Coronachaos

Mittlerweile würde ich kurzum behaupten, kotzt mit Corona mal so richtig an. Und ich wünsche mir, in manchen Situationen, den Tag herbei, an dem ich aufwache und alles ist vorbei. Alles ist wieder gut und normal.

Mein Alltag zu Hause verläuft meist wie gewohnt. Aufstehen, Kaffee kochen, rumeiern eventuell mich dazu aufraffen meine Wohnung aufzuräumen und zum Pferd gehen. Stall machen, Pony und Esel bespaßen, in der Sonne sitzen und Kaffee trinken, dabei freue ich mich einfach. Weil ich es kann.

Arbeitstechnisch kann ich mich eigentlich auch nicht beschweren. Die WG ist derzeit nur mit drei Bewohnern besetzt, zumindest das Erdgeschoss. Und wenn es nach mir ginge, könnte man gerne die 24 Stundenbetreuung und die Tagdienste weiter beibehalten. Auch wenn das bedeutet, dass man 10 h Schichten schiebt.

Insgesamt empfinde ich die aktuelle Arbeitssituation aber ganz angenehm. In den meisten Fällen heißt das für mich nämlich 2 Tage Arbeit, 1 Tag frei. Ein Bein reiße ich mir im Moment nicht aus. Da geht es anderen wahrscheinlich weit schlechter, als mir.

Viel schlimmer ist dafür das ganze drumherum, was gerade neben dem normalen Alltag passiert. Normal ist der Alltag in der WG sowieso schon nicht mehr wirklich, seit die Werkstätten geschlossen haben und die Ausgangsbeschränkung in Kraft trat. Aber man versucht das beste drauß zu machen. Irgendwie zumindest.

Täglich trudeln neue Mails mit neuen Infos und Auflagen ein, an die wir uns halten müssen. Auflagen werden zunehmen verschärft und man bekommt das Gefühl nicht los, dass sich die Lage zunehmend zuspitzt.

Einzelnen Bewohnern fällt inzwischen die Decke auf den Kopf. Eigentlich ist es nur einer. Es scheint ihm alles langsam zu viel zu werden. Knapp zwei Wochen hielt eine recht gute Laune an, mittlerweile kippt der psychische Zustand aber ins Negative. Und es kommen Züge zum Vorschein, die ich so von ihm nicht kenne.

Ich kann es ihm aber auch nicht verübeln. Jeden Tag sitzt man mit immer den selben Leuten auf einem Haufen. Der Alltag spielt sich nur noch innerhalb der Wohnstätte und auf der Terrasse ab. Einfach mal spazieren gehen fällt aus weil wegen ist einfach gerade nicht.

Als Mitarbeiter versuchst du das Beste drauß zu machen, kannst dir aber auch nicht ewig Bespaßungsangebote aus den Fingern ziehen. Wirst selber irgendwann kirre, weil dich die launischen Ausbrüche irgendwann zunehmend nerven kosten. Selbst wenn du es lange nicht persönlich nimmst, geht es irgendwann an die Substanz. Irgendwann beschleicht einen nämlich das Gefühl, egal was man tut, es ist nicht recht.

Zusätzlich bereiten mir aber noch etwas anderes Sorgen. Seit gestern ist bekannt, dass auch wir nun von Kurzarbeit betroffen sind. Um das Überleben des Betriebes zu sichern. Natürlich ist das irgendwie auch in meinem Sinne. Zum einen hatte ich eigentlich vor, noch länger dort zu arbeiten und einen sicheren Arbeitsplatz zu haben.

Auf der anderen Seite, wenn man mal überlegt, überlebt der Betrieb nicht, sitzen mit einem Schlag zig Menschen mit Behinderung auf der Straße. Haben plötzlich, von heut auf morgen kein zu Hause mehr. Was im grunde eine Fathale Konsequenz aus der Kriese wäre.

Andererseits bedeutet das für mich schlussfolgernd aber auch, nicht das ich etwas dagegen hätte kurzfristig etwas mehr frei zu haben, dass ich Verdienstausfälle verzeichne. In meinem Fall ist es aktuell nicht so schlimm. Weiß ich aus der Erfahrung heraus, dass ich auch mit etwa 500 bis 600 € weniger im Monat auskomme und mich über Wasser halten kann. Allerdings nicht ewig und auch nicht dauerhaft.

An diesem Punkt kommt mir dann folgender Gedanken: Zum Glück bist du Mieter einer kleinen Wohnung, die in der Miete nicht so teuer ist. Zum Glück habe ich keine andere Wohnung gefunden. Und zum Glück sitze ich gerade nicht in einer Wohnung die mich zwischen 500 und 600 Euro oder mehr Kostet. Das wäre vermutlich mein Ende gewesen.

Weiter kommt mir der Gedanken, zum Glück meinen Weg anders gewählt zu haben, als die meisten anderen in meinem Umfeld. Prioritäten anderst gesetzt zu haben und meinen Weg anders gegangne zu sein. Froh darüber noch keine Kinder in die Welt gesetzt zu haben, ich könnte ihnen momentan nicht viel bieten, was nicht heißen soll, dass es nicht irgendwann kommen wird.

Man wird sehen, was die Zeit bringt. Die Wege des Schicksals konnte ich noch nie richtig nachvollziehen.

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