Corona-Weihnachten 2.0

Die Weihnachtsfeiertage sind gerade in vollem Gang. Die Völlerei hat sozusagen begonnen. Und ich muss sagen, dieses Jahr hat Weihnachten tatsächlich, trotz Fresserei, irgendwie was von besinnlich. Kein ewiges rumgerenne. Keine Verpflichtungen. Kein Gerenne irgendwelche Verwandten besuchen zu müssen oder dergleichen.

Es ist einfach gerechtfertigt zu futtern und dann gemütlich mit Glühwein auf dem Sofa zu meditieren und sich zum fünften mal die Feuerzangenbowle anzusehen. Und wenn man gegen 20:15 Uhr das Bedürfnis hat, sich hinzulegen, dann ist sogar das okay. Weil man sich nicht mehr um Besuch kümmern muss.

Irgendwie hat diese ganze Corona-Weihnacht schon irgendwie was für sich. Wie beschreibt man das am besten? Wahrscheinlich trifft entschleunigt das ganze recht gut. Wenn man mal davon absieht, dass mir gestern Abend irgendwann Vermieter, wieder mal, gekonnt auf den Zeiger gegangen sind.

Habe versucht mich einfach nicht aufzuregen. Einmal. Wenigstens an Weihnachten nicht über den Geräuschpegel und Co aufregen. Zu Hundert Prozent hat es nicht funktioniert. Vermutlich habe ich deswegen anfänglich auch nicht besonders gut geschlafen.

Weil mein Stresspegel, allein bei der Autoschlange die an der Straße stand, von 0 auf 100 in zwei Sekunden war. Und Stresspegel aufgrund von Lärm von 0 auf 100 in 1 Sekunde. Das soll mir mal einer nachmachen. Wenn man das ganze aber mal auseinander nimmt, braucht man sich nicht mehr wundern, warum es einem, wegen langanhaltendem Stress, irgendwie nicht zu 100 % gut geht. Stress macht bekanntermaßen irgendwann auch krank.

Aber gut, die Gesamtsituation ist nicht gerade die beste. Auf die Wohnung bezogen. Mittlerweile sitze ich mit drei Katzen auf 40 qm. Was schlichtweg einfach zu eng ist. Darüber hinaus, gibt es einfach so viele Dinge, die mich mittlerweile derartig nerven. Angefangen bei der Küche, die meiner Meinung nach, aus irgendeinem Schuppen gezogen wurde, weil man kein Geld ausgeben wollte. Ich bin ja eigentlich nicht pingelig, dass ist aber fast schon grenzwertig.

Wenn ich aber ehrlich bin, ist es schon nervig, wenn dein Backofen nur Ober und Unterhitze kann, dass Nudelwasser gefühlt 15 Minuten braucht bis du Nudeln überhaupt kochen kannst, es dir die Hauptsicherung spickt, sobald du drei Herdplatten gleichzeitig benutzen willst und auf der Arbeitsplatte nicht mal ein anständiges normalgroßes Schneidebrett platz hat. Von der Spülmaschine, die mitten in den Raum hinein steht, weil zwar Anschlüsse vorhanden sind die Küche selber aber gar nicht auf eine Spüli ausgelegt ist, will ich gar nicht erst anfangen.

Aus Ermangelung einer Abstellkammer oder eines Kellers (ich bin ja bekanntermaßen der Keller) ähnelt meine Wohnung oft einer Rumpelkammer. Der ganze Krempel für den Wertstoffhof steht in der Wohnung. Ziemlich geil (nicht) Müll in der Wohnung stehen zu haben, ist auch so wunderbar dekorativ (obwohl ich es mit Dekorieren ja eigentlich überhaupt nicht habe).

Mal abgesehen davon, fliegt man ständig über irgendwas drüber, was eigentlich schon auf dem Wertstoffhof sein sollte. Wegen Corona habe ich dazu aber gerade keine Nerven. Aktuell steht man sich ja fast die Autoreifen in einer ewigen Schlange platte, bis man überhaupt mal auf das Gelände der Entsorgungsstation gelassen wird.

Nebst Müll und Krempel finden sich weiter noch so Dinge wie Putzzeug und Staubsauger, die inzwischen zur Deko missbraucht werden, wenn sie nicht in betrieb sind. Spätestens dann, wenn ich Wäsche aufhänge, ist es in der Wohnung so eng, dass man seinen Hintern drauf verwetten kann, irgendwo drüber zu stolpern. Ein Trockner existiert nach wie vor nicht, da kein Anschluss nach Draußen. Und von Kondenstrocknern, weiß ich nicht was ich halten soll.

Das Schimmelthema habe ich inzwischen, dank Bautrockner (Luftentfeuchter), mittlerweile ganz gut im Griff. Wenigstens etwas. Dafür wurde es mittlerweile zur Gewohnheit, dass der LKW vom Nachbarn, morgens um 7 und laufenderweise vor meinem Fenster abgestellt wird. Besonders prickelnd ist das, wenn man am Vortag erst gegen halb 11 von der Arbeit kam und dann frei hat. Eigentlich habe ich an meinem freien Tag nicht vor, bereits um 7 Uhr morgens aufzustehen oder wach zu sein.

Über Vermieter möchte ich gar nicht mehr anfangen. Da habe ich mich über die letzten Jahre schon zu viel aufgeregt. Aufgeregt über den Lärmpegel, der mittlerweile massiven Stress verursacht, bis hin zu zugeparkten Parkplätzen und ich musste mir dann was neues ausdenken. So an und für sich sind sie glaub schon okay. Eigentlich lassen sie mich im großen und ganzen einfach in ruhe und machen. Manchmal habe sie aber schlicht weg dubiose Anwandlungen und man könnte gerade meinen, man hätte über sich eine Bande halb pubertärer Monster über sicher.

Worauf ich eigentlich raus wollte? Nun ja, darauf das man auf sich selbst achten muss. Stress vermeiden und so weiter. Achtsamkeit eben. Momentan bin ich schlichtweg einfach wieder an den Punkt angekommen, an dem ich anfange eine Reißleine nach der anderen zu ziehen. Wie damals, als ich die Trennung hinter mir hatte und alle Leute aus meinem Leben geschossen habe, die mir offensichtlich nicht gut getan haben, zu ihnen einfach den kontakt abgebrochen habe.

Wie Damals, als es mir in der „neuen“ Arbeit nicht gut ging, ich aufgehört habe mir einzureden ich hätte nur was drauf, wenn ich eine Leitung hätte. Die Leitung geschmissen, die geregelten Arbeitszeiten in den Wind geschossen und gegen Schichten und ein gut funktionierendes Team zurück getauscht.

Angefangen meine Ernährung über den Haufen zu werfen und mehr Sport gemacht. Grundlegend meine Prios anders gesetzt und anders an die ganze Sache ran gegangen. Viel gemacht was mir Spaß macht und mir gut tut.

Dann kam irgendwann Corona, mir ist auf den kecks gegangen und ich dachte, meine Unzufriedenheit, meine innere Unruhe aber auch meine Ausgelaugtheit würden sich damit regeln, wenn ich zwischendurch den Job wechseln würde. Was aber, dass weiß ich inzwischen auch, nicht meine beste Idee war. Allerdings hat mich hier mein Körper, sehr gekonnt drauf hingewiesen, dass ich hier an der falschen Stelle gemeint habe was ändern zu müssen. Rückwärtsgang rein, zurück zu den Wurzeln.

Inzwischen bin ich zu folgendem Schluss gekommen, nachdem das Thema mit den über mir wohnenden ja schon ewig und drei Tage anhält, sollte ich vielleicht die Ursache hier suchen. Und wenn man so drüber nachdenkt, war es wirklich eine gute Idee, sich ein Eigenheim zu zulegen. Sich bewusst dazu zu entscheiden, etwas zu kaufen. Der Miete langfristig den Rücken zu kehren und in eine Immobilie zu ziehen, die ich nach meinen Wünschen gestalten kann.

Eine Immobilie, die Flächenmäßig größer ist. Einen Garten, statt betoniertem Hof hat. Eine Wohnung die ganz außen liegt, über der keiner drüber Wohnt, da das was über mir ist eine Terrasse ist. Eine Wohnung die keine Kellerwohnung mehr ist. Einen Keller mit dabei hat und die Wäsche im Wäschekeller landet.

Eine Wohnung mit einer Küche die ich mir ausgesucht habe. Eine Küche mit anständig Arbeitsfläche und einer Spülmaschine die eingebaut ist und nicht mitten im Raum steht. Ein Induktionskochfeld inklusive und einem Backofen auf Arbeitshöhe, der sowohl Ober- und Unterhitze als auch Umluft kann und vielleicht sogar noch eine Schnellheizfunktion hat.

Und das aller wichtigste, ich muss mir den scheiß mit jemandem über mir nicht mehr antun. Das getrampel, dass Gebrüll. Den Geräuschpegel, der durch die ewigen Fließen massiv verstärkt wird. Ein Haus mit anständigem Schallschutz und Holzböden statt Fließen im Wohnbereich. Ich freue mich regelrecht auf den Tag, an dem ich an der Türe von Vermietern klingele und sage „Ich kündige und ziehe bis zum so und so vielten aus“

Ich freue mich aber noch mehr auf den Tag, an dem ich alles in einen Transporter gepackt habe und tatsächlich, erhobenen Hauptes meine Zelte auf nimmer wiedersehen abbreche. Und sich jemand anders damit auseinandersetzten kann. Dazu werde ich auch nicht mehr viel kommentieren. Ich bin dann halt einfach weg. Und hoffe darauf, dass sie es mit dem folgenden Mietern nicht so gemütlich haben und mein Nachfolger sich einfach fünf Meter mehr dazu durchringt und sich vielleicht wegen jedem Scheiß beklagt.

Bis es soweit ist, dass ich mich meiner Stressquelle entledigen kann, heißt es Ohren Steif halten, es sind nur noch ein paar Monate bis dein neues Heim Fertig ist. Und das gehört dann auch noch dir. Irgendwann. Wenn sie abgezahlt ist 🙂

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