Von Ende und Anfange

Den letzten Arbeitstag in der alten Arbeit habe ich gestern, mit müh und not, hinter mich gebracht. Mit Rückenschmerzen, was definitiv eine psychosomatische Geschichte in folge von zu lange anhaltendem Stress ist, verließ ich gestern die Arbeit.

Weg, endlich weg. Hauptsache raus. Völlig fertig mit der Welt, nachdem zwei Bewohner einen ausgewachsenen Heulkrampf bekamen, ich kein Wort mehr von dem verstanden habe, was sie mir ins Ohr heulten, weil die Worte von den Tränen ertränkt wurden.

Nicht fertig, weil mir die Heulkrämpfe so nahe gingen, eher weil es mich auf die letzten Meter so viel Kraft gekostet hat, den Weinanfall beider Frauen abzufangen und sie zu beruhigen.

Was im übrigen gar nicht so einfach war. Einmal drin in diesem Anfall, hast du als Außenstehender plötzlich das Gefühl, kein einziges Wort dringt zum Bewohner durch und prallt stattdessen an einer kreischenden Wand ab.

Was nicht heißen soll, dass ich ein emotionaler Müllkübel bin, den nichts interessiert. In diesem Moment heißt es für mich aber, Distanz wahren und Arbeit von Privat trennen. Alles was in der Arbeit passiert, bleibt in der Arbeit und wird nicht mit nach Hause genommen.

Eigentlich wollte ich gestern schon berichten. Allerdings kreiselten Abends so viele Gedanken in meinem Kopf, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Geschweige denn irgendwas Sinnvolles zu Papier gebracht hätte.

Wobei es auch jetzt eher fraglich ist, wie sinnvoll das ganze hier ist. Und ob ich es nicht lieber bleiben lassen oder vertagen sollte. Ich weiß es nicht. Momentan bin ich erst mal froh, nach den letzten Tagen die doch recht kräftezehrend waren, zwei Tage frei zu haben.

Dann geht es knall auf fall weiter. Zwei Tage frei, bumm neuer Job. Da werde ich direkt ins kalte Wasser geschmissen und soll die Tour bereits am Mittwoch alleine fahren, nachdem ich erst 5 Tage Einarbeitung hatte. Aber wie heißt es so schön? Machen und Lernen? Oder irgendwie so.

Manchmal beneide ich diejenigen, die erst mal 4 Wochen irgendwo in der Weltgeschichte rumgeigen und dann erst neu anfangen. In den letzten Jahren, habe ich das letztlich bei keinem einzigen Jobwechsel gemacht. Moment. Doch einmal hatte ich zwischendrin 2 Wochen Urlaub. War ganz okay. Ansonsten, war es meistens ein fließender Übergang.

Auch dieses mal ist es ein fließender Übergang. Grund hierfür ist letzlich eine abgeschlossene Finanzierung für eine Immobilie. Ohne Arbeit, kein Geld, ohne Geld ist keine Darlehensrückzahlung möglich. Ohne Rückzahlung ist die Wohnung weg.

Auf der einen Seite freue ich mich natürlich riesig. Neue Aufgaben. Neue Wege. Einfach mal was anderes machen. Auf der anderen Seite, habe ich somit alles bekannte und mir vertraute abgestoßen. Bin mir zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht mal sicher, ob die Idee wirklich so gut war. Bin mir unschlüssig.

Überlege ich aber, was in den letzten Monaten, gerade über Corona, alles war und vielleicht auch schief gelaufen ist, erscheint mir meine Entscheidung gar nicht mehr so falsch. Natürlich gebe ich offen zu, dass ich nicht gerade zu der Sorte Mensch gehöre, die Frühaktiv wären. Allerdings kann ich das, hinsichtlich vieler anderer positiver Faktoren, halbwegs akzeptieren.

Bekanntlich hat die Medaille ja immer zwei Seiten. Die einen dann vor die Frage stellen, was ist mir wichtiger? Ausschlafen, dafür aber einen Chef, mit dem du zunehmend nicht mehr auskommst, weil du das Gefühl nicht los wirst, dass man dich alleine lässt und sich nicht um einen gekümmert wird? Beziehungsweise mit einer Art mit einem umgesprungen wird, dass es dir Kalt den Rücken runter läuft?

Oder stehe ich lieber früh auf, habe dafür aber eine Chefin, die zwar Prioritäten setzt, einen aber nicht alleine stehen lässt? Die versucht in Zusammenarbeit nach einer Lösung zu suchen wenn etwas nicht passt? Sich um ihre Mitarbeiter kümmert, wenn es ihnen schlecht geht? Und ein angenehmer und wertschätzender Umgangston herrscht?

Nun ja, meine Entscheidung ist hier recht schnell gefallen. Und ich gehe dafür, momentan, auch gerne den ein oder anderen Kompromiss ein, auch wenn die eine Seite der Medaille (in dem Fall das frühe aufstehen) mir nicht so ganz in den Kram passt.

Aber nicht nur das Chefthema und das ich mal was anderes sehen wollte, waren der Grund für den Umschwung meinerseits. Hatte ich in den letzten Monaten viel zu sehr das Gefühl, dass die Behindertenarbeit, zumindest an meinem Standort, massive Rückschritte, in Richtung Satt und Sauber gemacht hatte.

Was meiner Überzeugung und dem Grund, weswegen ich eigentlich mal in der Behindertenhilfe gelandet bin, massiv gegen den Strich geht. Eigentlich wollte ich mich mit den Leuten beschäftigen. Ihnen helfen und ein weitgehend normales Leben ermöglichen.

Und nicht nur wie eine Bekloppte durch die Gegend rennen, um mit Toilettengängen, Duschen und Essen vor die Nase stellen bis zum Feierabend fertig zu werden. Mit dem Resultat zum einen mein gesamtes Privatleben abzugeben und am Ende des Arbeitstages so fertig zu sein, dass ich postwenden ins Bett falle. Na herzlichen Glückwunsch. Aber das ist letztlich, ein völlig anderes Thema.

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