Kopfchaos und bewusster leben

Nach der gestrigen Schicht war ich ziemlich ko. Das frühe Aufstehen macht mir doch etwas zu schaffen. Habe mich insgesamt sehr geplättet gefühlt. Was letztlich zur Folge hatte, dass ich zu nichts großartig Lust hatte.

Aber die Kombination aus Früh, Früh/Spät, Früh war auch ein bisschen fies und hat es mir letztlich ganz schön reingewürgt. Zum Glück habe ich nicht all zu oft Doppeldienst.

Doppeldienst und am Folgetag Frühdienst ist aber überall nicht sehr angenehem. Man muss da allerdings hin und wieder durch, habe ich festgestellt. Aber gut, so ist das eben.

Abends habe ich mich dann doch noch aufgerafft, reiten zu gehen und war tatsächlich noch gut über eine Stunde mit dem Pony unterwegs. Das hat so richtig gut getan, danach war ich fit.

Aber das war schon immer so, dass Bewegung und Sport, meinen Kreislauf hochgejagt haben. Allerdings an den Punkt zu kommen, seinen Schweinehund zu überwinden und sich aufzuraffen, dass ist die wahre Kunst. Ich schaffe es nicht immer. Auch wenn ich es mir manchmal vornehme.

Letzte Nacht habe ich knapp 11 Stunden geschlafen. Mein Körper hat wohl das Schlafdefiziet der letzten Tage versucht auszugleichen. Hat es wohl gebraucht. Nun ja, wenn man pro Nacht maximal 6 bis 7 Stunden schläft, auch kein Wunder. Zumindest für meine Verhältnisse nicht.

Wo das letztlich hinführen soll, keine Ahnung. Auch wenn es mir wirklich Spaß macht, wird es keine Dauerlösung sein. Ständiges früh aufstehen war noch nie so wirklich meins. Und das Thema mit der inneren Uhr bekommt wieder eine verstärkte bedeutung.

Morgens um 5 aufstehen, geht ganz gewaltig gegen meine innere Uhr. Egal ob ich 7, 8 oder 10 Stunden geschlafen habe. Ich bin immer müde, tue mir schwer aus dem Bett zu kommen und fühle mich den ganzen Tag platt.

Weiter wird mir zunehmen bewusst, dass mir manche Dinge doch mehr aufs Gemüt schlagen, als ich anfangs gedacht habe. Manche Dinge gehen mir doch näher als ich dachte und ich kann mich dazu gerade nur schlecht abgrenzen.

Ich nehme mir manche Dinge mehr zu Herzen als ich eigentlich sollte. Und ganz klar ein Problem damit habe, klar zwischen Arbeit und Privatleben zu diferenzieren. Mache mir oft auch viel zu viele Gedanken über manche Dinge.

Mir war durchaus von anfang an bewusst, dass ich es mit alten Menschen zu tun habe. Mir war auch von anfang an bewusst, dass immer wieder mal veränderungen in der Tour auftauchen werden. Weil jemand ins Krankenhaus oder Altenheim kommt, im „schlimmsten“ Fall aber auch mal jemand stirbt.

Trotzdem ändert es nichts daran, dass es mir direkt am Anfang schon, ein bisschen aufs Gemüt geht. Man schließt die Leut ja doch ins Herz. Und dann bekommst du direkt in der ersten Woche einen Todesfall mit. Direkt gefolgt von einem länger wirigen Krankenhausaufenthalt.

Bei einem weiteren Patiententen kann man beinahe täglich zusehen, wie es immer schlechter wird. Lange dauert es hier wohl auch nicht mehr, bis dieser im Seniorenheim untergebracht werden muss, weil es zu Hause einfach nicht mehr geht.

Zusätzlich nagt immer wieder das Gefühl an mir, ich habe irgendwas vergessen oder falsch gemacht. Obwohl das eigentlich, wenn ich so drüber nachdenke, nicht wirklich der Fall ist.

Letztlich erklären sich hier auch wieder meine Rückenschmerzen, die nicht besser werden wollen. Anfangs war es einfach die Überbelastund durch Stress in der alten Arbeit.

Jetzt ist es zwar nicht der selbe Stress wie ich in der alten Arbeit hatte, dafür eben neuer Stress im Sinne von, dass ich mir manches doch zu sehr zu Herzen nehme.

Zusätzlich kommen noch ein dauerhaft eingeschlafener Daumen und Probleme mit der Schulter dazu. Die jetzt, wo der alte Stress von mir abgefallen ist, langsam auftauchen.

Habe das Gefühl, dass schon länger Probleme in diese Richtung da warn, aber erst mit Abfall des alten Stresslevels zum Vorschein kamen. Aber ist das nicht oft der Fall, man tut und macht und sobald der Stress abfällt, rächt sich das ganze in dem man krank wird.

Mehr als „Na dann mal Prost“ fällt mir da nicht mehr dazu ein. Was mir wieder bewusst macht, dass ich vielleicht doch einen Weg eingeschlagen habe, den ich so nicht hätte gehen sollen.

Zunehmend wird mir wieder bewusst, dass ich mehr auf mich selbst aufpassen muss. Mehr auf mich hören und bewusster leben sollte. Mich entschleunigen, mehr entspannen und ruhepausen einfordere.

Diese Feststellung oder Erkenntnis schlägt mir gerade volle Breitseite ins Gesicht. Und mir wird klar, ich muss irgendwas ändern. Muss meinen Weg nochmal überdenken.

Und dann stehst du, in der „Blüte deines Lebens“, vor einer Demenzkranken Frau, die von sich und der Welt nicht mehr viel mitzubekommen scheint. Und dir selbst wird schlagartig bewusst, wie schnell alles eigentlich ein jähes Ende nehmen kann.

Und während du dieser Dame in die glasigen Augen siehst, wird dir schlagartig bewusst, was du alles noch machen wolltes, es aber bis jetzt noch nicht getan hast.

Dir wird schlagartig Bewusst, du musst etwas ändern. Du musst deinen Weg überdenken und einiges nicht mehr weiter vor dir her schieben. Sondern machen, anstatt auf besseres Wetter zu warten und drauf zu hoffen, dass es schon von alleine passieren wird.

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