Der Berg.

Wenn die Worte Berge, Wandern oder Seilbahn fallen, koppel ich das ganze, für gewöhnlich, mit Österreich, der Schweiz oder Deutschland. An Italien denke ich da eigentlich im ersten Moment gar nicht. Kopple ich mit Italien eher Sonne, heiß, gutes Essen, Meer und Strand. Aber garantiert nicht die Berge. Mit dieser Kopplung bin ich aber wahrscheinlich nicht alleine.

Mai 2018 am Gardasee

Seit vielen Jahren fahre ich nun schon an den Gardasee. Um den See herum, einige viele Berge. Wenn ich genauer darüber nachdenke, war ich noch auf keinem einzigen. Der Monte Baldo ist mir zwar sehr wohl ein Begriff und ist dieser auch nicht weit von Bardolino enfernt, bestiegen habe ich ihn aber noch nicht. Man könnte aber auch mit der Seilbahn hoch fahren, wenn man nicht gut in Form ist oder, so wie ich, keine Lust hat eine lange Wanderung zu unternehmen.

Eigentlich müsste ich, wenn ich nun schon da bin, einen kleinen Ausflug nach Malcesine unternehem und dem Monte Baldo endlich einen Besuch abstatten. Es gibt wohl eine Panoramagondel, die sich um ihre eigene Achse dreht. Mit großen Scheiben rundherum, damit man die Landschaft bestaunen kann, während man hoch fährt.

Einige Stunden später finde ich mich in Malcesine wieder. Die Beschilderung zur Seilbahn, die einen auf den Monte Baldo befördern soll, war eindeutig und selbst eine Bratpfanne wie ich es bin, hat somit den Weg zur Seilbahn und zum Parkplatz gefunden.

Eine Stunde Parken, 1,50 €?!?!? Das ist ja der Wahnsinn! Da werd ich ja arm, alleine von den Parkgebühren! Nun gut, dann steck ich eben ein paar viele Euros in den Automaten unter Olivenbäumen, wenn ich schon die Strecke bis hier her gefahren bin. Dank der Olivenbäume steht mein Auto im Schatten, dann wird es nicht so warm im Auto. Die Temperaturen sind für Mai schon recht üppig, aber es hält sich noch im Rahmen.

Noch darüber Nachdenkend, ob der Parkschein den ich für 6 € gelöst habe, außreichend ist, finde ich mich auch schon in einer lange Schlange voller Menschen wieder, die sich bereits am späten Vormittag vor dem Kassengebäude der Talstation entlangschlängelt. Hier stehe ich wohl erst einmal eine Weile.

Mit meinem Rucksack auf dem Rücken, in dem ich  Kamera, Statief, Brotzeit und Saft verstaut habe, höre ich den Leuten um mich herum ein bisschen zu. Zumindest versuche ich es. Der Großteil derer, die mit mir warten sind Italiener. Dazwischen finden sich verzeinzelt Engländer und Deutsche.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich irgendwann nur einen Fuß in das Kassengebäude hinein setzte. Irgendwie bin ich da andere Zustände gewöhnt, wenn ich zum Skifahren gehe. Da geht das irgendwie ein bisschen schneller, mit dem Ticketverkauf. Vielleicht sind da aber auch einfach ein paar Menschen weniger unterwegs. Wie auch immer.

Im Kassenhäuschen schlängelt sich die Menschenschlange noch weiter. Ich verdrehe kaum merklich die Augen und frage mich just in diesem Moment, ob die Idee wirklich gut war. Nach geschlagenen 35 Minuten halte ich mein rauf und runter Ticket für 24 € in der Hand.

Einzulösen am Ausstellungstag, steht auf der Karte drauf. Wo muss ich denn hin? Ah okay, dass Schild mit der Gondel drauf klingt gut. Gleich müsste eigentlich eine Gondel kommen, die uns nach Oben verfrachtet. Also auf gehts! Werde in meinem Elan jedoch jä von der nächsten menschlichen Schlange gestoppt, in die ich, vor lauter Vorfreude auf den Gipfel, beinahe hinein remple.

Ach du Schande. Da stehen aber viele Menschen. Und da gehen auch noch Treppen hoch. Wie weit gehen die denn hoch? Gute Frage, dass finde ich wohl nur heraus, wenn ich mich anstelle und bis hoch komme.

Also warte ich. Und warte. Starre die Decke an. Starre die Treppe an. Nach der Wand gehts bestimmt weiter! Wie da gehts noch mehr Treppen  hoch? Mir tun langsam die Füße weh. Aber ganz gekonnt. Hoppse von einem auf den anderen Fuß. Versuche mir die Zeit zu vertreiben. Langweile mich.

1 1/2 oder 2 Stunden später, mit platten Füßen, finde ich mich endleich am Drehkreuz zur Gondel. Hat ja auch lange genug gedauert. Nach und nach geht es vorwärts. Das Gedräge am Drehkreuz ist groß. Jeder der kann, versucht noch irgendwie durch das Kreuz zu kommen.

Und vor der Kabine selbst, scheinen alle die bereits durch das Drehkreuz gekommen sind, in Panik zu geraten, sie würden nicht mehr mitfahren dürfen. Ich halte mich etwas zurück.

Das Gedränge, um den besten Platz in einer viereckigen Großkabine, muss ich mir nicht antun. Schließlich sind wir schon durch das Drehkreuz und kommen mit. Von der Panoramagondel, weit und breit nichts zu sehen.

 

20180516_1252431611705473196439846.jpg20180516_1416214140135924668475336.jpg

Ein bisschen Eng ist es. Aber es geht noch. Stellt man sich das ganze mit Skiern vor, wäre es wohl wesentlich unangenehmer. Und die „hitze“ ist auch noch nicht so schlimm. Durch die leicht gekippten Fenster der Großkabine ströhmt ein angenehmes Lüftchen.

Ich schaue aus dem Fenster. Das Ah und das Oh ist groß, als Malcesine immer kleiner wird und man viel vom See sehen kann. Eine zweite Großkabine kommt uns entgegen. Sie scheint leer zu sein. Dann ist oben womöglich einiges los.

Es ist ein bisschen bewölkt und dampfig. Die Gondel steuert geradewegs in eine Nebelbank. Na ganz prima. Ob das mit den Fotos dann was wird, wenn es so Wolkig ist? Da hat man sicherlich keinen guten Blick auf den See. Eigentlich hätte ich mir klare Sicht gewünscht. Aber das Wetter ist nicht beeinflussbar. Vielleicht habe ich ja Glück und die Wolken haben sich verzogen, bis ich oben bin.

Rumpelnd fährt die Kabine in der Mittelstation ein. Die Fahrt war eigentlich recht kurz. Dachte die geht länger. Alles ströhmt aus der Kabine. Gibt es da draußen was umsonst? Wir sind doch noch gar nicht ganz oben. Es geht doch noch weiter. Ich verstehe es nicht.

Die Menge steuert direkt auf ein Drehkreuz zu, an dem sie wieder durchgelotst  und zum warten verdonnert wird. Ich verdrehe die Augen. Zum Glück bin ich alleine Unterwegs und kann somit nicht anfangen über die Warterei zu schimpfen. Womöglich wäre es dann peinlich geworden. Aber nur vielleicht.

Hätte ich nicht mal einen Realen Grund gehabt, mich zu beklagen. Die Wartezeit begrenzte sich auf wohl nicht mal 10 Minuten, als die langersehnte Panoramagondel in die Mittelstation schwebt. Und was kann die jetzt so?

Geschnattere und Gedränge macht sich breit. Alles ströhmt, wie bereits an der Talstation, in die Gondel. Himmel! Es werden schon alle mitkommen! Sind wir hier jetzt auf der Flucht oder im Urlaub? Zum Glück bin ich alleine unterwegs. Ansonsten hätte ich diesen Gedankengang wohl laut ausgesporchen.

Ich lasse mir Zeit. Schmeiße mich nicht direkt ins Gedränge um als erster in der Gondel zu sein. Stehe in zweiter Reihe. Finde nichts zum festhalten. Der Haltegriff über mir ist für mich nur mit hängen und würgen und gerade so zu erreichen. Um mich herum Touristen, die zwei Haltegriffe für sich Beanspruchen. Find ich jetzt nicht nett, einer der Herren ist aber ein Italiener, der versteht mich wahrscheinlich nicht, wenn ich was sage. Mein Englisch ist auch ein bisschen eingerostet. Möchte nichts sagen und schaue stattdessen lieber aus dem Fenster.

Ich muss mich ein bisschen strecken um hinaussehen zu können. Um uns herum zieht wilde Berglandschaft vorbei. Schaut nett aus. Aber da hat sich doch gerade was verändert? Irgendwie schaue ich doch jetzt in die andere Richtung? Aber? Wie ist das möglich? Dreht sich das Teil tatsächlich? Und wie es das tut, die Menschen die in der Mitte sitzen, verändern sich stetig. Immer wieder habe ich plötzlich andere Leute vor mir sitzen.

Obwohl sich die Gondel nur langsam dreht und der Blick rundherum recht ansehnlich ist, ist mir ein wenig schlecht und ich habe ein flaues Gefühl in der Magengegend. Weshalb ich ziemlich froh bin, als wir am Gipfel ankommen.

Auf dem Gipfel ist es ziemlich kalt. Auf einer Bergspitze, die noch etwas höher lieg, ist sogar noch der restliche Schnee. Moment mal? Schnee? Im ernst jetzt? Schnee und Italien passt für mich so wenig zusammen wie Eis und Gurke. Das ist bestimmt eine Phatamorgana. Bei genauerer Betrachtung der Skiliftanlagen, auf dem Gipfel, scheint der Schnee  doch nicht so abwägig zu sein wie ich denke.

Die Wolken wabbern immer noch herum. Schade. Ganz haben sie sich also doch nicht verzogen. Aber es hat etwas Mystisches, wenn ich ehrlich bin und ziehe mir den Pullover über, den ich vorsorglich in meinen Rucksack gesteckt habe. Oben auf dem Gipfel ist es wirklich recht frisch und durch den leichten Wind füht es sich sogar noch kälter an. Die Kurze Hose hätte ich mir auch sparen können. Zumindest oben aufm Berg.

20180516_134835121721814232597902.jpg

Ich stolpere also ein bisschen vor mich hin. Folge  den Massen, die sich aber auf den Wegen dort Oben ziemlich schnell verteilen. Spaziere ein bisschen herum. Schieße Fotos und werde schräg angeschaut, als ich das Statif aufbaue um eine Langzeitbelichtung abzuhalten.

Ein Mann mit einem Komsischen großen SAck auf dem Rücken, stiefelt zügig an mir vorbei. Was der da wohl drin hat? Muss ein Segelflieger sein, denn auf einer weitläufigen Fläche breiten auch andere schon ihre Flieger aus. Im Schlepptau scheinbar Touristen. Was die für so einen Flug wohl verlangen? Muss ich mal herausfinden. Tät mir so ein Flug auch gefallen. Vielleicht nächstes Jahr.

20180516_1317131220774156114871098.jpg

Ich selber schaue mir leiber den See an. Er liegt ziemlich weit unten. Die Wolken haben sich bedingt verzogen. Für ein bisschen seh sehen reicht es aber. Bis ganz ans untere Ende kann man aber nicht so richtig sehen. Dafür ist es dann fast doch schon zu dampfig. Schade. Aber man kann eben nicht immer alles auf einmal haben.

Nachdem ich genug geknippst und spaziert habe, laufe ich zurück zur Gondel. Ich glaub nämlich, dass mein Parktiket demnächst abläuft. Habe, um ehrlich zu sein, keine großen Ambitionen einen Strafzettel zu bekommen. Außerdem ist mir, mittlerweile, an den Beinen kalt. Kurze Hose, Monte Baldo und mitte Mai verträgt sich nicht sonderlich gut. Hinterher ist man aber immer schlauer.

Runterwärts geht alles viel schneller. Weil rauf wollen mehr als runter. Aber gut, damit muss man wohl leben. Aber ich bin froh wieder unter in der wärme zu sein. Ich brauche jetzt erst mal men Auto und dann will ich ein Eis. Und ein bisschen am See sitzen und lesen.

3 Gedanken zu “Der Berg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s