Gedankensprünge

In der Wohngruppe ist es toten stillt. Ab und zu höre ich draußen ein Auto oder ein paar leise Stimmen, die von einem Barbesuch nach Hause spazieren. Hier und da höre ich jemanden im Schlaf vor sich hin murmeln. Manch einer spricht im schlaf und träumt laut. Hier ein Huster. Nichts schlimmes. Die Uhr tickt leise.

Dreiundzwanzig Uhr. Bereitschaftsbeginn. Über mir höre ich es Rumpeln. Die Eingangstüre geht auf. Irgendwer aus dem ersten Stock scheint jetzt erst Feierabend gemacht zu haben. Oder war das der andere Nachtdienst, der die WG verlassen hat? Falls ja, warum weiß ich nichts davon? Aber ist ja egal. Normalerweise geben die von oben bescheid. Nachdem das aber nicht der Fall war, wird schon alles passen. Vielleicht kommt auch nur jemand von den ambulanten, aus dem Dachgeschoss, nach Hause.

Ich sitze im Wohnzimmer. Bin erschöpft, aber noch nicht müde. Schlafen kann ich wohl noch nicht. Würde mich unruhig im Bett, im Bereitschaftszimmer, hin und her drehen. Der Rücken schmerzt. Warum weiß ich nicht. Habe die letzte Zeit das Laufen im Fitnesstudio vernachlässigt. Konnte die Motivation dazu nicht recht finden. Vermutlich kommt es daher. Ich sollte wieder mehr für meinen Rücken tun.

Zwischenzeitlich starre ich auf mein Handy. Er reagiert seit über 6 Stunden nicht mehr, seit ich ihn etwas gefragt habe. Nett. Ich ärgere mich. Ärgere mich darüber, überhaupt gefragt zu haben. Dabei ist das letzte mal, als ich DANACH fragte, schon über 5 Monate her. Langsam wäre eine Antwort nett. Wie lange braucht man denn um sich drüber Gedanken zu machen?

Wut brodelt in mir auf, die mich dazu verleitet, mich jeglicher weiteren Kommunikation zu verweigern und zu entziehen. Mir ist die Laune darauf sichtlich vergangen. Frage mich warum ich mir das seit knapp einem Jahr antue. Kann mir diese Frage aber selber nicht beantworten.

Es ist immer noch alles ruhig. Ich fange an nachzudenken. Stelle einiges in Frage. Stelle in Frage ob es nach der langen Zeit in diesem Job, nicht doch an der Zeit wäre, was anderes zu machen. Mag ich meinen Job, sonst würde ich ihn nicht machen.

Stelle derzeit dennoch in Frage, ob die Entscheidung, in den sozialen Bereich zu gehen, jemals die beste Idee war die ich hatte. Wäre es nicht so, dass mich mein Job langweilen würde. Jeden Tag ist was neues Los. Kein Tag gleicht dem anderen. Abwechslung pur. Dennoch beneide ich manchmal diejenigen, die einfach einen stinknormalen Job haben. Und nicht in der Nachtschicht sitzen müssen. Nacht für Nacht in ihrem eigenen Bett schlafen können. Aber wenn ich ehrlich bin, jeden Tag das selbe machen zu müssen, wäre definitiv auch nicht richtig.

Die Nächte sind hier ruhig. In den seltensten Fällen braucht es tatsächlich was. Was aber nichts an der Sache selbst ändert, dass ich lieber zu Hause, in meinem Bett, schlafe. Mein früherer Begleiter, die unterschwellige Angst es könnte doch was sein, die mir regelmäßig in den Nachtschichten den Schlaf raubte, hat sich mittlerweile geschmeidig vom Acker gemacht. Ist auch gut so.

Dennoch stelle ich mir häufig die Frage, warum ich mir das antue. Es mir antue bei einem Vollzeitstudium noch 24 Stunden in der Woche zu arbeiten. Gerade dann, wenn ich wieder nicht weiß wo ich anfangen soll. Gerade dann, wenn ich nicht weiß wo vorne und hinten ist. Gerade dann, wenn ich nciht weiß wie ich alles unter einen Hut stecken soll. Gerade dann, wenn ich ohne Pause zwischen Schicht und Vorlesung hin und her switschen, und über 30 Stunden nicht zu Hause bin.

Kann ich mir nicht beantworten. Irgendwann ist auch das Überstanden. Irgendwie muss ich mein Studium ja bezahlen. Irgendwie gehts schon. Bis jetzt ging es ja auch. Das wird bestimmt bald etwas entspannnter. Bin mir gerade aber nicht sicher, ob ich meinen eigenen Worten glauben soll.

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Ein Gedanke zu “Gedankensprünge

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