Doch, ich nehm das persönlich!

„Nimm das jetzt nicht persönlich, das ist jetzt auch nicht böse gemeint. Aber….das hast du nicht beachtet, das hast du auch null aufgenommen. Xy habe ich dir auch gesagt. Und inhaltlich ist dein Teil echt naja, nicht so der Burner. Die Einleitung musste ich auch noch vervollständige. Und den Schluss auch. Deinen Teil konnte ich jetzt nicht überarbeiten, ich habe auch noch andere Sachen zu tun. Überarbeite deinen Teil bitte nochmal selber!“

Alles klar, Studienkollege ist also tatsächlich die beleidigte Leberwurst schlecht hin. Sein Taktgefühl ist ihm abhanden gekommen und stattdessen Vorwürfen gewichen.

Läuft bei dem. Tip Top. Da macht die ganze Gruppenarbeit, die ich sowieso nicht leiden kann, doch gleich viel mehr Spaß!

Für wie voll ich die Aussagen des Studienkollegen nehmen kann, ist mir noch nicht ganz schlüssig, halte es aber nur bedingt für konstruktive und gerechtfertigte Kritik. Mal ganz davon abgesehen, dass auch er mir wohl nicht ganz zugehört hat, nachdem ich ihm bereits gesagt hatte, dass mir aufgefallen ist, dass noch was fehlt und ich es Zeitnah bearbeiten werde.

Eigentlich sollte ich es einfach ingorieren, muss mich aber trotzdem drüber aufregen. Wochenlang bekommt er seinen Arsch nicht vorwärts, dann lässt er aber den übermotivierten Schlauberger raushängen, der alles besser kann. Warum schreibt er den Mist nicht einfach gleich alleine, wenn er es so gut kann?

Natürlich schwingt da eine gewisse emotionale Energie mit. Weil es mich in meinem Ego erwischt. Schließlich werde ich hier in meinen Fähigkeiten kritisiert, eine behämmerte Zusammenfassung zu schreiben. Zugegebenermaßen ist meine Kritiktoleranz derzeit auch äußerst gering und ich kann Kritik nur bedingt annehmen.

Jahrelang musste ich in der Ausbildung Hilfeplanähnliche Berichte abliefen, deren Umfang weitaus größer war, als die der Studienarbeit. Seit Jahren setzte ich mich mit Zielformulierungen, Maßnahmeplänen und Co. auseinander.

Und dann kommt da so ein Hanswurst ohne Berufserfahrung an, der mir sagt, 8 Seiten wären inhaltlich völlig beschissen. Du mich auch. Danke fürs Gespräch, nachts um 2.

Was mich an der ganzen Geschichte eigentlich am meisten Aufregt ist, dass sich mir der Sinn hinter dieser Forschungsgeschichte nicht ganz erschließ, im Sinne von „wozu muss ich als Sozialpädagoge denn bitte, in meiner alltäglichen Arbeit AM MENSCHEN, Forschung betreiben!“

Für den Teilbereich Sozialforschung gibt es sogar ein eigenes Studium. Und hätte ich den Plan verfolgt, Forschung betreiben zu wollen, hätte ich diesen Studiengang gewählt. Hab ich aber nicht, weil ich keinerlei Interesse daran hege, selbst in die Forschung zu gehen. Punkt.

Logisch klingt für mich zwar, schon mal davon gehört oder einen groben Plan davon zu haben, wie sowas funktoniert. Aber auch nicht mehr und nicht weniger. Mit der Forschungsgeschichte habe ich selbst schon im ersten Semester abgeschlossen und meine Schwerpunkte auf andere Themenbereiche gelegt.

In der Forschung verfolge ich lediglich das Ziel: Hauptsache das Modul bestehen, selbst wenns mit ner 4 passiert. Solange der Rest passt.

Meiner Meinung nach wäre die Zeit, die in die Forschungskiste gesteckt wird, wesentlich besser darin investiert gewesen, sich mit der Thematik des Hilfeplanverfahrens und Co. auseinander zu setzten. Im Sinne wie wird das geschrieben, welche Inhalte müssen drin sein, Fromulierung von Maßnahmen und Zielen und so weiter und so weiter.

Das wird allerdings, wieder mal, mehr nebensächlich behandelt. Nach dem Studium wird man dann ins kalte Wasser geschossen. Es wird erwartet, dass man die ganze Pläne korrekt schreiben und ausformulieren kann. Man selbst sitzt dann da und fragt sich was man da eigentlich tun soll.

Habe ich ja noch das Glück, auf meine vorausgegangen Ausbildung zurück zu greifen. In der ich viel mit der Ausarbeitung von Zielen/Zielformulierungen und Maßnahmen und deren Ausformulierung zu tun hatte. Und auf eine entsprechende Berufserfahrung, die es mir möglicherweise erleichtert.

Anderen wird es da  aber womöglich schlechter ergehen. Die eben nicht auf sowas zurückgreifen können.

Darüber hinaus ärgere ich mich einfach völlig darüber, dass Studienkollege auf die Schiene „Ich hab noch so viel anderes zu tun“ überschwappt. Alles klar, ich hab nebenzu nichts anderes zu tun? Alles klar.

Ich sitze also den lieben langen Tag auf dem Sofa und tue nichts. Beim Arbeiten schlafe ich oder trinke Kaffee und lese Zeitung. Alles klar. Tolles Bild von meinem Leben.

Auf die Schiene lasse ich mich aber nicht ein. Obwohl ich durchaus überlegt habe ihm meine Meinung zu geigen. Ihm zu sagen, dass er sich garnicht so anstellen braucht und kein Mitleid von mir zu erwarten hat.

Andere Menschen auch noch ein Leben haben, nicht nur er. Und keine entspannte Kugel in Hotel Mama schieben, kein BaföG beantragt haben und sich mit der Arbeit nebenher nicht nur ein kleines Taschengeld zum versaufen verdiehnen, sondern damit ihren gesamten Lebensunterhalt finanzieren müssen.

Inzwischen bin ich in einem ziemlichen „du kannst mich mal“ Modus angekommen. Würde mir mein Gewissen da nicht dazwischen funkten, den Studienkollegen mit in die schlechte Note zu ziehen, würde ich das ganze genau so abgeben wie es steht.

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