begraben. Wollen tät ichs schon , aber ich denke zu viel darüber nach, was passieren könnte wenn der Fall x eintritt. Anstatt das Hirn mal auszuschalten, mir keine Gedanken zu machen und einfach mal zu machen worauf ich Lust habe.

Anhand der immer mehr werdenden Überstunden wäre ein Sabbatjahr gar nicht mehr so abwegig, wenn ich ehrlich zu mir selber bin. Wenn ich die nächsten drei Jahre genau so weiter mache, wie bisher, kann ich von den Stunden entweder 2 Jahre Urlaub machen oder es macht popp und ich fall um.

Also doch Weltreise. Die Chefetage würde sich bedanken, meine Stelle wäre vermutlich schneller wieder ausgeschrieben wie ich schauen könnte. Und puff, weg ist die Vorstellung weiter Lohn beziehen zu können.

Würde sich bestimmt schnell was neues für mich finden. Aber eigentlich will ich das gar nicht, also eine andere Arbeitsstelle meine ich. Wer sagt mir denn, dass es mir da genau so gut gefällt? Vielleicht sind die Kollegen da ja doof. Oder die Arbeitszeit passt mir nicht in den Kram. Oder es ist mir am Ende wieder viel zu durchstrukturiert. Aber was schreiben so ein Arbeitgeber dann eigentlich als Befristungsgrund bei einer Vertretung in den Vertrag? Sachgrund: Befristung bis Ende der Weltreise. Schon klar.

Also doch nicht, Weltreise wird auf unbestimmte Zeit verschoben. Wie alle Jahre wieder, saß ich also vor der jährlichen Urlaubplanung. Weil auf und davo will ich auf jeden Fall. Zumindest sollte eine Woche schon drin sein. Daheim hocken, kann ich auch das restliche Jahr noch.

Überlege hier. Überlege da. Wann nimmst du jetzt Urlaub? Wo fährst du hin? Wie finanzierst du es? Kannst du dir wegfahren überhaupt leisten? Vielleicht die Überstunden auszahlen lassen damit du noch ein kleines Urlaubstaschengeld hast? In den Ferien geht nicht. Will ich auch gar nicht, viel zu teuer und zu voll.

Fragen über Fragen die einem da durch den Kopf schießen. Ach ja, ich vergaß, da ist ja auch noch die Uni und das Studium. Und als Student hast du nie Geld. Bist grundsätzlich immer pleite, wie soll man da dann bitteschön auch noch einen Urlaub von bezahlen. Schluss, aus und basta. Klingt völlig schlüssig. Als Student in den Urlaub fahren, funktioniert rein rechnerisch gar nicht. Das war schon immer so.

Aber wozu gehe ich dann jeden Monat arbeiten? Was mach ich mit dem Geld? Warum buckel ich mir beinahe Täglich einen Wolf? Natürlich, da gibts ne Wohnung, ein Auto und ein Pferd. Die Studiengebühren. Will alles finanziert werden. Aber auf den Urlaub verzichten? Und aufs weg fahren, nur wegen weil weniger Geld in der Kiste? Danke ich verzichte. Hab ich dann auch keine Lust drauf.

Wenn das Geld dann sowieso schon auf dem Konto ist, kann man es ja auch für irgendwas ausgeben. Warum dann nicht für einen Urlaub. Vom rumliegen wirds auch nicht besser, ganz zu schweigen von Zinsen die es nicht gibt. Man gönnt sich ja sonst nichts. Und bevor es schlecht wird und Schimmel ansetzt….

Wo fahren wir also dieses Jahr hin? Vielleicht leg ich mir einfach eine Weltkarte unter die Nase, halte die Augen zu, und da wo mein Finger landet, da fahr ich dann hin. Als alt eingesessener Gardasee und Bardolino Urlauber konnte ich mich aber wieder nicht von der Idee los reißen, ich müsse da, dieses Jahr, ganz dringend nochmal hin.

Habe ich mir letztes Jahr, auch noch den Floh ins Ohr gesetzt, Paragliedingflug vom Monte aus machen zu müssen. Das hat mich letztes Jahr schon so fasziniert. Zum eine alleine das Ding, außerhalb eines Flugzeuges, in der Luft rumzugleiten, zum anderen dann auch noch ÜBER dem Gardasee. Hammerhaft. Außerdem kenn ich mich da aus. Weiß wie ich hin komme und der damit verbundene Planerische Aufwand, ist relativ gering. Also warum kompliziert, wenns auch bequem geht.

Anhand der Faulheit, die mich gerade immer wieder fest im Griff hat, habe ich kurzerhand am Gardasee gebucht. Unkompliziert und Reibungslos. Wenig Aufwand und Mühe. Mal davon abgesehen, Du setzt dich ins Auto und rast los. Bist in wenigen Stunden da und aushalten lässt es sich da auch noch recht gut. Natürlich musst du die ganze Strecke fahren, aber das ist mir wurscht. Gutes Reiseziel für einen Kurzurlaub gefunden? Ich würde es glatt mit Ja beantworten.

Bei den diesjährigen Preisen, am Gardasee, musste ich allerdings richtig Schlucken und die Zähne zusammen beißen. Die Preise habe ganz schön angezogen, wenn man nicht sogar davon sprechen könnte, dass sie explodiert sind. Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass regelmäßige Touristenmassen einfallen. An denen verdienen die sich noch ne goldene Nase. Kann ich mir das also wirklich leisten? Oder kann ich demnächst betteln gehen?

Irgendwann unterhältst du dich dann, gezwungenermaßen, mit irgendwem über deine Urlaubsplanung. Getreu dem Motto, lass mal Smalltalk führen. Als gäbe es da nicht bessere Themen für.

Und wo fährst du dieses Jahr hin? Ach schon wieder an den Gardasee! Willst du dir nicht mal was anderes anschauen? Das ist doch inzwischen völlig überteuert und überlaufen. Was willst du denn da? Was? 700 € für ein Hotel nur mit Frühstück? Du bist doch verrückt! Du spinnst doch! Außerdem, wie willst DU das, so als Student, bezahlen? Nimm das jetzt aber bitte nicht persönlich. Also ich habe dieses Jahr ja einen ganz tollen Urlaub gebucht. All inklusive mit Flug, direkt am Strand, für 500 €. Also ich wollt es ja nur gesagt haben.

Danke, ich hab aber nicht danach gefragt. Aber nett, dass man mich darüber informiert. Herzlichen Dank nochmal. Danke für die Blumen und für den Hinweis. Ja ich weiß das ich Student bin. Ja ich weiß, dass die Preise am Gardasee, teilweise, völlig überzogen scheinen. Ja ich weiß, man kann Urlaube bereits für 500 € einheimsen. Hab ich aber nicht gemacht.

Wenn ich außerdem so an die ein oder anderen Flugerlebnisse in der Vergangenheit denke, bevorzuge ich derzeit, doch das Auto. Fliegen ist zwar nett. Du bist schnell irgendwo anders, was sich dann aber wieder nur auf die reine Flugzeit bezieht. Davor zockelst du erst mal 1 1/2 Stunden bis zum nächsten Flughafen, weil du aber keinen Parkplatz zahlen willst, nimmst du doch die Bahnfahrt für 2 Stunden.

Am Flughafen angekommen rennst du 10 Minuten quer über den Flughafen um dein Gate zu finden. Mit einem Orientierungssinn wie eine Bratpfanne ist es gar nicht so leicht, im Schilderparadies Deutschland das richtig Gate zu finden und 10 Minuten sind dann doch ziemlich knapp bemessen.

Am Gate angekommen, musst du nicht mit dem Koffeer auf dem Schoß im Flieger sitzen. Nein den kann man da tatsächlich vorher abgeben. Rauf auf die Waage. Ticket zeigen. Kleber dran. Rums, und weg ist der Koffer. Geht aber nicht an jedem Schalter. Das muss dann schon der von DER Fluggesellschaft sein, bei der du gebucht hast. Den musst aber auch erst mal suchen. Ich weiße hier nochmals auf den Orientierungssinn einer Bratpfanne hin!

Außer atem hast du dann, irgendwann, den richtigen Schalter gefunden, da wir alle so gerne warten, kann man in der Schlange, bis man bei der Gepäckabgabe angekommen ist, nochmal tief durchatmen. Wenn es doof läuft, stehst du ne weile, bevor du dein Koffer überhaupt plopp macht und im Fließbandlabyrinth, irgendwo in den Tiefen des Flughafens verschwindet.

Ob das so ist wie bei Gringoths? Der Zaubererbank bei Harry Potter? Ein kleppriges Wägelchen, beladen bis unter den Rand, dass über Schienen, durch unterirdische Gänge saust und hie und da irgendwas nicht Muggelhaftes auftaucht? Ob den Koffern dabei schlecht wird und die sich auch mal übergeben müssen?

Also weiter zum Check in, zum Glück kann man inzwischen via Internet Einchecken, was einem etwas Zeit erspart, weil man das entweder während der Zugfahrt oder während man wartet machen kann. Hat man da genügen Zeit für sowas. Nach der Kofferablieferung kommt die Sicherheitskontrollen. Also warten wir wieder. Denn was haben wir gelernt? Wir warten gerne!

Und dann, sitzt du da. Und wartest schon wieder. Wartest darauf, dass du endlich an Bord kannst. Nachdem du an Bord gegangen bist, sitzt du da Weitere 2 Stunden in Luftiger Höhe im Flieger bis du am nächsten Flughafen landest. Billigairlinse machen da gerne eine kleine Kaffeefahrt draus. Der Flug wird zu einer Nerv tötenden Zerreißprobe. Alle Naselang klappert jemand mit seinem Wägelchen an dir Vorbei. Will dir überteuertes Essen andrehen oder Parfum.

Am Ankunftsflughafen geht das ganze dann von vorne los. Zurück durch die Sicherheitskontrollen, Koffer suchen, Mietwagen holen oder Bus suchen der dich zum Hotel bringt.Wenn du Pech hast, hast du im Bus oder Auto nochmal 1 Stunde fahren vor dir, bis du da ankommst wo du hin willst. Am Urlaubsende machst du dann das selbe nochmal rückwärts, was du bereits am Anfang gemacht hast.

Danke, ich verzichte da dieses Jahr mal drauf. Ist mir fast schon zu Strapaziös. Und ich möchte gerne Pause machen können, wann ich das will. Will dann an einen Rasthof raus fahren und einen Kaffee trinken und eine Zigarette rauchen, wann ich das will.

Möchte nicht erst drei Tage nach meinem Koffer suchen, der vielleicht dann noch verloren geht. Nein ich möchte ihn einfach in meinem Kofferraum wissen. Und wenn ich die Klappe hinten auf mache, möchte ich den Koffer auch sehen können. Fertig.

Möchte mir keine Gedanken darüber machen müssen, was ich alles in den Koffer einpacke, um das Maximalgewicht nicht zu überschreiten. Und wenn ich es wegen 2 Kg Mitbringsel überschreitet, möchte ich keine zusätzlichen Kosten dafür haben.

Dieses Jahr kann man mir noch so oft erzählen, wie günstig diese Pauschalreisen sind. Und wie toll das ist, dass Flug und alles drum und dran dabei ist. Da hab ich aber keine Lust drauf. Natürlich ist es praktisch und angenehm, wenn du alles dabei hast. Du musst dich um nichts kümmern.

Ab das will ich gar nicht. Wo bleibt denn da dann der Reiz? Das Gefühl etwas zu erleben? Du siehst ja eh nur das Hotelgelände. Weigere ich mich zwar mittlerweile, ein Ferienhaus zu buchen, da die tatsächlich zeitweise völlig überteuert sind. Aber trotzdem hätte ich immer noch große Lust, da zu essen wo ich das gerade will.

Lust drauf, nicht an die Essenszeiten gebunden zu sein, die vom Hotel vorgegeben sind. Ich möchte gerne selber entscheiden, essen zu gehen, wenn ich Hunger habe und nicht weil mir ein Hoteldirektor vorschreibt, dass ich von 18 bis 20 Uhr zu essen habe.

Aus der Sicht vereinzelter, wird das aber gerne als völlig bescheuert abgestempelt. Ganz zu schweigen von der Beratungsresistenz, die einem zu gerne und zu schnell untergeschoben bekommt. Aber gut 🙂

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7 Gedanken zu “Übers reisen

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