Warum ich mich weiger(t)e Hochzeiten zu fotografieren

Als ich vor einigen Monaten von einem befreundeten Paar erfuhr, dass sie heiraten werden, wurde mir mitunter der Vorschlag, ich könnte ja dann die Hochzeitsbilder machen, unterbreitet.

Diesen Vorschlag oder das Angebot lehnte ich damals aber dankend, mit einem schiefen etwas unsicherem Lächeln, ab und verwies auf eine Freundin und Fotokollegin, die Hochzeiten fotografiert und das auch wirklich kann. Denn zu diesem Zeitpunkt habe ich mir eine Hochzeit NICHT zugetraut.

Warum ich abgelehnt habe?

Ich fotografiere gerne und mir macht das auch wirklich Spaß. Ein bisschen Filter hier, ein wenig Langzeitbelichtung dort. Ach nichts geworden, mach nochmal und änder die Einstellung ein bisschen ab.  In der Landschaftsfotografie ist das alles gar kein Thema. Vergeigst du ein Bild, machst du es einfach nochmal.

Beim Thema Hochzeitsfotografie werde ich dann etwas nervös und bekomme schon fast schwitzige Hände. Mit Hochzeitsfotografie habe ich gleich gar keine Erfahrungen. Es ist nicht das Shooting des Brautpaars, dass mir Angst einjagt. Auch nicht die Dokumentation der Feierlichkeiten. Am meisten „Angst“, wenn man das so bezeichnen kann, jagt mir tatsächlich die Zeremonie an sich ein.

Meistens findet die Zeremonie in einem Raum, in dem die Lichtverhältnisse nicht sonderlich gut sind, statt. Du musst also irgendwie mit sämtlichen technischen Mitteln deiner Kamera arbeiten um trotzdem ein gutes Bild zu fabrizieren, welches nicht über- oder unterbelichtet ist oder im schlimmsten Fall sogar verwackelt.  Und das Schlimmste: Du hast nur EINEN Versuch, das Bild ordentlich in den Kasten zu bekommen. Einen zweiten gibt es nicht!

Es muss schnell gehen und gleichzeitig ein gutes Foto dabei raus kommen. Langzeitbelichtung mit Stativ und Fernauslöser, eher Fehlanzeige. Und genau da liegt für mich der Hund begraben. Ich traute es mir damals einfach nicht zu.

Wie stehe ich heute dazu?

Inzwischen hat sich an  der Einstellung folgendes Geändert: Um so länger man sich mit der Thematik auseinandersetzt, desto weniger schwer erscheint es einem irgendwann. Und man beginnt sich damit zunehmend auseinander zu setzten, sich zu informieren und  sich vielleicht auch mit dem Gedanken anzufreunden, vielleicht doch mal auf einer Hochzeit mit der Spiegelreflex herumzugeister.

Was aber immer noch bleibt ist die Aufregung, vielleicht auch die Angst davor, völlig zu verkacken und kein einziges gutes Bild zu fabrizieren.

Ein Gedanke hat sich Festgefressen

Ein Gedanke hat sich bei mir massiv Festgefressen: Wenn ich im Automatikmodus fotografiere, neigen die Bilder dazu, leicht über- oder unterbelichtet zu sein. Weiter verändert mir die Kamera (zumindest meine) im Automatikmodus in der Werkseinstellung nicht wirklich was am ISO, sondern geht eher auf Blende und Belichtungszeit.

Was wiederum bedeutet, dass mir die Kamera mitunter auf die Idee kommt, die Belichtungszeit auf eine 60tel Sekunde herunter zu brechen, anstatt erst am Iso herum zu schrauben. Was ohne Stativ und aus der Hand heraus für mich heißt, dass Bild wird verwackelt und unscharf.

Meiner Erfahrung nach, ist sogar eine Belichtungszeit von einer 80tel Sekunde (aus der Hand ohne Stativ) schon grenzwertig. Weshalb ich im Normalfall, nur bis zu einer 100stel Sekunde aus der Hand fotografiere und bei allen Werten die darunter sind, auf ein Stativ und Selbstauslöser zurückgreifen, damit an der Kamera ja nichts wackelt.

Wie machen das also die ganzen Hochzeitsfotografen, die seit ewigen Zeiten in der Hochzeitsszene unterwegs sind? Was machen die da denn dann anders? Haben die das Problem nicht? Verändern die da irgendwas an ihrer Kamera, von dem ich nocht nicht weiß das es diese Einstellung gibt?

Manuell nicht immer gefragt.

Aber sind wir mal ehrlich? Bei der Zeremonie geht es doch oft schlag auf schlag. Und als Fotograf musst du gefasst sein, jeden tollen Moment irgendwie im Kasten einzufangen, auch wenn dieser Moment nur wenige Sekunden anhält. Mit der Erwartungshaltung, dass dabei ein schönes Foto geschossen wird.

Bei der Zeremonie habe ich also als Fotograf  keine zweite Chanke auf DEN Augenblick. Es muss beim ersten mal Klappen. Was Schlussgefolgert wiederum bedeutet: Ich habe bei der Zeremon keine Zeit ewig zu belichten und auch keine Zeit ewig an den Einstellungen rumzufurwerken.

Wenn der Moment vorbei ist, ist er vorbei. Und entweder habe ich das Bild im Kaste oder eben nicht.  Oder hat schon mal jemand, den Fotografen in der Kirche rufen hören „Halt! Das Bild ist nicht gut, wir müssen da nochmal mit einer anderen Einstellung ran! Nochmal auf Anfang!“ Ich bezweifle es ja.

Was für mich logischerweise bedeutet, ich muss doch auf Automatik zurück greifen. Aber was zum Henker machen denn die anderen Fotografen in so einer Situation? Und wie bekommen die eine anständige Belichtung auch im Automatikmodus hin?

Dank netter Menschen, die ihr Wissen auf Youtube in einem Anleitungsvideo mit der Welt teilen, weiß ich nun mittlerweile auch, wie ich meine Camera daran hindern kann, ein total blöd belichtetes Bild zu fabrizieren.

Letztlich habe ich, dank eines Videos herausgefunden, mir ist das jetzt schon beinahe ein bisschen peinlich, dass man  die Camera so einstellen kann, dass  bestimmte Werte (in der Automatikfunktion) nicht über- oder unterschritten werden sollen. Und somit auf bestimmte Einstellungen zurückgegriffen wird, für die man manuell zu lange brauchen würde.

Die machen also doch was anders! Ich muss der Kamera also vorher einfach nur sagen was sie tun soll oder eben nicht. Und wenn ich es ihr nicht sage, dann macht sies halt irgendwie, in den meisten Fällen nicht so wie ich das möchte.

Mein Fazit

Ich freunde mich zunehmend mit der Idee an, mich auch mal an der Hochzeitsfotografie zu versuchen. Eine gewisse Restangst ist aber immer noch da. Weshalb ich immer noch hin- und hergerissen bin. Weshalb ich darüber nachdenke, einfach mal auf einer Hochzeit bei einem Fotografen, der schon Erfahrungen darin hat, mitzulaufen, damit ich a)mal üben kann b) gleichzeitig abgesichert ist, dass das Brautpaar trotzdem professionelle Fotos bekommt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s