Obs richtig war….

Es gibt Tage, an denen denke ich an meine erste Ausbildung zurück. Und frage mich dann, was eigentlich aus mir geworden wäre, hätte ich das ganze durchgezogen.
Damals, mit 18 und gerade mit der Schule fertig, bildete ich mir ein, ich würde unbedingt eine Ausbildung in der Hotelerie machen müssen. Mein Zielobjekt der Ausbildungserfolgsgeschichte: Köchin.

Ich hatte sogar richtig große Ziele. Sterne bekommen. Im Ausland arbeiten. Vielleicht auch mal auf ein Kreuzfahrtschiff. Wobei ich das mit dem Schiff mit der heutigen Erkenntniss sofort revidieren werde, ich werde nämlich ziemlich schnell seekrank.
Köchin zu werden erschien mir ziemlich cool.

Bodenständig und soliede. Überhaupt nicht zu vergleichen mit einem Praktikum und eine darauffolgende Ausbildung in dem Bereich. Ich möchte zuerst was gescheites lernen. Woraufhin ich eine Praktikantenstelle in einem Wohnheim für geistig Behinderte Menschen ausschlug. Sozialfutzi könnte ich später auch noch werden, wenn mir danach wäre.

Hotelfachfrau war auch aus dem Raster gefallen. Nicht das richtige für mich. Laut meinem Selbstbild passte ich nicht wirklich in das Klische einer Hotelfachfrau. Und schon gar nicht in einen Hosenanzug gesteckt, an eine Rezeption im 5 Sterne Luxusschuppen.

Man wird nicht glauben, wie schwierig es ist, mit der mittleren Reife, eine Lehrstelle als Köchin zu bekommen. Gut über 30 Bewerbungen habe ich damals rausgeboxt. Bei einigen Stellen wurde ich nicht mal zum Vorstellungsgespräch oder Probearbeiten eingeladen.

Grund: Schulabschluss zu hoch. ODER Jemand anders war beim Probearbeiten besser. ODER Wir wollen lieber dem jungen Mann mit dem Hauptschulabschluss die Chance geben, sie mit ihrer mittleren Reife haben auf dem Markt wesentlich bessere Chancen.

Um so länger die Suche nach einer Lehrstelle gedauert hat, desto mehr war ich damals dazu geneigt, den Personaler ihr „Viel Erfolg bei der weiteren Suche.“ sonst wo hinzuschieben.

Selbst mein Klassenlehrer hat mich damals, gelinde gesagt, für Verrückt erklärt. Wie ich auf die Idee kommen würde, Köchin werden zu wollen. Wo mir doch so viele andere Möglichkeiten offen standen. Aber erst später habe ich realisiert, dass er recht hatte.
Aber was aus mir geworden wäre, dass erfahre ich nicht mehr.

Vielleicht hätte ich es auf ein Kreuzfahrtschiff geschafft. Vielleicht hätte ich irgendwelche Sterne bekommen. Vielleicht hätte ich auch in irgendeinem Luxusrestaurant gearbeitet und wäre Küchenchef geworden. Wie auch immer.

Geschlagene drei Monate habe ich es ausgehalten. Dann der Schlag. Falsche Welt und falsche Berufswahl. Durchziehen wollte ich es zu erst. Habe dann aber immer mehr merken müssen, dass wird nix. Egal was ich tue. Egal ob ich mich auf den Kopf stelle oder Salto schlage. Es wird nix.

Die Vertragsauflösung folgte. Ich räumte mein Personalzimmer. Stopfte alles in meinen kleinen Polo. Am letzten Abend, nach dem Dienst, froh drum den Alptraum endlich verlassen zu können, zu dem alles mit der Zeit geworden war. Aber was tust du dann? Da stehst du, hast deine Ausbildung gerade geschmissen.

Du stehst zusammengefasst vor dem nichts. Juhu, du hast einen Schulabschluss. Das ist ja auch nicht immer selbstverständlich.

Aber das bringt mir auch nur was, für den Einstieg ins Ausbildungsleben. In 10 Jahren interessiert das doch keine Menschenseele mehr. Da wird von dir erwartet, dass du eine abgeschlossene Ausbildung hast. Dazu am besten noch 20 Jahre Berufserfahrung.

Genau so wird aber erwartet, dass du im Jugendalter schon entscheidest, was du später Beruflich dein ganzes Leben lang machen willst. In so jungen Jahren eine Entscheidung darüber zu fällen, wie deine berufliche Zukunft, bis zur Rente, läuft. Wunderbar, da muss man doch mit einer gewissen Abbruchrate rechnen.

Zumal heutzutage, so empfinde ich das zumindest, nicht mehr jeder bis zur Rente den Beruf ausführt, den er mal gelernt hat.

Gibt es doch inzwischen genügend, die eine Umschulung machen. Quereinsteiger. Andere wiederum fangen nochmal an zu studieren. Wie auch immer.

 

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