Wie ich zum Fotografieren kam Teil 2

Irgendwann im Mai 2016. Wir befanden uns im Landeanflug auf Dublin. Ich war aufgeregt, freudig aufgeregt. Aufgeregt auf Irland. Aufgeragt auf alles. Vielleicht auch ein bisschen aufgeregt, weil dieser Flug erst der zweite Flug in meinem Leben war.

Am Flughafen angekommen, mit einem riesen Koffer und einer Tasche für Handgepäck, stolperte ich wie ein Tollpatsch meiner Mitreisenden hinterher. Ich hatte keine Ahnung von nichts. War völlig von allem überfordert. Völlig damit beschäftigt, bloß meine Mitreisende nicht zu verlieren. Ansonsten wäre ich mal richtig aufgeschmissen gewesen.

Irgendwann fanden wir uns in einem Bus wieder. Und irgendwann standen wir in unserer Unterkunft, die wir über Booking.com gebucht hatten, nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit durch das dunkle und nasse Dublin gestiefelt waren.

Was mir vielleicht auch nur deswegen so vor kam, weil ich völlig planlos war und mich in dieser Hinsicht, total auf meine Mitreisenden verlassen hatte. Ganz nach dem Motto, die macht das schon, also brauch ich selber nicht mehr denken. Rückblickend betrachtet, eine ganz tolle Einstellung. Nicht.

Den ersten Tag verbrachten wir damals in Dublin. Sowohl bei Tag, als auch bei Nacht, wobei ich hier klar sagen muss, damals hatte ich eine ganz andere Vorstellung von Dublin.

Ich habe Dublin immer ein bisschen mit London verglichen, weswegen ich dann doch ein bisschen enttäuscht war. Dublin ist zwar durchaus eine belebte Stadt. Aber nicht zu vergleichen mit London.

Nach Dublin folgte dann noch Belfast und das wars dann in dieser Zeit auch schon mit den Städten. Danach folgten viele kleine Dörfer und viel, naja wie formuliert man das jetzt am besten. Landschaft. Einöde. Unbesiedeltes bzw. wenig besiedeltes Land. Irgendwann gewöhnt man sich dran.

Und wie hätte es auch anders kommen sollen. Ich stand dann also da. Am Strand. In der Pampa. Auf einem Felsen. In einer Weise. Mit meiner Camera und meinem Stativ in der Hand. Starrt blöd vor mich hin. Hatte keine Ahnung von nichts. Und mir wurde schlagartig klar. Nur drauf halten und den Auslöser drücken ist nicht.

Ein paar Meter weiter, meine Fotofreundin. Völlig souverän fing sie an, ihren Rucksack auszupacken. Ihre Kamera aufzubauen. Ich sah sie am Objektiv rumfurwerken. Irgendwelche Knöpfchen drücken. Irgendwelche Rädchen drehen. Filter wechseln. Stehen. Warten. Bild begutachten.

Das war der Moment, in dem mir wiederholt klar wurde: Fotografieren ist mehr als nur drauf halten und Knöpfchen drücken. Aber wie zum Teufel macht sie das?!?!

Irgendwann schien ich mich aus meiner Salzsäulenformation zu lösen. „Du sag mal, was genau hast du da denn jetzt eigentlich gemacht?“ Und so begann der Lauf der Dinge. So begann es, dass mir meine Fotofreundin vieles zum Thema Fotografieren beibrachte.

Angefangen bei Belichtugnszeit, Verschlusszeit und Iso. Bis hin zur Verwendung von Filtern und Selbstauslösern. Anhand dieser Basis, habe ich mir dann über die letzten Jahre immer mehr selber beigebracht.

So weiß ich mittlerweile, dass ich bei Sonnenschein, am Meer, die Blende zu machen muss und die Belichtungszeit Verkürzen. Weil durch das Sonnenlicht und die Spiegelung des Wassers, dass Bild sonst zu überbelichtet wird. Benutze ich bei Wasser filter, wird das Wasser neblig oder glatt. Hier muss ich dann aber wieder in die Langzeitbelichtung gehen um diesen Effekt zu erzielen.

Genau so ist mir inzwischen klar, dass ich des Nachts, gelinde gesagt, die Blende aufreiße und die Belichtungszeit verlängere, damit ich ein nicht zu dunkles Bild erhalte.

Aber aufgepasst, Belichtung funktioniert aus der Hand heraus nur bis zu einem gewissen Grad (ich kann es nur bis etwa zu einer 60tel Sekunde), alles was dann darüber hinaus geht also länger wird, verwackelt. Heißt im Umkehrschluss, entweder steige ich auf ein Stativ um, um eine längere Belichtung machen zu können ohne zu verwacklen.

Hast du aber eine Situation, in der es schnell gehen muss, du also nicht Hundert versuche für eine Langzeitbelichtung mit Stativ hast, hau den Iso hoch!

Ich erinnere mich noch gut, wie das alles so lief. Anfangs konnte ich zum einen gar nicht verstehen, wieso man ewig an einem Ausgangspunkt bleiben musste um zu fotografieren. Weil ich selber den Blick bzw. die Fähigkeiten noch gar nicht hatte.

Mit jedem Tag mehr, den wir aber unterwegs waren, fing ich an die ganze Materie besser zu verstehen. Musste auch nicht mehr ständig wegen jedem. Sch……nachfragen, wie das jetzt geht.

Ich glaube meine Mitreisende war irgendwann auch froh, als ich nicht mehr ständig wegen jeder Einstellung gefragt habe, wie das funktioniert und was ich jetzt machen muss.

Irgendwann hat mir das sogar richtig spaß gemacht. Und irgendwann war ich auch an dem Punkt, an dem ich plötzlich immer mehr Perspektiven ausprobiert habe. Ich nicht mehr nach 5 Minuten schon fertig war. Sonder noch ein paar andere Perspektiven probieren musste.

Kurzum. Wenn du es irgendwann gerallt hast. Hast du a) einen ganz anderen Blick für die Dinge. Bzw. ein Auge für Objekte die es Wert sind Fotografiert zu werden. b) hörst du irgendwann auf, immer aus ein und der selben Position zu fotografieren. c) macht es irgendwann einen riesen Spaß, wenn du weißt was du zu tun hast.

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