Neue Wege

Erinnere ich mich noch zu gut an eine Aussage von mir, die ich vor über 2 Jahren gefällt hatte. „Mit alten Menschen möchte ich momentan nicht arbeiten, die sind mir zu ruhig. Ich brauche beim Arbeiten Aktion um mich!“

Umso dubioser mag es auf manchen, in meinem Umfeld,  nun wirken, dass ich mich vor einigen Wochen bei einem ambulanten Pflegedienst beworben und die Stelle sogar angenommen habe. Wie, du gehst zu einem Pflegedienst? Du hast doch immer gesagt, du möchtest eher mit jungen Leuten arbeiten? Ist das da jetzt so viel besser?

Nun ja, inzwischen ist einige Zeit vergangen und meine Meinung hinsichtlich dessen hat sich geändert. Finde ich es mittlerweile gar nicht mehr so dramatisch. Alte Menschen brauchen schließlich auch Hilfe. Und so, sagen wir mal, Humorlos und vor sich hinvegetierend sind die gar nicht.

Die Zeit scheint mir aber gerade regelrecht durch die Hände zu rinnen. Vor 8 Wochen, erschien es noch so lange, bis ich neue Wege gehe. Nun neigt sich alles dem Ende zu. Effektiv ist es jetzt noch 1 Wochen. Und ich frage mich, wo die Zeit eigentlich geblieben ist. Sie ist mir regelrecht davon gelaufen.

An manchen Tagen frage ich mich dann, ob die Idee so gut war, alles bekannte, was den Job angeht, hinzuwerfen und nochmal neu anzufangen. Warum genau tue ich mir das an? Wieso? Leichtes Unbehagen hat sich immer wieder breit gemacht.

Sorgen jagten mir durch den Kopf. Nicht das ich es Pflegerisch nicht hinbekommen. Sondern eher, ob ich es in der Vorgegebenen Zeit schaffe, die Tour zu erledigen. Davor habe ich etwas Bammel. Denn Momentan ist es offensichtlich, dass ich vereinzelt ein paar Minuten länger brauche. An und für sich nicht schlimm. Nach hinten läppert sich das ganze aber.

Habe ich einfach massive Sorge, dass ich für einen Mobilen Dienst zu langsam bin. Nicht flott genug arbeite. Und somit die Kunden verärgere, weil ich Zeiten nicht einhalten kann. Denn im Wohnheim habe ich diesen Zeitdruck einfach nicht. Ein bisschen schon, aber nicht so extrem.

Im Wohnheim habe ich einfach mal eine Stunde Zeit, einen Bewohner komplett zu baden. Im neuen Job, habe ich maximal 30 Minuten um den Kunden zu duschen, abzutrocknen und wieder anzuziehen. Dann muss ich weiter. Weiter zum nächsten.

Es gibt noch eine weitere Sorge. Die Patienten, dich in meiner Tour habe, sind durch die Bank sehr nette Leute und auch sehr kooperativ. Bis auf einer, der am Schluss der Tour ist.

Dieser Patient ist als grummelig und nicht ganz einfach bekannt. Auch wenn die Kollegen sagen, wenn er sich weigert und sich „aufführt“ brich nach 10 Minuten ab, dokumentier es und sag den Angehörigen bescheid und geh. Was jetzt meine Sorge ist? Das er sich bei mir ständig verweigert, sich Tagelang nicht von mir waschen und anziehen lässt und seine Medis nicht nimmt.

Ich kann doch nicht beinahe in jeder Schicht ankommen und sagen, er wäre unkooperativ gewesen? Und das verursacht mir ein bisschen Bauchweh. Einfach weil ich ihn noch nicht gut kenne und mich in diesem Fall auch noch nicht so recht traue mich hinzustellen und zurück zu feuern.

Auch wenn mir das so ziemlich bei jedem Tag, an dem ich bei der Einarbeitung dabei war, eingeprügelt wurde. „Halt gegen, versuch es erst mal im guten. Sollte es im guten nicht funktionieren, dann wirst du eben auch mal etwas barsch im Ton.“

Mir gefällt es wirklich. Mir macht es auch Spaß, zumal alle Patienten auf der Tour so liebenswert sind. Außer der eine, der mir dieses Bauchweh verursacht. Vermutlich bleibt mir nichts anderes übrig, als mich hinzustellen und einfach zu machen. Mir die Hinweise und Tipps von Kollegen zu Herzen zu nehmen und auch mal Gegendruck zu erzeugen. Sollten alle Stricke reißen, dann muss ich tatsächlich einfach abbrechen und gehen.

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