Verwirrend

Vorgestern entglitten mir regelrecht die Gesichtszüge, als ich die Mail zum Thema Kurzarbeit, in der Arbeit las. Hätte ich ja nie gedacht, dass es uns jemals mit Kurzarbeit treffen würde. Hatte ich mit allem gerechnet, aber nicht damit.

Bis gestern abend habe ich mir darüber auch noch nicht groß Gedanken gemacht. Bis die Whatsapp mit dem neuen, zum 6ten mal, überarbeiteten Notfalldienstplan bei mir eintrudelte. Wegen Kurzarbeit wurden alle Dienste ab 12 Uhr gestrichen. In folge dessen, habe ich nun bis einschließlich Freitag frei.

Ab Samstag geht es dann wieder los. Wegen fehlendem Nachtdienst, hat sich mein Dienst sowohl Samstag als auch Sonntag von 9 auf 8 Uhr vor verlegt. Und ich feiere einsam und alleine mit drei Bewohnern Ostern.

Nicht das es alleine nicht machbar wäre. Allerdings ist es sehr Anstrengend 10 h, allein zu Arbeiten und letztlich keinen Ansprechpartner zu haben. Es ist Kopfmäßig anstrengend, man ist vom Kopf her einfach nicht ausgelastet, wenn die Konversationen überwiegend aus Ja, Nein, Muh und Mäh besteht.

Ich bin zwiegespalten und weiß nicht so recht, was ich mit der Kurzarbeitthematik jetzt letztlich anfangen soll. Auf der einen Seite, kommt mir das Frei recht gelegen. Erinnere ich mich zu gut, noch vor einiger Zeit gejammert zu haben, Urlaubsreif zu sein. Auf der anderen Seite, ist mit diesem Dienstausfall auch ein finanzieller Ausfall nicht mehr zu verstecken oder schön zu reden.

Natürlich werden die Ausfallstunden über das Kurzarbeitergeld aufgestockt. Allerdings sind das nur 60 % des tatsächlich ausgefallenen Nettoverdienstes. Gut was heißt da nur. Besser als gar nichts, muss ich dazu sagen. Und definitiv besser, als gar keine Aufstockung sondern nur Verdienstausfall. Und 40 % Verdienstausfall sind allemal besser als 100 % Verdienstausfall.

Witzig finde ich die gesamte Situation inzwischen ganz und überhaupt nicht mehr. Corona beherrscht inzwischen alles. Die Medien, den Alltag, das Arbeitsleben, die Freizeit. Vor einiger Zeit hat man noch drüber gelacht. Sich über die ganze Situation lustig gemacht. Ernst genommen hat es damals keiner.

Und jetzt? Jetzt haben wir die Kacke regelrecht am Dampfen. Die Situation scheint sich nicht zu entspannen, eher im Gegenteil, es spitzt sich zunehmend zu, so mein Gefühl. Immer wieder wird von irgendwelchen Lockerungen gesprochen. Die ich persönliche aber zur jetztigen Situation als hinfällig sehe.

Sind wir mal ehrlich, wenn jetzt bereits Lockerungen stattfinden, dann macht es glaube ich die Situation nur schlimmer. Und alle Maßnahmen die bis jetzt getroffen wurden, sind dann schlichtweg für n Arsch. In Österreich werden zwar irgendwann nach Ostern Lockerungen stattfinden. Allerdings muss man hier bedenken, die Österreicher sind uns geschlagene 2 Wochen voraus.

Während Österreich bereits Maßnahmen ergriffen hatte, wurde bei uns erst zwei Wochen drüber geredet und disskutiert, anstatt einfach zu machen. Aber dann mit den Österreichern mitziehen wollen, was die Lockerungen angeht? Naja ich weiß auch nicht.

Selbst wenn mich das ganze drum herum im Moment ankotzt, wäre es mir ehrlich gesagt lieber, man würde die Maßnahmen nochmal um zwei Wochen verlängern und erst dann über Lockerungen reden. Anstatt frühzeitig etwas vom Zaun zu brechen und damit ein noch viel größeres Problem heraufzubeschwören.

Sollte eine solche Verlängerung stattfinden, werde ich allerdings Facebook abschalten. Das gejammer und gemeckert, was jetzt schon dort stattfindet, macht mich sonst nur noch wütender und aggressiver. Ärgere ich mich ja jetzt schon über die Kurzsichtigkeit einzelner Menschen, die es wohl immer noch nicht kapiert haben. Oder grundsätzlich jammern als Hobby haben.

An dieser Stelle frage ich mich, ob wir inzwischen wirklich in so einer Luxusgesellschaft leben, die nur noch haben habe haben im Kopf hat. Immer mehr, immer größer, immer besser. Die kleinen Dinge im Leben haben scheinbar keine Bedeutung mehr.

Wenn haben, haben, haben dann nicht mehr funktioniert, fängt man an herum zu heulen, weil alles so scheiße und schlecht ist. Man sich in seiner Freiheit und in seinem Luxus bedroht fühlt. Und letztlich völlig vergessen wurde, was eigentlich wichtig ist.

Ich nehme mich da gar nicht raus und möcht auch nicht behaupten, dass ich so heillig wäre. Leide ich auch zwischen durch am „Ich will….“ und „Haben, haben“ Syndrom. Reitstunden hier, Reitstunde da, dazu noch das eigene Pferd. Neuer Laptop, neue Camera, neues Handy. Die Wohnung nervt mich, lass mal nach einer größeren, schöneren und besseren suchen.

Urlaub zu Hause? Kommt gar nicht in die Tüte! Ich muss hier weg! Weit weg! Dann aber bitte mit Hotel, Vollpension gibts da nicht, dann aber mindestens mit Frühstück. Und wehe das Hotel hat kein WLan und keinen Hauseigenen Parkplatz. Der Hauseigene Pool darf auch nicht fehlen, ich will schließlich auch schwimmen gehen.

Aber gut, so ist das jetzt nun mal. Und wir müssen uns wohl alle an der Nase packen und kürzer treten. Uns dazu vielleicht einfach auch mal wieder klar darüber werden, was eigentlich wirklich wichtig ist.

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