Illusion? Aber ich wollte doch Klartext..

In letzter Zeit erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich das Handy in der Hand halte, den Chatverlauf mit dem Einjahresdate öffne und darüber nachdenke ihm etwas zu schreiben.

Mich dann aber  eines bessern besinne, das Handy wieder weglege und es gut sein lasse. Wüsste nicht mal was ich ihm eigentlich schreiben sollte. Habe ihm wohl gerade nichts mitzuteilen. Also warum dann irgendwas aus der Nase ziehen?

Zugegebenermaßen beschäftigt mich das ganze Thema wohl doch mehr, als ich ursprünglich dachte, dass es das tun würde. Vermutlich realisiere ich mittlerweile die Reichweiter des ganzen.

Vorallem die Reichweite der Klartextnachricht. Aber war Klartext nicht genau das was ich eigentlich immer wollte? Wenn ich darüber nachdenke, dann eigentlich schon. Aber unter Klartext hatte ich mir einen anderen Klartext vorgestellt.

Dieser Klartext bedeutet nicht mehr und auch nicht weniger, als dass  im Moment nichts draus werden wird. Jetzt nicht. Morgen nicht. Und vermutlich in ein paar Monaten auch nicht. Was in einem Jahr ist, vermag ich nicht zu wissen und ist das auch auf einem anderen Blatt Papier geschrieben. Will ich mir auch keine Illusionen dazu machen. Zumindest nicht mehr.

Illusionen habe ich mir wohl schon zu lange gemacht. Illusionen dahin gehend, dass ich glaubte, es könnte etwas ernsthaftes draus werden. Illusionen darüber, dass es gut läuft und alles einen positiven Weg nehmen würde. Mit diesem einen Schlag, mitten ins Gesicht, hatte ich nicht gerechnet, so trüb war der Blick, wegen der Illusion. Die Deckung aber schon lange runter genommen.

Vielleicht leide ich doch ein bisschen unter einer Form von Liebeskummer. Zwar vielleicht an einer etwas abgeschwächten Form davon. Gleichzeitig will ich es aber nicht wahr haben, dass alle Mühe umsonst gewesen sein könnte. Die Mauer wieder hochgezogen, das Rollo runter gelassen.

Die kaum durchdringliche Dekung wieder hochgezogen. Aus Angst, vom nächsten verletzt zu werden, bei dem ich auch nur anfangen könnte, diesen zu mögen.

Womit ich mich aber, so denke ich, Kopfüber in die nächste Illusion verabschiede. Die Illusion, dass sich vielleicht doch alles noch in eine positive Richtung, mit dem Einjahresdate, entwickeln könnte. Woraufhin ich mich selbst wieder zur Vernunft rufen muss. Denn weiß ich nicht, ob es das jemals wird.

Mich selbst wieder zur Vernunft rufen muss, los zu lassen. Mein Leben so zu leben, wie ich das möchte. Und nicht alles abhängig mache, von einer einzigen Person. Zumal das eigentlich völlig untypisch für mich ist. Untypisch, alles von einer Person abhängig zu machen und zu glauben, nur mit dieser einen Person kann es klappen.

Neige ich für gewöhnlich dazu, grundsätzlich mein eigenes Ding durchzuziehen. Neige ich für gewöhnlich dazu, die blanke Panik zu bekommen, sobald ich das Gefühl habe, dass jemand versuch mich zu sehr an sich zu binden. Regelrecht die Flucht ergreife. Der Eigenbrötler. Typisch Wassermann? Vermutlich, wenn man an Astrologie und Sternzeichen glaubt.

Aber diesmal scheint alles irgendwie anders zu sein. Hätte es tatsächlich sein können, dass ich da den richtigen Deckel, bis ans Ende meiner Tage gefunden hätte. Hätte dieser Deckel nicht spontan die Kurve geratzt, die Kriese bekommen und die Flucht ergriffen. Was eigentlich eher eine typische Verhaltensweise für mich ist.

Es wäre aber ehrlich gesagt auch zu schön gewesen, endlich denjenigen gefunden zu haben, der passt. Wie die Faust aufs Auge. Bis ich umfalle und ins Gras gebissen hätte. Würde ich an Schicksal glauben, würde ich jetzt behaupten, dass Schicksal meint es nicht gut mit mir und veräppelt mich. Vielleicht ist es auch Schicksal. Wer weiß das schon.

Oder klammere ich mich zu sehr an eine recht trübe Vermutung und Hoffnung, die mich daran hindert, mich auf jemand anderen einzulassen? Möglich wäre es. Zumindest in den Phasen, in denen ich wieder mit dem Handy in der Hand darüber nachdenke eine Nachricht zu verfassen.

Immer wieder werde ich  das Gefühl nicht los, einen guten Freund verloren zu haben. Das Einjahresdate regelrecht zu vermissen und eine gewissen Leere wahrzunehmen. Als hätte man mir irgendwas weggenommen, dass mir wichtig war.

Ja er war mir wichtig. Er ist mir eigentlich auch immer noch wichtig. Und ich würde ihm gerne helfen. Kann es aber nicht, solange er mir nicht sagt was los ist. Kann ihn aber auch nicht zwingen, lediglich meine Hilfe kann ich anbieten.

Nach einiger Zeit überkommt mich wieder eine andere Phase. Die Ichbrauchdasallesnicht Phase. Der Moment in dem ich mir denke, ich brauche keinen Kerl, ich genieße mein Leben und binden lass ich mich schon gleich gar nicht. Und wenn ich an manch einen Partnerstress denke, bin ich wieder froh, mir das nicht antun zu müssen.

Mein eigener Herr zu sein. Niemand der meckert ich hätte irgendwas nicht gemacht, was ich hätte tun sollen. Niemand der jammert, ich würde mehr Zeit in Studium und Hobbys stopfen, nur nicht in die andere Person. Niemand der mir vorwirft ich wäre egoistisch und würde nur an mich denken.

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