Von behinderung Bedroht, was heißt das jetzt genau?

Ich sitze da und blättere in meinem neuen Gesetzbuch. Halte ich soeben das gesamte SGB in Händen. Ganzschön fetter Wälzer, wenn ich ehrlich bin. Und das soll ich jetzt, einmal die Woche, mit in die Vorlesung schleppen? Alles klaro.

Ich blättere herum und Lande irgendwann beim SGB 9 und falle, in einem Abschnitt ziemlich am Anfang, über die Aussage „….und von behinderung bedrohte Menschen.“ Irgendwie klingt das komisch. Gedanklich wiederhole ich die Worte mehrere male.

Was zur Folge hat, dass ich mich frage, was das denn jetzt konkret bedeuten soll. Von behinderung bedroht.

Aber ganz ehrlich, was definiert man denn jetzt genau darunter? Frage ich mich nämlich, wenn ich sowas in einen Gesetztestext stopfe, muss es doch im Grund eine klare Definition dafür geben, was genau „von behinderung bedroht“ bedeutet. Welche Kriterien müssen überhaupt erfüllt sein, dass jemand unter diese Begrifflichkeit fällt?

Kann man sich genau so gut die Frage stellen, ob man denn überhaupt davon bedroht sein kann. Getreu dem Motto, entweder bin ich behindert oder ich bin es eben nicht. Fertig. Wie definiere ich jetzt also dieses „davon bedroht“? Oder kann ich mir das jetzt aussuchen?

Bin ich bereits von Behinderung bedroht, wenn ich mir den Fuß breche? Eigentlich bin ich in dem Moment, in dem mein Fuß durch ist nicht in der Lage selber, ohne irgendwelche Hilfsmittel, zu laufen. Konkret würde das dann ja eigentlich heißen, dass ich doch schon behindert bin. Passiert isses ja nun schon mal, der Knochen überlegt sich ja nicht noch kurz ob er vielleicht doch lieber wieder schnell zusammenwächst.

Oder geht das dann in dem Fall eher in die Richtung, dass man davon ausgeht, dass der Fuß theoretisch ordnungsgemäß zusammenwächst. Aber die Möglichkeit, während dem Heilungsprozess, besteht, dass der Knoch nicht richtig zusammenwächst oder durch eine OP Nerven schaden nehmen könnten, was dann wiederum bedeuten könnte, dass ich den Fuß eventuell nicht mehr gebrauchen kann.Weil ich z.B. nicht zur Physiotherapie gegangen bin, weil ich keine Lust drauf hatte.

Aufgrund eines gesundheitlichen Vorfalles, also ein ein Schaden entstehen könnte, der dazu führen könnte, dass ich eingeschränkt und in meinem selbstsändigen Tun behindert bin. Also eigentlich ein Folgeschaden einer Verletzung oder Krankheit, der aufgrund von verschiedenen Einflussfaktoren, auftreten könnte, der dann noch viel schlimmer ausfällt, als die Ursprungsursache.

Um so länger  ich darüber nachdenke, was man da jetzt eigentlich genau darunter versteht, schreit eine Frage, immer lauter, in meinen Kopf: sollte ich als HEP nicht eigentlich wissen was genau unter „von behinderung bedroht“ gemeint ist? Ehrliche Aussage? Vermutlich sollte ich es wissen, tue es aber ganz und gar nicht. Was zum Teufel habe ich eigentlich in der Ausbildung gelernt? Zum Glück studiere ich jetzt, vermutlich hätte ich mir diese Frage sonst niemalsnienicht gestellt.

Also begebe ich mich auf die Suche nach einer genauen Deffinition. Und tada, google.de spukt einem da tatsächich noch was aus. Aha. Wissenschaftliche Artikel! Naja eigentlich will ich da keinen Forschungsbericht lesen sondern eine simple definition.

Aha. Noch besser. Auf der Seite des Sozialgesetzbuches lande ich schneller als ich schauen kann bei der Begriffserklärung. Hätte man mir vielleicht auch mal gleich sagen können. Muss ich mir merken, dass es da eine Seite gibt, in der Begriffe genau geklärt sind.

Laut der Begriffserklärung des SGB (https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbix/2.html) wird „von behinderung bedroht“ folgendermaßen beschrieben:

(1) Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.

Summa summarum heißt das also, ich komme auf den gebrochenen Fuß zurück, dass man mit einem gebrochenen Fuß dann von behinderung bedroht ist, wenn die Heilung (vielleicht ist es ja ein komplizierter Bruch) länger als 6 Monate braucht bzw. nicht zu erwarten ist, dass es vor diesen 6 Monaten wieder gut ist und ich dadurch darin gehindert bin, so am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen wie ich das gerne eigentlich hätte oder es erwartet wird. Okay. Ich glaube jetzt hab ichs kapiert.

Es muss also was kaputt sein, dass mich mindestens 6 Monate in schach hält und nicht wieder ganz wird, um als bedroht zu gelten.

Ich frag trotzdem nochmal unseren Rechtdozenten ob ich damit richtig liege. Ob du wirklich richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht!

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