Neuer Job, neue Leute, neue Erfahrungen

Gestern dachte ich mir, ich nutze meinen freien Tag, um mich nochmal ein bisschen zu entspannen, bevor es richtig los geht im neuen Job. Ich habe es mir in den Thermen inkl. Massage richtig gut gehen lassen. Und habe mich richtig gut gefühlt.

Unterschwellig hatte ich dennoch, den ganzen Tag über,  ein mulmiges Gefühl. Schließlich sollte ich am folgenden Tag, also heute, die erste Tour bei der neuen Arbeit alleine fahren. Heißt, alleine zu den Patienten fahren und los geht’s.

Würde ich es alles Zeitlich so hinbekommen wie ich es sollte? Würde ich auch nichts vergessen? Wie wird das nur werden und klappt alles? Finde ich auch alle Wege und Patienten? Vergesse ich auch nichts?

Für einen kurzen Moment konnte ich dennoch abschalten. Dachte mir, dass wird schon werden, dass bekomme ich dann schon hin. Völlig erschlagen viel ich am gestrigen Abend in mein Bett. Hatte, obwohl ich so müde war, das Gefühl lange nicht einschlafen zu können.

 Ich wache auf. Ich starre auf mein Handy. Es ist drei Uhr morgens, stelle fest, ich könnte noch 2 Stunden schlafen, bevor ich effektiv aufstehen muss. Wälze mich  lange von einer Seite auf die andere. Stehe auf, trinke etwas, rauche eine Zigarette. Lege mich wieder ins Bett.

Etwa 1 Stunde lang drehte ich mich im Bett hin und her, zumindest fühlte es sich so an. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, die mir keine Ruhe ließen. Die Gedanken kreiselten regelrecht umher und ließen mich nicht mehr zur ruhe kommen. Fing ich sogar kurzzeitig an daran zu zweifeln, ob meine Entscheidung wirklich richtig war.

Was ist wenn ich Frau xy die Kompressionsstrümpfe nicht  angezogen bekomme? Wenn ich ihr vielleicht sogar weh tue, sie ist bekanntermaßen etwas empfindlich an den Beinen. Ich kann nicht einfach auf eine Kollegin abschieben, ich bin alleine, abgeben fällt flach. Du musst die Strümpfe bis auf Anschlag auseinander ziehen, dann klappt es auch.

Die Gedanken driften weiter, was ist wenn her yx die Pflege verweigert? Sich verweigert aufzustehen? Sich querstellt, so wie beim letzten mal, als er nicht wollte und mich das ganze geschlagene 10 Minuten gekostet hat? Ich erinnere mich an die Worte der Kollegin:

„Er ist nicht ganz einfach und kann auch massig werden. Manchmal hat er auch einen etwas ruppigen Umgangston. Versuch es erst im guten, ist er weiter Forsch, dann lass du auch mal nen Schrei. Gib dem ganzen 10 Minuten, wenn er dann immer noch unkooperativen ist, dokumentier es, gibt den Angehörigen bescheid und geh!“

Der Wecker klingelt und ich schrecke aus dem Schlaf, bin ich doch nochmal eingeschlafen? Es scheint so. Ich fühle mich wie vom Zug überfahren, muss aber trotzdem aufstehen, es hilft nichts.

Rolle mich aus dem Bett und verfolge meine Morgenroutiene. Irgendwie zumindest. Mehr schlecht als recht. Schon komisch. Das mulmige Gefühl nimmt zu. Schaffe ich das wirklich alles, so wie ich soll?

6 Uhr. Ich steige in mein Dienstfahrzeug und starte meine Tour. Ich fahre von Patient zu Patient und stelle fest, dass es recht gut läuft. Heute habe ich keinen Stress. Herr J ist im Krankenhaus und ich habe somit seine Frau nicht im Genick, die mir bei der kleinsten Verzögerung ins Gesicht springen könnte.

Es folgt alles schlag auf schlag. Fahren, aussteigen, Patient versorgen, ins Auto steigen weiter fahren zum nächsten. Anfangs habe ich ein ganz gutes Gefühl und es läuft wie am Schnürchen.

Bei Patientin B. jedoch die erste Verzögerung, weil die Angehörigen etwas von mir wissen möchten, was unter Beratung fällt, schon vorprogrammiert. Verdammt. Weiter geht’s.

Mir wird mulmig, die Dame mit den Strümpfen, die mir so sorgen machen, ist als nächste dran, auch hier brauche ich etwas länger als die vorgegebene Zeit. Zum Glück ist Herr J. momentan nicht in der Tour mit drin. Zeitlich hätte ich es nicht pünktlich zu ihm geschafft, der Ärger wäre somit vorprogrammiert gewesen.

Der weitere Verlauf ist recht reibungslos. Abgabe von Medikamenten, Diabetisversorgung, Strümpfe anziehen, waschen, ankleiden. Alles Dinge die mir Routinemäßig recht leicht von der Hand gehen.

Hier ein plausch, dort noch ein kleiner schwatz. Ich finde punktuell allerdings noch nicht das richtige Mittelmaß, wann ich Gespräche beende. Lasse mir oft noch ein bisschen zu viel erzählen. Komme damit weiter etwas in Zeitverzug. Allerdings ist es noch im Rahmen und es besteht noch kein Grund, die Kollegin anzurufen. Die Parallel mit mir Frühschicht fährt. Für Notfälle kann ich sie anrufen.

Kurz vor 10 Uhr. Ich stehe schon in der Einfahrt, des Patienten, der mir am meisten Sorgen macht, wegen seiner Art wie er eben ist. Ich möchte da eigentlich nicht rein. Aber ich muss. Ob ich will oder nicht. Macht er Rabatz, dann gehst du! Punkt, aus, ende.

Ich klingle und sperre die Türe auf. Es ist still in der Wohnung. Es wirkt alles so anders beinahe gespenstisch. Der Patient und seine Ehefrau schlafen noch, sie haben beide mein Klingeln nicht gehört. Sehr merkwürdig, denn normalerweise ist die Ehefrau um die Zeit schon in der Wohnung unterwegs.

Sie klagt über Schwindel, als ich mit ihr spreche. Ich solle einfach ihren Mann fertig machen, sie möchte das Duschen heute lieber bleiben lassen. Und wie ich es erwartet hatte, stellte sich mein persönlicher Albtraum ein. Wie ich es letztlich geschafft hatte, den Ehemann doch dazu zu bewegen mit ins Bad zu kommen und sich waschen und anziehen zu lassen, ist mir ein Rätsel. Ich bin etwas von mir selbst erstaunt.

Insgesamt habe ich den Tag ganz gut geschafft. Zwar mit  zeitlichen Verzögerungen, aber ich habe es geschafft. Was mir aber am meisten Zeit raubt, ist die Dokumentation, in die ich mich erst einfinden muss. Ich suche immer wieder die richtigen Listen, in die eintragen muss.

Mir schwirrt ein wenig der Kopf. Frage mich immer wieder, ob ich etwas vergessen habe. Wichtiges wohl eher nicht. Medikamente etc. haben alle bekommen. Ich habe auch keinen Patienten vergessen. Wenn ich etwas vergessen habe, dann vermutlich in der Doku abzuzeichnen. Das fällt mir noch schwer, immer an alle Dokublätter zu denken. Zumal manches mehrfach abgezeichnet werden muss.

Ich bin etwas geplättet. Zum Feierabend hin habe ich Kopfschmerzen. Ich habe zwar genug getrunken, da sind sie trotzdem. Ich habe die FFP Maske unter verdacht, die ich den ganzen Tag über, bei jedem Patienten, tragen muss. Vermutlich ist mein Hirn etwas mit Sauerstoff unterversorgt.

Insgesamt muss ich aber sagen, gefällt es mir ganz gut und ich finde es ehrlich gesagt toll, dass ich einfach für mich arbeiten kann. Und einfach machen darf und kann ohne ständig Kollegen neben mir stehen zu haben.

Was mich an mir selbst so überraschend finde ist, wie selbstbewusst und selbstsicher ich doch schon zu den Patienten rein marschiert bin und einfach gemacht habe. Es hat sich nicht danach angefühlt, als wäre das meine erste Tour alleine gewesen. Eher als würde ich sie schon seit einigen Wochen alleine fahren.

Als ich noch in der Einarbeitung war, war ich immer etwas verunsichert. Habe beinahe ständig meine Kollegin gefragt ob das so passt und dachte grundlegend ich mache irgenwas falsch. Habe mich fast nichts zugetraut. Dachte ich eigentlich, ich würde bei meiner ersten Tour, die ich alleine fahren, völlig verzweifeln und zeitlich gleich gar nicht um Rad kommen.

Letztlich war alles doch anders als ich dachte. Und es macht mir momentan richtig spaß.

 

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