Ob die Entscheidung so richtig war?

Da sitze ich nun, nach gut etwas mehr als einer Woche im neuen Job. Ich starre vor mich hin. Frage mich teilweise, was ich da eigentlich genau treibe und was genau eigentlich so falsch an meinem alten Job war.

Natürlich. Es gab Dinge und auch Situationen, die mich gestört haben. Die ich auch nicht in Ordnung fand. Aber das gibt es letztlich überall. Aber ingesamt war es eigentlich gar nicht so schlecht.

Das Team war toll, die Bewohner waren super. Und die Bezahlung war eigentlich auch nicht ganz schlecht. Nach fast zwei Jahren, kam ich auch recht gut, mit fast allen Angehörigen zurecht.

Hat es mir eigentlich auch immer gut gefallen, Spätschicht zu haben, und erst gegen halb 4 den Dienst antreten zu müssen. So hatte ich den Vormittag einfach Zeit um a) auszuschlafen und nach meiner Inneren Uhr zu gehen b) meinen Alltag im Griff zu haben.

Mir ist bewusst, dass ich eine Phase hatte, in der ich immer wieder gemeckert habe. Geschimpft habe wie ein Rohrspatz. Und mich auch gefreut habe, den neuen Job anzutreten. Mir regelrecht eingeredet habe, ja das ist es und das ist die Lösung.

Mittlerweile werde ich aber das Gefühl nicht los, eine fehlerhafte Entscheidung getroffen zu haben. Und ich zweifle massiver denn je an meiner Entscheidung. Ob der Weg wirklich der Richtige war?

Seit über einer Woche schlafe ich nicht mehr durch und wenn ich schlafe, dann nur sehr schlecht und unruhig. Ich wache jede Nacht mindestens einmal auf und tue mir schwer wieder einzuschlafen. So viele Gedanken kreisen.

Innerlich fühle ich mich angespannt und unruhig. Komme kaum bis gar nicht mehr zur Ruhe. Werde das Gefühl nicht los, unter einem massiven Innerlichen Stress zu stehen.

Ich esse nicht mehr richtig, geschweigedenn regelmäßig. Ziehe mich aus sozialen Kontakten massiv zurück und vernachlässige mein soziales Umfeld. Ich habe keine Lust mehr, irgendwas zu unternehmen. Ziehe mich immer mehr zu Hause zurück. Weil mir im Moment die Kraft und die Motivation dazu fehlt.

Ich bin phasenweise sogar so kaputt, dass ich auf dem Sofa einschlafe und nicht mal mehr duschen gehe, weil ich irgendwann aufwache und nur noch ins Bett wandle um dort weiter zu schlafen.

Werde das Gefühl nicht los, von meinem „Feierabend“, geschweigedenn von meinem Frei auch nur ansatzweise irgendwas zu haben. Weil ich die meiste Zeit damit beschäftigt bin, mich zurück zu ziehen und versuche mich auch nur ansatzweise zu erholen, was mir ganz und gar nicht gelingen mag.

Die Patienten sind alle total nett und auch lieb. Hört man auch mal ein Danke. Auch die Kollegen geben sich wirklich mühe, dass ich mich gut einfinde und mich wohl fühle. Eigentlich gefällt mir auch das Fahren und das ich alleine arbeiten kann.

Trotzdem belastet mich das Gesamtpacket extrem. Mich belastet es, morgens um 5 aufzustehen. Mich belastet es, nur pflegerisch tätig zu sein und nicht mehr pädagogisch arbeiten zu können. Mich belastet es zunehmend, dass sich der Zustand mancher rasant verändert.

Mich belastet es, dass immer wieder Leute im Krankenhaus landen. Und mich belastet es, dass immer wieder Leute wegsterben. Belastet mich auch, dass viele Patienten doch so einsam sind.

Niemanden haben, mit dem sie sich einfach mal unterhalten können. Und regelrecht zu vereinsamen drohen, wenn nicht sogar schon eine Vereinsamung stattgefunden hat.

Wie gesagt, insgesamt ist das Umfeld, die Kollegen und auch die Patienten völlig in Ordnung. Weitere Umstände die aber dazu gehören, machen mich aber fertig und belasten mich.

Zunehmend habe ich das Gefühl, mir wird es zu viel und ich verkrafte das alles gerade nur ganz schlecht.

Habe aber Zeitgleich ein schlechtes Gewissen, beziehungsweise komme ich mir so doof vor, alles hin zu werfen und letztlich nach 4 Wochen alles hinzuwerfen.

Auf der anderen Seite ist mir in den letzten Tagen einfach klar geworden, bzw. habe ich die Erkenntniss erlangt, was ich eigentlich wirklich will. Eigentlich will ich als HEP arbeiten. Eigentlich möchte ich nicht nur pflegerisch, sondern auch pädagogisch arbeiten.

Und eignetlich will ich doch lieber mit Menschen mit Behinderung arbeiten. Und eigentlich möchte ich lieber wieder zurück ins Wohnheim. Zurück zu meinen Pappenheimern, die mich zwar manchmal gewaltig Nerven gekostet haben, die ich aber doch vermisse.

2 Gedanken zu “Ob die Entscheidung so richtig war?

  1. Wenn du dir so sicher bist, die falsche Entscheidung getroffen haben, dann solltest du wohl versuchen, das Ganze rückgängig zu machen. Aber manchmal gibt sich das auch und man ist nach einer längeren Eingewöhnungsphase doch ganz zufrieden damit. Letztendlich ist das vermutlich eine Entscheidung die man nach dem Bauchgefühl fällen sollte. Ich wünsche dir alles Gute, dass du den richtigen Weg findest.
    LG Kerstin

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    • Liebe Kerstin,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Du hast völlig recht, mit der Sache mit dem Bauchgefühl. Mein Bauchgefühl sagt mir gerade sowas in die Richtung „Renn!“ Mein Kopf hingegen, sagt mir eher sowas wie „Naja, du kannst doch nicht, nach so kurzer Zeit, alles einfach stehen und liegen lassen.“

      Können täte ich das bestimmt. Momentan bin ich mir aber noch nicht ganz Schlüssig wie ich weiter vorgehen soll. Diese Frage kann ich mir nicht mal selbst im Moment beantworten.

      liebe Grüße das Fräulein

      Gefällt 1 Person

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