Emotionen und Verletzungen

Da steht er plötzlich vor dir. Grinst dich an und tut so als wäre nie etwas gewesen. Er fragt wie es geht. Sagt ich hätte mich  sehr verändert. Ich sähe plötzlich so anders aus. Der Meinung bin ich nicht. Eitel war ich schon immer, gerade was meine Frisur anbelangt.

Ich grinse nur doof. Innerlich explodiere ich aber beinahe vor Hasse und Wut. Möchte ihm einfach ordentlich eine mitgeben. Vielleicht hilft es ja, endlich von Hass und Wut weg zu kommen.

Er erzählt irgendwas von wir wären doch immer noch Freunde. Ich höre gar nicht mehr richtig zu. Wir sind gar nichts. Und er scheint nicht zu verstehen, dass ich mit ihm nichts mehr zu tun haben möchte.

Erinnerungen von früher flammen in meinen Gedanken auf.  Gedanken und Bilder sausen an meinem inneren Auge vorbei. Emotionale Verletzungen. Verbale Attacken. Streitereien bei denen wir uns beinahe die Köpfe einschlugen. Eifersucht. Lügen. Entscheidungen die über meinen Kopf hinweg getroffen wurden. Kontrollsucht. Besserwisserei. Machogehabe. Adonis auf Anabolika. Klischeedenken.

Alte Wunden scheinen gerade regelrecht aufzubrechen. Innerlich schreie ich vor Schmerz. Ich krümme mich innerlich vor Schmerz. Möchte weglaufen. Weit weg. Hauptsache weg von ihm. Trotzdem stehe ich da und grinse dümmlich.

Hinter ihm steht die neue Flamme, mit fettigen Haaren und wirkt ungepflegt. Während sie den Kinderwagen vor und zurück schiebt, starrt sie mich mit bösen Augen an. War sie nicht damals diejenige die Intregiert hatte?

Immer versucht hat, alles Kaputt zu machen und es letztlich auch geschafft hat? Es geschafft hat, dass ich nur noch Hass und Ekel empfinde? Es geschafft hat mich zu vertreiben? Und jetzt werde ich von ihr gehörnt? Nein. Das lass mal bleiben.

Drehe mich um. Sage ich muss weiter, hätte noch sehr viel zu tun und keine Zeit für einen Plausch. Die Umarmung wehre ich bestimmt, mit flackernden Augen, ab.

Im Auto drehe ich die Musik laut. Will nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Versuche mit Metal den Schmerz und die aufgebrochenen Narben zu übertünchen. Es fühlt sich an, als würde man mit eiserner Hand Herz und Seele zusammenquetschen. Was mir die Luft zum atmen nimmt. Was zur folge hat das ich rot anlaufe und die Tränen nur so über die Backen strömen, wie ein reißender Fluss wenn die Schneeschmelze einsetzt.

Und dann wird mir klar warum ich mich angefangen habe von Kumpeldate zu distanzieren. Dann wird mir klar, warum ich aus lauter Wut seine Handynummer aus den Kontakten gelöscht habe. Ich hatte Angst er könnte es überstürzen. Noch mehr hatte ich Angst davor, er könnte mich eben so verletzen wie der Verflossene.

Hatte Angst davor, dass das Kumpeldate genau so ein aufgeblasener, gefühlloser Macho sein könnte. Dem es Freude bereitet mir seelischen Schmerz zuzufügen.

Und dann weicht der Schmerz einem anderen Schmerz. Die Tränen laufen weiter über das heiße Gesicht. Merke das ich Kumpeldate vermisse. Das er doch anders ist. Seit langem sich das Gefühl breit gemacht hat, jemand würde mich beschützen. Auf mich aufpassen. Mir nicht wehtun wollen. Mir zuhören und mich einfach in den Arm nehmen, anstatt lang drüber zu diskutieren.

Und ich kann es ihm nicht mal sagen. Habe es mir selber vergeigt. Habe es mir selber kaputt gemacht. Aus Angst verletzt zu werden. Weil mich meine Vergangenheit schneller eingeholt hat, als ich das wollte. Und mich regelrecht überrollt hat.

 

 

 

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