Von Existenzgründung und schwirrenden Gedanken

Wie ich vor kurzem schon mal in einem Beitrag erwähnt hatte, kreiseln meine Gedanken gerade darum, wie ich meinen Lebensweg eigentlich weiter bestreiten möchte.

Und ob der Weg wirklichder Weg ist, den ich gehen möchte. Oder ob inzwischen nicht der Punkt gekommen ist, an dem ich die Zügel in die Hand nehme und etwas an der Gesamtsituation ändere.

Hinsetzten und Däumchen drehen hat bekanntlich noch nie wirklich etwas gebracht. Und das Wetter wird dadurch auch nicht wirklich besser. Bekanntlich macht das Wetter ja sowieso das was es möchte.

Aufgrund so vieler Dinge, die mir in den letzten Monaten über den Weg gelaufen sind, habe ich angefangen viele meiner Entscheidungen zu hinterfragen.

Es surren Fragen durch meinen Kopf wie

  • Warum bin ich eigentlich HEP und nicht Altenpfleger geworden
  • Warum genau habe ich mich dazu entschieden nicht weiter im Wohnheim zu arbeiten
  • Warum genau kann ich es mir nicht vorstellen, langfristig und bis an mein Berufliches Ende bei einem ambulanten Pflegedienst zu arbeiten

Nach und nach habe ich angefangen mir selbst die Fragen zu beantworten.

Warum bin ich Heilerziehungspfleger geworden und nicht Altenpfleger?

Ja warum eigentlich? Die Antwort ist mir nicht schwer gefallen. Ich bin deswegen Heilerziehungspfleger geworden, weil ich nicht ausschließlich pflegerisch tätig sein wollte, sondern auch die Menschen in ihrem Alltag unterstützten möchte.

Ich möchte den Menschen ein möglichst normales Leben und die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen. Pflegerische Tätigkeiten gehören hier zwar mit dazu, sind tendenziell aber eher nebensächlich.

Ich möchte Menschen, gerade mit Behinderung dabei helfen Freizeitaktivitäten durchführen zu können. Möchte ihnen dabei Helfen aus ihren vier Wänden heraus zu kommen. Möchte ihnen dabei helfen in der Gesellschaft integriert zu sein und ihnen dabei helfen, das sie nicht irgendwo ausgegrenzt werden oder am Rande der Gesellschaft versauern.

Möchte mich einfach auch mal mit den Menschen hinsetzten und mich mit ihnen Unterhalten, ohne das ich auf die Uhr schaue und das Gefühl habe, mir verzeiht es in meiner Tour gerade dermaßen die Spur, dass es kein Morgen mehr gibt.

Warum habe ich mich dazu entschieden nicht weiter im Wohnheim zu arbeiten?

Auch diese Frage konnte ich mir recht zügig beantworten. Eigentlich habe ich immer gerne im Wohnheim gearbeiten. Habe auch gerne mit den Menschen mit Handicap zu tun gehabt.

Allerdings gingen mir manche Dinge gewaltig gegen den Strich bzw. gegen meine persönliche Überzeugung. Aufgrund von personellen Engpässen, war es oft nicht möglich Freizeitaktivitäten mit den Bewohnern zu unternehmen.

Oft hatte ich das Gefühl, Ausflüge sind nicht mehr groß Möglich. Freizeitbespaßung schien beinahe ausschließlich in den eigenen vier Wänden durchgeführt worden.

Meistens beschränkten sich Aktivitäten außerhalb der Wohngruppe, auf Spaziergänge, die in intervallen stattfanden. Oder eben darauf, dass man mit einzelnen Bewohnern zum Einkaufen gegangen ist.

Aber sind wir mal ehrlich? Was ist das denn für ein Leben? Das sich die einzige Freizeitbespaßung darauf beschränkt, einmal um den Block zu laufen oder zum Einkaufen zu gehen?

Oder im blödesten Fall die Leute vor dem Fernseher zu parken, damit man pflegerisch hinterher kommt? Was hat das denn noch mit normalität zu tun?

Jeder normale Mensch, der nicht behindert ist, bespaßt sich doch auch irgendwie anders. Sitzt nicht nur in der Wohnung. Besucht Konzerte oder Festivals, geht ins Kino, geht zum schwimmen oder verabredet sich mit Freunden auf ein Bier. Was hat ausschließlich in der Wohnung sitzen noch mit normalität zu tun?

Meiner Überzeugung nach, rein gar nichts. Und das war auch der Grund, weswegen ich das Handtuch geschmissen habe. Ich wollte nicht nur pflegen, sondern mich auch mit den Personen selbst beschäftigen. Ihnen eben ein normales Leben liefern.

Warum ich nicht bis zur Rente bei einem mobilen Pflegedienst arbeiten werde oder möchte.

Der mobile Dienst gefällt mir an und für sich ganz gut. Ich finde es eigentlich echt Spaßig, für mich zu arbeiten und mit dem Auto die einzelnen Standorte anzufahren. Auch die Leute sind total lieb und auch nett und ich arbeite gerne mit ihnen zusammen.

Es war auch gut, dass ich mich datzu entschieden habe, dort anzufangen. Mir das ganze anzusehen, sonst wären mir wohl nie bestimmte Erkenntnisse gekommen.

Wurde mir schlagartig wieder bewusst, warum ich eigentlich HEP geworden bin. Weil ich nicht ausschließlich pflegerisch tätig sein wollte. Mir wurde schlagartig auch wieder klar, wie einsam viele alte Menschen sind.

Und in diesem zuge tun mir diese Menschen so unendlich leid. Während meiner Tour komme ich lediglich um die tägliche Pflege zu übernehmen. Die Zeit, mich einfach mal mit den Leuten hinzusetzen und mich mit ihnen zu unterhalten, habe ich nicht. Sonst verzieht es mir bis ins Unendliche die Spur.

Und es tut mir dann immer so schrecklich leid. Die Leute haben niemanden mehr mit dem sie sich unterhalten können. Der Pflegedienst ist teilweise der einzige oder einer der wenigen Kontakte die sie noch haben. Und dann hast du nicht mal wirklich Zeit dich mit ihnen auseinander zu setzten. Und das macht mich so unendlich traurig.

Außerdem halte ich es wohl, psychisch gesehen, nicht lange aus, den Leuten beim sterben zu zu sehen. Das gehört dazu, dass Leute aus der Tour sterben oder ins Altersheim kommen. Langfristig ist es aber wirklich so, dass mich das mitnimmt. Und es mir letztlich auf die Psyche schlagen wird.

Fazit

Aus all diesen Faktoren heraus, entstand dann eine Grundidee. Wieso nicht als Heilerziehungspfleger selbstständig machen? Zum einen gefällt mir die fahrerei, zum anderen möchte ich aber auch pädagogisch mehr arbeiten. Warum das ganze dann nicht koppeln?

Somit würde ich das, was mir wirklich Spaß macht, zu einem zusammenfügen. Und schon war eine Entscheidung getroffen. Die Entscheidung mich tatsächlich als mobiler HEP auf eigene Füße zu stellen.

Aber, es wird nicht ganz einfach. Der Weg wird noch recht Steinig, bis ich dort ankomme, wo ich hin möchte. Es hängen da tatsächlich sehr viele Faktoren mit dran, die Berücksichtigt werden müssen.

Von heute auf morgen geht das definitiv nicht. Mehr dazu, gibt es in einem weiteren Beitrag, der Bald erscheinen wird.

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