Komische Zeiten

Inzwischen wird alles immer dubioser. Gut was heißt dubioser. Es fühlt sich einfach komisch an. Es fühlt sich komisch an, wenn man zum einkaufen geht und sieht, dass mittlerweile nicht nur die Klopapierregal leer sind, sondern auch die Vorräte an H-Milch in einigen Läden restlos ausverkauft sind.

Es ist einfach verrückt. Erst war es Klopapier und Seife. Dann ging es weiter mit Nudeln, Reiß und Konserven. Am Ende war dann wohl noch Geld übrig und man hat sich an der haltbaren Milch vergriffen. Ewig ist die übrigens auch nicht haltbar.

Mittlerweile spekuliere ich sogar darüber, kurzzeitig, wieder in den nächsten REWE zu fahren. Das letzte mal als ich dort war, schien dieser von den ganzen Hamsterkäufen am meisten verschont geblieben zu sein. Allerdings ist das jetzt auch wieder gut eine Woche her.

Bei Aldi sitzen die Verkäuferinen inzwischen in Plexiglaskästen. Schlag auf Schlag. Zuerst das Klebeband am Boden um Abstand zu halten. Dann die Kassiererinnen die nur noch mit Gummihandschuhen Geld entgegen nahmen. Einen Tag später saßen sie hinter Plexiglas.

In einem Geschäft neben an, musste man das Geld in ein Plastikschälchen legen und der Verkäuferin entgegen schieben, die dann das Geld (ohne Handschuhe) entgegen nahm. Selber Tag, zwei Geschäfte, zwei völlig unterschiedliche Maßnahmen. Das Plastikschälchen kommt mir derzeit noch vor wie ein Spiel, dass sich Kinder ausgedacht haben um sich draußen die Langeweile zu vertreiben.

Im Dorf erwacht dafür aber plötzlich das Leben. Die Leute sind alle zu Hause und tummeln sich in ihren Gärten und auf ihren Balkonen. Unterhalten sich plötzlich mit den Nachbarn und man trifft beim Gang zur Bank plötzlich Menschen, bei denen man nicht mal wusste das die hier wohnen. Es wird zwar Abstand gehalten, dennoch wirkt das kleine Dorf plötzlich viel lebhafter als sonst.

Im Reitstall ist die Stimmung gedrückt. Vor dem Betreten der Stallungen führt der erste Weg in die Sanitäranlagen zum Händewaschen. Selbiges übrigens bevor man den Hof wieder verlässt. Noch finden Reitstunden statt.

Wie es nächste Woche aussieht? Das weiß keiner. Allerdings rechnet man damit, dass die Gruppenstunden ab nächster Woche erst mal nicht mehr stattfinden werden, nur noch Einzelunterricht. Was ab nächster Woche aber wohl täglich neu entschieden werden muss.

Mittags sprach Söder  für Bayern die Ausgangseinschränkung aus. Das öffentliche Leben wird noch weiter runter geschraubt und es kommt mir vor als wäre ich in meine Kindheit rückversetzt. Als die Geschäfte am Samstag schon um 12 zu gemacht haben. Es nur einen Aldi im Umkreis von gefühlt 20 km gab und Mama einem die Haare geschnitten hat.

Abends eine Whatsapp der Kollegin. Ein Foto von meinem „Passierschein“ für die Arbeit, sollte es zu einer völligen Ausgangssperre kommen. Es wurde schon vorgesorgt. Damit die Mitarbeiter der Wohnstätten zur Arbeit gelassen werden. Und ich sehe mich schon in einer Kontrolle, in der ich den Beamten den Zettel vorzeigen muss.

Werkstätten für Menschen mit Behinderung sind mittlerweile auch, für die nächsten vier Wochen, geschlossen. Was meiner Meinung nach überfällig war. Die Bewohner sind nun also zu Hause in der Wohngruppe. Nur drei der gesamten WG Belegschaft sind in der Wohngruppe geblieben.

Der Rest ist für mindestens 2 Wochen bei den Angehörigen, denn Angehörige haben vorübergehend Besuchsverbot in der Wohngruppe bekommen, ausser es liegt ein triftiger Grund vor. Wie z.B. Todesfall oder Sterbebegleitung. Kurzum, es darf keiner mehr rein und raus, ausgenommen dem Betreuungspersonal.

Das Positive an der ganzen Geschichte? Die nächsten vier Wochen keine Frühdienste. Die nächsten 4 Wochen keine geteilten Dienste. Find ich gut. Auch wenn mir bewusst ist, dass ich dafür regelmäßig 10 Stunden durcharbeiten muss. Und das bin ich schlichtweg nicht mehr gewöhnt.

Es fühlt sich auf gewisseweise gespenstisch an. Glaube aber inzwischen, dass sich die Natur gerade einfach rächt und sich selber hilft. Vielleicht wird einem in so einer Zeit auch einfach mal bewusst, wie gut es uns eigentlich geht. Was wir eigentlich alles haben und vielleicht auch mal drüber nachdenken, ob wir nicht vielleicht doch manchmal dezent dazu neigen zu übertreiben.

Memo an mich selbst:

  • Spülmaschine läuft wieder, selbst ist die Frau
  • Wohnung endlich wieder ordentlich, versuchen so beizubehalten und nicht wieder Chaos verursachen.
  • Süßkramschublade ist leer
  • Fahrrad noch abholen, keine Ausreden erfinden!
  • Mich einfach freuen weil ich es kann. Rein aus Prinziep.

 

5 Gedanken zu “Komische Zeiten

  1. Ich finde diese Hamsterkäufe ganz furchtbar. Wir haben jetzt von unserer Leitung ein Schreiben bekommen, mit dem wir entsprechend der Personenanzahl einkaufen können. So einen Dienstausweis haben wir jetzt auch, aber toi,toi,toi, bisher noch keine Kontrollen gehabt.
    Am meisten geht mir der Mundschutz auf die Nerven. Du kannst kaum atmen. Aber wir können noch froh sein, überhaupt welche zu haben. Bleib gesund!!!

    Gefällt 1 Person

    • Ich auch. Ich find es einfach schlimm. Das man vielleicht ein paar Vorräte hat ja, dass habe ich auch, ein paar Päckchen Nudeln z.B. Aber das was gerade abgeht, finde ich gerade völlig strange.

      Kontrolliert bin ich auch noch nicht geworden. Aber ich finde es komisch, wie leer die Straßen inzwischen sind. Fast die selben Zustände, wie wenn ich zur Frühschicht fahre. Und das zu den Zeiten, zu denen eigentlich morz was los ist.

      Einkaufen müssen wir zum Glück gerade nicht. Wir können gerade auf einen Lieferservice von einem Supermarkt bei uns zurück greifen. Da wird die Bestellung via Bestellformular und Mail an den Markt geschickt und am nächsten Tag kommt die Bestellung dann an. Bezahlt wird dann via Lastschrift, am Ende des Monats.

      Bleib auch du gesund!

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