Wenn alles Wankt

Donnerstag vomittag.

Die Schmerzen im Rücken sind inzwischen unerträglich. Die Muskulatur fühlt sich schmerzhaft verkrampft an. Beinahe so, als hätte jemand die Muskeln genommen und würde jetzt zudrücken.

Die letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen. Wusste nicht wie ich mich hinlegen soll. Schmerzmittel haben nur bedingt geholfen.

Seit mehreren Tagen schlafen mir immer wieder die Hände ein. Kopfschmerzen, Schwindel und manchmal ein stechender Schmerz, machen die ganze Sache nicht gerade besser.Mittlerweile kommt mir das spanisch vor. Irgendwas stimmt doch da nicht.

Versuche den Hausarzt zu erreichen. Was sehr langwierig wird, die Leitung ist gefühlt in Dauerschleife belegt. Irgendwann komme ich durch. Werde auf den nächsten Tag vertröstet. Denn heute haben sie leider keine Kapazität mehr, mich einzuschieben.

Die Schmerzen werden über den Tag immer schlimmer. Gerade dann, wenn ich zu lange sitze oder stehe. Irgendwann greife ich doch zum Schmerzmittel und erhöhe auf 600 mg. Es macht die Sache zumindest ein wenig erträglicher.

Freitag vormittag

Mehr erschöpft als erholt rolle ich mich aus dem Bett. Auch diese Nacht war von Schmerzen geprägt und das totzt Schmerzmitteln. Ich greife zum Telefon und Rufe, wie am Vortag mit der Arzthelferin vereinbart, nochmal beim Hausarzt an um den Notfalltermin auszumachen.

Diesen bekomme ich am späten Vormittag. Im Wartezimmer sind noch ein paar Leute vor mir dran. Weil ich nicht weiß wie ich mich am besten hin setzen soll, fang ich an verschiedene Positionen auf dem Stuhl auszuprobieren.

Die anderen Patienten beobachten mich deswegen etwas irritiert. Mir immer noch nicht schlüssig welche Position jetzt die beste war und 20 Minuten später, werde ich beim Arzt vorstellig.

Nach einigen Fragen und Tests fällt die Aussage des Arztes „Frau B. sie haben, höchstwahrscheinliche, einen Bandscheibenvorfall in der HWS. Klar sagen kann man das aber erst nach einem MRT. Sicher ist jedenfalls, dass in irgendeiner Form ein Schaden an der HWS vorliegt.“

Mit einem Stapel an Zetteln, darunter Überweisungsscheine an Fachärzte, Rezepte und eine Krankmeldung, verlasse ich die Praxis wieder. Mir schwirren so viele Gedanken durch den Kopf.

Es hallen die Worte des Arztes nach. „Versuchen Sie sich in der Zeit in der sie Krankgeschrieben sind zu erholen. Langfristig gesehen sollten Sie sich aber auch Gedanken über einen möglichen Jobwechsel machen.“

Mir war klar was mit Jobwechsel gemeint war. Raus aus der Pflege. Was im Umkehrschluss eigentlich auch bedeutet, den neuen Job an den Nagel zu hängen.

Es krampft sich alles zusammen. Allein schon der Gedanke daran, nach zwei Wochen, in der Arbeit anrufen zu müssen um mich krank zu melde, verursacht Bauchschmerzen und ein mulmiges Gefühl.

Letztlich kann ich es aber auch nicht mehr ändern. Es ist wie es ist. Durchquälen will ich mich ehrlich gesagt auch nicht. Damit tue ich keinem einen Gefallen. Am wenigsten mir und meinem Rücken. Mal davon abgesehen, würde es die Situation nicht besser sondern wahrscheinlich eher schlechter machen.

Zu Hause wähle ich die Geschäftsnummer. Mir war dabei nicht wohl. Die Begeisterung am anderen Ende der Leitung hielt sich durchaus in Grenzen. Hatte ich aber nicht das Gefühl mir würde man deswegen gleich ins Gesicht springen.

Später fingen die Gedanken erneut an zu kreiseln. Letztlich besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass der Arbeitsvertrag gekündigt wird. Allein schon aus der Tatsache heraus, dass ich noch in der Probezeit bin und es bei einer Kündigung nicht mal einen Grund bedarf, warum und wie so.

Verübeln kann man das in so einer Situation aber keinem. Letztlich sitze ich jetzt hier, Kostet das Unternehmen Geld, bringe derzeit aber keinerlei Leistung.

Aber wo soll ich denn dann hin? Ich habe keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Möchte ich auch meinem jetztigen Arbeitgeber nicht unnötig auf der Tasche liegen. Arbeitslos sein wäre für mich aber gerade der finanzielle Supergau.

Samstag

Gegen 9 werde ich wach. Wie ich es fertig gebracht habe, bei dem gestrigen Lärm der über mir herrschte, bereits auf dem Sofa einzuschlafen und nur deswegen aufzuwachen weil er Fernseher sich ausgeschaltet hat, ist mir beinahe ein Rätsel. Vermutlich liegt es aber an den ganzen Medikamenten, die ich gerade nehme.

Vermietersohn hatte vor ein paar Tagen Geburtstag und hatte nichts besseres zu tun, als seine Saufparty bei Vermietern zu feiern, anstatt in seiner eigenen Wohnung. Weswegen er dann letztlich ausgezogen ist, ist mir ein Rätsel.

Freundlicherweise gab es keine laute Discomusik. Das geplärre, was mit Raumlautstärke nichts mehr zu tun hatte, ging mir trotzdem gewaltig gegen den Strich. Wollte ich einfach meinen Frieden haben. Die Party läuft aber mindestens noch bis 4. Danke auch.

Also doch wieder mit Ohrenstöpseln schlafen. Wäre ja nicht das erste mal. Bekomme ich halt um mich herum nichts mehr mit. Selbst den Wecker höre ich dann nicht mehr klingeln. Läuft bei euch. Wie war das nochmal mit gegenseitiger Rücksichtnahme?

Kurzzeitig hatte ich gestern Abend tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, Klingelterror zu machen und was zu sagen. Entschied mich aber dagegen. Hat die letzten male ja auch so wahnsinnig viel gebracht. Nicht.

Vormittags ließ mich mein Rücken noch ein weilchen in Frieden. Beziehungsweise waren die Schmerzen noch nicht so stark, dass ich ein Schmerzmittel hätte einwerfen müssen.

Gegen Mittag ging es dann aber nicht mehr. Waren die Schmerzen nicht mehr dumpf, sondern eher unerträglich.

Trotz anhaltender Müdigkeit, die vermutlich von dem Muskellösenden Medikament kommen, fühle ich mich ruhelos. Wandere immer wieder in der Wohnung auf und ab, setzte oder lege mich aufs Sofe. Um einige Zeit später wieder herum zu wandern.

Stiere immer wieder, völlig Planlos auf mein Handy. In der Hoffnung irgendwer würde mir schreiben. Der Diesplay bleibt aber leer.

Versuche immer wieder das gedankliche Chaos, gerade wie es Beruflich weiter gehen soll, unter kontrolle zu bekommen. Eigentlich hätte ich in der Hinterhand noch zwei Optionen.

Entweder zurück zum alten Arbeitgeber und dort nur noch mit Hilfsmitteln arbeiten. Oder eben das Kleingewerbe nicht mehr im Nebenerwerb sondern im Haupterwerb zu machen.

Was das Kleingewerbe angeht, muss ich mir derzeit selber noch etwas Zeit geben. Die Idee und das grobe Gerüst stehen zwar schon, aber so ganz ausgegohren ist die Sache dann noch nicht.

Mal davon abgesehen, wird anfangs die Auftragslage noch nicht ausreichen um meine Laufenden Kosten komplett abzudecken. Was heißt ich brauche irgendwo ein Einkommen, dass meinen Lebensunterhalt solange finanziert, bis sich nicht nur mein Unternehmen selber trägt sonder auch mich noch mitziehen kann.

Egal wie ich es heute drehe und wende, auf einen grünen Zweig komme ich gerade nicht wirklich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s