Sommerloch

Die letzten Wochen waren sehr anstrengend und hart. Den Sommer hatte ich mir so eigentlich nicht vorgestellt. Vermutlich ist das auch der Grund, weswegen ich in letzter Zeit meinen Blog zunehmend vernachlässigt habe. Ist das, dass berüchtiget Sommerloch von dem immer alle sprechen?

Wie mein Sommerloch gerade aussieht? Es wird von Arbeit dominiert. Freizeit und Privatleben? Was genau ist oder soll das sein? Kenn ich nicht, hab ich noch nie von gehört. Irgendwo, fein säuberlich, im Schrank abgelegt. Dort verstaubt es.

Mein Alltag erinnerte  mich heute ganz stark an „Täglich grüßt das Murmeltier“. Der Wecker reißt mich morgens um 5 aus einer viel zu kurzen Nacht. Der Kaffee schmeckt nicht und ist viel zu heiß. In der Arbeit angekommen, habe ich das Bedürfnis mir Streichhölzer an die Augen zu klemmen, damit diese offen bleiben und nicht zu fallen.

9 Uhr. Ich verlasse völlig entkräftet die Arbeit. Gedankenverloren schlufe ich zum Auto. Ich habe das Gefühl, mein Kopf ist mit Watter vollgestopft und ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Frage mich wie ich den Facharzttermin überleben soll und öffne eine weitere Dose RedBull, so wie ich es in den letzten fast 2 1/2 so oft gemacht habe.

Seit ein paar Tagen habe ich allerdings das Gefühl, das Redbull nicht mehr den Zweck erfüllt, den es eigentlich erfüllen sollte. Ich trinke es trotzdem. Meine Laune wird zunehmend schlechter, jedes noch so kleine Wort kann eine Explusion verursachen, die sich gewaschen hat. Kein Wunder, wenn man 2 1/2 Wochen durcharbeitet und in dieser Zeit geschlagene 2 Tage frei hatte. Dominiert von Doppelschichten.

Für eine Frühschicht ist es völlig normal, dass man etwas unter Zeitdruck steht. Der Fahrdienst steht zu einer bestimmten Uhrzeit vor der Türe, zu der die Bewohner fertig sein müssen. Hektick gehört hier zur Tagesordnung.

Die Spätdienste hingegen, sind zwar auch von Arbeit geprägt und rumchillen und nichts tun ist auch hier nicht angesagt. Dennoch ist es am Nachmittag für gewöhnlich etwas entspannter, der Zeitdruck ist nicht ganz so groß. Zunehmend stand aber auch der Spätdienst unter keinem guten Stern, wegen fehlender Dienste.

In letzter Zeit hatte ich oft das Gefühl, immer mehr richtung Satt und sauber zu steuer. Was eigentlich nicht meiner Überzeugung entspricht. In welchem Jahrhundert leben wir denn? Aber was bleibt einem denn anderes übrig, wenn 8 Bewohenr versorgt werden sollen?

Davon müssen täglich mindestens zwei Duschen, drei können nicht selbständig essen und zwei andere haben schon wieder ein Beziehungsdrama und hoffen, dass du es bestenfalls  für sie löst. Bestenfalls machst du alles noch gleichzeitig.

In diesem Moment fängst du massiv an zu reduzieren. Man fängt an den Alltag auf wichtige Dinge runterzuschrauben. Freizeitbespaßung der Bewohner? Wie denn, wenn du zumindest die Grundbedürfnisse eines jeden erfüllen sollst, aber Mitarbeiter fehlen? Zweiteilen kann ich mich leider noch nicht. Freizeitaktivitäten im großen Ausmaß fallen also aus.

Spaß macht das ganze schon lange keinen mehr. Als die ganze Coronakiste so richtig ins Rollen kam und wir keinen Normalbetrieb mehr hatten, habe ich mir lange gewünscht, der Normalbetrieb würde wieder zurück kommen. Mittlerweile wünsche ich mir, wir hätten den „Coronabetrieb“ wieder, da ich den Normalbetrieb inzwischen als sehr belastend empfinde.

Soziale Kontakte meide ich zunehmend,  nicht mehr Corona wegen, sondern weil sie mir auf Grund von „akut überarbeitet“ einfach zu viel sind. Nach der Arbeit will und kann ich oft keinen Menschen mehr sehen, geschweigedenn ertragen. Ziehe mich zunehmend zurück und distanziere mich von Menschen die ich eigentlich mag.

Und es stimmt mich nachdenklich und teilweise auch traurig. Aber wen wunderst es schon, wenn man den ganzen Tag damit beschäftig war, Seelentröster, Familie, Betreuer, Beziehungsretter, Freund, Zuhörer usw. zu sein, dass dann irgendwann die Kapazitäten für alle anderen aufgebraucht sind?

Kurzum: Ich bin völlig überarbeitet, komme gewaltig an meine Grenzen und bin akut Urlaubsreif. Ich kann die Arbeit nicht mehr sehen. Mein Lichtblick ist der Sonntag. Am Sonntag werde ich mich, trotz Corona, in mein Auto setzten und das Gaspedal durchtreten. Bis ich am Gardasee angekommen bin.

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