Coronagedanken, vor ein paar Wochen.

Kurz nach 20 Uhr. Meine Finger flitzen über die Tastatur um noch ein paar wichtige Informationen in das elektronische Dienstbuch einzutragen, damit alle die selben Informationen haben. Wirklich anwesend bin ich schon lange nicht mehr.

Fühle mich, als würde ich unter einer Glasglocke sitzen und alles kommt nur noch dumpf bei mir an.  Muss das geschriebene mehrmals durchlesen, bevor ich es abspeichere.

Das Telefon neben mir klingelt. Auf dem Display erscheint „unterdrückte Nummer“. Ich verdrehe die Augen und weiß genau, wer am anderen Ende der Leitung ist. Das Gespräch dauert zum Glück nicht lange.

Ich bin froh drum, denn ich kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Höre zwar die Worte, die an mein Ohr dringen, kann davon aber keins mehr wirklich aufnehmen oder verarbeiten.

Es kostet mich unsäglich Kraft, mich  ansatzweise auf das Gespräch zu konzentrieren und aufmerksam zuzuhören. Suche händeringend nach Worten, fange an umschweifend zu umschreiben, werde das Gefühl nicht los ewig nicht auf den Punkt zu kommen.

Ich bin totmüde und möchte  nur noch nach Hause. Nur noch duschen, etwas essen und ins Bett. Vielleicht zwischen Essen und Bett noch ein bisschen mit Netflix berieseln lassen.

Mir ist es sogar zu anstrengend, ausführlich auf die Textnachricht von Kumpel-Date zu antworten, der vor einigen Wochen wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, was mich wirklich sehr gefreut hat und ich deswegen immer noch völlig aus dem Häusschen bin.

Ich mag Kumpel-Date wirklich gerne und ich verbringe gerne Zeit mit ihm. So wie gestern, nach Dienstende. Vielleicht bin ich deswegen so müde? Weil ich so spät ins Bett bin? Nein ich glaube es nicht. Meine Antwort war dennoch recht kurz und ich erwarte nicht einmal wirklich eine Antwort.

20:45 Uhr. Ich sperre die Türe meiner Wohnung auf. Mir schlägt ein unangenehmer Geruch entgegen. Woraufhin mir siedenheiß einfällt, dass ich am Morgen vergessen hatte, das Katzenklo sauber zu machen. Jetzt habe ich den Salat.

Immer noch genervt über eine Reaktion auf eine Dienstliche Whatsapp, schlüpfe ich aus meinen Schuhen. Kollegin hat zwar recht, dass man wegen dem einen zusätzlichen Dienst hätte Fragen können. Im Urlaub gestört werden, will aber auch keiner.

Versuche mir immer wieder zu sagen „nimms nicht schon wieder persönlich!“ tue mir dabei aber gerade extrem schwer, genau das nicht zu tun. Merke wie sich mein Magen zusammen schnürt und weiß, jetzt hab ichs grad doch schon wieder persönlich genommen.

Auf der anderen Seite, ärgere ich mich aber auch ein bisschen über mich selber. Darüber, dass ich mich zunehmend  anhöre wie Abteilungsleitung. Getreu dem Motto, wir sind hier doch kein Wunschkonzert und aus den Rippen kann ich mir die Leute auch nicht schneiden.

Fakt ist nämlich, dass so gut wie niemand mehr übrig ist, der irgendwelche Dienste machen könnte. Kann man das nächste mal den Karren auch direkt gegen die Wand krachen lassen.

Vielleicht sollte ich den Karren tatsächlich gegen die Wand fahren lassen. Mich daneben stellen und zusehen, wie alles den Bach runter geht. Einfach weil ichs kann. Rein aus Prinzip und Protest. Aber eigentlich bin ich nicht so, wenn alle Stricke reißen, kann ich auch wieder nicht anders als einzuspringen. Weil mir die Bewohner wichtig sind und ich die Bewohner, die auf Hilfe angewiesen sind, nicht im Stich lassen kann oder will.

Mittlerweile sind dennoch einige Reißleinen und Handbremsen gezogen worden. Allein aus der Tatsache heraus, dass ich mittlerweile, vieles, nicht mehr mit mir, meinem Gewissen und meinen Einstellungen vereinbaren kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s