Gereizt

Grundlegend gehöre ich eigentlich zu der Fraktion von Mensch die a) eher ruhig ist und b) soziale Kontakte nur bedingt ertragen kann. Zusammengefasst, ich störe mich für gewöhnlich nicht daran, alleine vor mich hin zu bröteln.

Zunehmend bemerke ich aber, seit die ganze Coronakiste angefangen hat, dass sich irgendwas verändert. Ich werde zunehmend gereizter, dazu geht mir das ganze langsam aber sicher doch mehr an die Substanz, als ich anfangs dachte.

Angefangen bei der Arbeite, wo kein Tag vergeht, an dem es nicht wieder irgendeine Veränderung gibt. Mittwoch Mittag geht man aus dem Dienst nach Hause, kommt Donnerstag wieder.

Mittwoch hieß es noch so, Donnerstag Abend ist es schon wieder völlig anders und komplett über den Haufen geschmissen, was am Tag zuvor noch als non plus Ultra galt. Na herzlich Dank auch. Als wäre das ganze nicht schon kompliziert genug, wird es noch komplizierter gemacht.

Ehrlich gesagt will ich gar nicht wissen, was sich in den letzten drei Tagen schon wieder verändert hat bzw. wer alles mittlerweile damit liebäugelt nach der Kriese zu kündigen. Vermutlich hat sich wieder alles geändert. Und da soll man sich noch ordentlich auf irgendwas vorbereiten oder einstellen können? Offen gestanden erwarte ich ja gar nichts mehr, nein besser gesagt, ich wundere mich über gar nichts mehr.

Auch wenn ich unsere Bewohner und zu Betreuenden echt mag, langsam aber sicher kann ich sie alle miteinander nicht mehr haben. Nicht nur bei den Bewohnern fängt die Laune an zu Kippen, auch meine Laune sinkt zunehmend ab. Was die ganze Sache nicht sonderlich erleichtert, wenn man sich gegenseitig nicht mehr sehen und haben kann.

Was letztlich schon wieder zur Folge hat, dass ich alles, aber wirklich alles in Frage stelle, was ich da Jobmäßig eigentlich gerade veranstalte. Was soll das eigentlich mal werden wenn es fertig ist? Und warum genau tu ich mir das gerade eigentlich an? Ich kann mir die Frage nicht mal selbst beantworten, wenn ich ehrlich bin.

Und wenn wir gerade beim Thema sind. Wenn ich dann doch mal frei habe, tritt inzwischen kein Erholungseffekt mehr ein. Ich schlafe schlecht, bin dauerhaft müde und erschöpft. Bei genauerer Betrachtung meines Dienstplans wird mir immer noch schlecht.

Stelle weiter fest, dass ich vermutlich die erste Woche meines Urlaubs damit verbringe, mich von 2 Wochen non Stop Nachtschicht zu erholen. Hatte ich mir unter Urlaub eigentlich was anderes vorgestellt. Wegfahren war für diesen Urlaub von vornherein nicht vorgesehen, irgendwas zu Hause machen wollte ich aber schon.

Da stünde genügend an z.B. Wohnung streichen und meine pseudoterasse, nach drei Jahren, Sommer und Terrassentauglich  machen. Büsche, Blümchen und Bäumchen als Sichtschutz. Anständige Gartenstühle und ein Tisch. Vielleicht noch ein paar Lampions aufhängen und einen kleinen Grillplatz aufbauen.

Vielleicht auch mal an den See fahren und abchillen, die Füße ins Wasser baumeln lassen und dabei einen Kaffee im Plastikbecher, aus dem Kühlregal, in mich hineinschlürfen. Eventuell auch die Badesaison für mich eröffnen und mir einen Ast dabei abfrieren.

Zu guter letzt, gehen mir dann doch vereinzelte soziale Kontakte, außerhalb des derzeitigen Kreises, ab. Am meisten gehen mir Kontakte zu Freunden ab, mit denen man sich einfach mal auf n Käffchen irgendwo trifft und einfach mal reden kann. Sich alles von der Seele palaver und dann ist wieder gut.

Auch Kontakte zu Menschen die man neu kennengelernt hat und Corona einem einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Einfach nichts mehr vorwärts geht. Da lernst du gerade jemanden neu kennen, denkst dir, ach der is ja ganz nett, schau mer mal wies weiter geht. Und gerade als es anfing nett zu werden, kam Corona und die Ausgangsbeschränkung.

Auch hier gilt: Na herzlichen Dank auch! Danke für nichts! Nach einem neuen Treffen brauchte momentan gar nicht fragen, weil wegen ist nicht. Direkt bei mir zu Hause möchte ich ihn momentan auch noch nicht haben, was nicht fies oder arschig klingen soll, aber dazu kenn ich ihn noch nicht gut genug. Kurzum, ich will das im Moment einfach noch nicht.

Ich sitze dann also manchmal an meinem Handy, würde ihm gerne irgendwas schreiben, weiß aber nicht was. Habe schlichtweg gerade nichts über soziale Medien mitzuteilen. Lege das Handy wieder weg und lasse es bleiben. Was letztlich Funkstille zur Folge hat, weil ich nicht weiß was ich ihm erzählen soll. Na wunderbar. Und das ist nicht mal böse gemeint.  Aber so kann das ja nie was werden.

Kurzum, die gesamte Situation kotzt mich langsam aber sicher, richtig, richtig an.

Ein Gedanke zu “Gereizt

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