Wochenenddienst

Das Terminal zur Arbeitszeiterfassung pfeifft und begrüßt mich mit einem „Servus'“, einer kleinen Spielerei des Abteilungsleiters. Es ist Samstag morgen und ich habe Dienst. Wie immer an meinem Dienstwochenende ist das Wetter von Sonne durchflutet und herrlich. War ja wieder klar. Und nächste Woche schüttet es dann wieder aus Kübeln. Könnte ich fast drauf wetten.

Es sind nur wenige Bewohner übers Wochenende in der WG geblieben. Während ich darüber nachdenke, was man heute machen könnte, laufe ich ins Wohnzimmer um mir einen Kaffee und eine Übergabe der Nachtschicht abzuholen. Wie immer eben.

Die Nachteule berichtet das Übliche. Nacht war ruhig. Alle haben geschlafen. Sie macht mich außerdem auf die heutige Besetzung aufmerksam. Fünf Mitarbeiter. Das ist Luxus. Da kann man eigentlich schon eine 1:1 Betreuung draus machen. Frage mich aber im selben Moment, ob eine solche Besetzung wirklich nötig gewesen wäre. Zwei davon sind aber in der Einarbeitung.

Außerdem bekomme ich die Info, dass eine Mutter für ein paar Stunden vorbei kommt um ihr Kind zu besuchen. Es ist ausgerechnet die Mutter, vor der ich immer so Angst habe. Zur Zeit ist sie ständig hier. Frage mich warum sie plötzlich ein so großes Interesse an ihrem Kind zeigt. Sonst kommt sie auch nur alle paar Wochen mal vorbei. Und jetzt ständig? Ich verstehe das nicht so ganz.

Der Kollege, der mit mir Dienstbeginn hat, hat auch noch verschlafen. Vermutlich muss ich mich dann mit der Mutter auseinander setzten. Eigentlich würde ich das gerne an den Kollegen abgeben. Aber der ist noch nicht da. Bin alleine durch die Info völlig durch den Wind. Hoffe das es nicht all zu wild wird.

Aber das Schicksal war nett zu mir. Kurz bevor die Mutter kam, trudelte der Kollege ein. Welchen sich die Mutter auch gleich unter den Nagel riss, weil sie mich nicht so gut kennt und glaubt, der Kollege wisse mehr als ich. Aber gut. So muss ich mich nicht drum kümmern. Was auch immer sie möchte.

Es ist nicht viel zu tun. Während der Kollege mit der vorletzten Bewohnerin, die noch im Bett lag, frühstückt, gehe ich mit einer anderen Bewohnerin duschen. Damit es abends dann nicht mehr sein muss und schon erledigt ist. Bewohner T. lasse ich bewusst noch liegen. Denke, es wäre wohl nicht schlecht, wenn einer der einzuarbeitenden mit dabei ist, wenn man ihn raus holt und badet. Sie müssen es ja schließlich auch lernen. Und heute würde es sich anbieten. Beide kommen aber erst um zwölf.

Ich habe somit  verhältnismäßig viel Zeit. Unterhalte mich mit Bewohner R. der einen erhöhten Redebedarf hat. Seine Oma, an der er doch ziemlich hängt, ist im Altersheim gelandet. Sie wollte dort aber nicht hin. Die Eltern sind nun dort um nach ihr zu sehen und alles weitere zu regeln. Er macht sich Sorgen und redet sich beinahe eine halbe Stunde seinen Frust von der Seele.

Später lese ich den Bewohnern noch aus der Zeitung vor. Was gerade alles passiert. Es stehen ein paar interessante Artikel drin, die auch die Bewohner hören möchten. Gegen halb 12 fällt mir auf, dass es vielleicht schlauer gewesen wäre T. doch schon gegen 10 rauszuholen. Aber jetzt ist es auch schon egal.

Woraufhin sich ein Donnerwetter von Gruppenleitung anbahnte. Wieso wir das nicht schon vorhin gemacht hätten. Wir hätten zum einen genug Zeit gehabt. Zum anderen waren wir zu zweit. Warum wir das nicht genutzt hätten. Irgendwo hat sie ja auch recht, fühle mich daraufhin irgendwie schlecht. Als wäre ich eine faule Socke. Die keinen Bock zu arbeiten hat. Äußerte daraufhin aber meinen Gedankengang hinsichtlich der Einarbeitung. Was wohl einleuchtend klang.

Das nächste Donnerwetter schien aber nicht lange auf sich warten zu lassen. Nach einem kurzen Ausflug mit einem Teil der Bewohner, stand die Frage im raum, was wir die letzten Stunden eigentlich gemacht hätten. Nicht mal den Müll hätten wir weggebracht. Eigentlich ist es gut, wenn man solche Sachen direkt anspricht, anstatt sie lange anzusammeln. Zur Zeit nehme ich so was aber unglaublich persönlich und glaube immer gleich, ich würde nichts tun. Selbst wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, was ich in der Zeit eigentlich doch gemacht habe.

Kurz vor Feierabend und nach unserem langen Sonnenspaziergang durch die Stadt, scheinen die Wogen aber wieder geglättet zu sein. Was gesagt werden musste war raus und es war auch wieder gut. Ich bin dennoch geschafft und frage mich immer noch, ob ich nicht doch mehr hätte machen sollen.

Kurz bevor ich gehe, wird mir für den darauffolgenden Sonntag freigegeben. Weil so viele Mitarbeiter im Dienst sind, die nicht nötig sind. Außerdem hätte ich so viele Überstunden, die ich auf ein normales Maß reduzieren muss. Eigentlich sollte ich mich darüber freuen. Was ich auch durchaus tue. Dann kann ich morgen doch ein bisschen am See sitzen.

Dennoch wäre mir der Samstag eigentlich lieber gewesen. Musst, da es so doof  gelaufen ist, diverse Aktivitäten verschieben, die auf den Samstag gefallen wären. Sonntag geht das nicht. Aber gut. Ändern kann man das auch nicht. Eigentlich sollte ich mich freuen. Aber irgendwie hält sich die Freude doch eher in Grenzen. Hätte lieber mehrere Tage am Stück frei genommen, als einzeln irgendwo verteilt.

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