Wie wollte ich wohnen und wie wohne ich wirklich.

In junge Jahren,  mit 16 oder 17, habe ich es  geliebt durch das schwedische Möbelhaus zu schlendern und mir auszumahlen wie ich einmal meine Wohnung einrichten werde.

In meinem jugendlichen Leichtsinn habe ich mir immer vorgestellt, ich würde später mal in einer großen und hellen Wohnung mit Laminat leben. Mit einem Balkon und einem  großen schönen Bad in dem eine Badewann steht.

Irgendwann folgte dann eine längerfristige Beziehung und eine gemeinsame Wohnung kam ins Spiel. Eine Wohnung, wie ich sie mir in meinen Träumen eigentlich immer ausgemalt hatte. Hell, groß mit Balkon, Lamit und Badewann. Schön eingerichtet und gemütlich.

Vor 2 1/2 Jahren folgte  das Beziehungsaus. Und dann stehts du plötzlich, mit deinen drei Kisten Klamotten, in einer gefließten 40 qm Kellerwohnung. Größentechnisch das genaue gegenteil von dem was du dir immer vorgestellt hast. Und Einrichtungsmäßig sah es alles andere als nach Ikea aus. Eigentlich hatte ich gar keine Möbel.

Außer meinem Bett aus meinem Jugendzimmer, einem über 30 Jahre alten Sofa das übrig war und sonst auf dem Wertstoffhof gelandet wäre, einem Fernseher den ich gegen ein Bett getauscht hatte und einem Kleiderschrank der mir aus reinem „Der passt nicht zu meiner neuen Einrichtung“ vom verflossen überlassen wurde, hatte ich rein gar nichts. Prima. Das Geld um mir eine komplett neue Einrichtung zu kaufen hatte ich auch nicht.

Aus reinem Mitleid, das arme Mädel hat gar keine Möbel, wurden mir  von meinem näheren Bekanntenkreis Möbelstücke überlassen, die man entbehren konnte. Allerdings zweifle ich mittlerweile nicht mehr daran, dass ich als Zwischenabladestation vor dem Wertstoffhof gedient hatte. Natürlich ist es wesentlich einfacher, wenn das Zeug abgeholt wird und man es selber nicht mehr entsorgen muss.

Dann saß ich da also, bis vor einem Jahr, in meiner 40 qm Wohnung mit massig Möbeln, die mir entweder nicht gefallen haben, Platz blockierten weil sie nicht genutzt wurden oder kurz davor waren gänzlich den Geist aufzugeben. Der Wohlfühlfaktor gen -100.

Vielen ist es oft auch gar nicht bewusst, wie schnell man auf 40 qm eigentlich ein Platzproblem bekommt und frage noch fünf mal ob man Schrank xy nicht gebrauchen könnte. Geschweige denn wie stark sich sogar die Einrichtung auf Wohlbefinden und Laune auswirken können. Denn mir ist es ehrlich gesagt NICHT egal, was in meiner Wohnung rum steht.

Aus reiner Unzufriedenheit hat mich irgendwann der Rappel gepackt und  meine halbe Einrichtung hat den Laufpass auf den Wertstoffhof bekommen. Sämtliches Pflichtgefühl über Bord geworfen, dass die Bekannten es ja nur gut gemeint hätten. Sämtliche Ratschläge „du könntest das doch vielleicht doch noch brauchen.“ oder „vielleicht möchtest du doch mal irgendwann an einem Esstisch essen.“ in den Wind geschossen.

Inzwischen habe ich es tatsächlich fertig gebracht, EBay-Kleinanzeigen und diversen Möbelhausangeboten sei Dank, sowohl die 40 qm gut auszunutzen aber auch sämtliche Möbel die mir nicht mehr gefielen zu entsorgen. Jetzt kann man es recht gut aushalten.

Manchmal höre ich mich selber Meckern, über Luxusprobleme wie Badewannen oder Abstellräume die ich nicht habe. Manchmal auch wie schön damals die Tiefgarage eigentlich war. Kommentare wie „Dann such dir doch ne größere Wohnung“ würge ich mittlerweile ganz gut ab.

Denn sind wir mal ehrlich, wozu brauche ich als Einzelperson eine größere Wohnung? Sind wir doch mal ehrlich! Aber auch der Geiz flüstert mir oft genug ins Ohr, dass ich eigentlich recht günstig lebe und mehr Miete gar nicht zahlen möchte. Weil wenn wir ehrlich sind, möchte ich noch irgendwann und irgendwie leben. Und nicht nur arbeiten gehen um meine Miete und mein Auto zu bezahlen. Denn das macht wirklich am wenigsten Sinn von allen Dingen für die ich mein Geld so ausgebe.

 

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