10 Jahre sozialer Bereich und jetzt?

Mehr als 10 Jahre ist es inzwischen her, als ich damals die Kochlehre geschmissen und im sozialen Bereich gelandet und hängen geblieben bin. Angefangen als mies bezahlter Vollzeit Praktikant, andererseits froh drum, als Praktikant überhaupt Geld zu bekommen. Ist jetzt auch nicht so selbstverständlich, als Praktikant überhaupt vergütet zu werden. Mit knapp 400 Euro machste allerdings keine großen Sprünge. Billige Arbeitskraft trifft es wahrscheinlich eher.

Zwei Jahre später, folgt die Ausbildung, die zwar besser vergütet wurde, als das Praktikum, hätte allerdings besser sein können. Blöd gesagt: Besser bezahlte, billige Arbeitskraft. Wenn man so will. Aber gut. Besser überhaupt eine Ausbildungsvergütung als gar keine. Zu Zeiten der Kochausbildung bekam ich, offen gestanden, weniger.

Vor einigen Jahren dann der Abschluss, von heute auf morgen bist du dann also Fachkraft ob du willst oder nicht. Es heißt dann nicht zu selten: Dann mach mal. Du bist ja jetzt ne Fachkraft. Vieles wird von dir einfach erwartet, dass du tust, kannst machst. Wo ich mich oft genug fragte: Was erwartet ihr denn von mir? 23 Jahre Jung aber 30 Jahre Berufserfahrung? Im Alltag wird oft viel erwartet, aufgrund des Fachkraft Status, auf dem Lohnzettel wird dir aber klar unter den Rüssel gehalten: Du bist Berufsanfänger!

Die Ausbildung war phasenweise echt zäh und ich habe nicht all zu selten darüber nachgedacht, alles hin zu werfen. Mir immer wieder sagen musste „Zieh es verdammt nochmal durch! Jetzt bist du schon so weit gekommen. Und nochmal komplett von vorne anfangen, willst du eigentlich nicht.“ Irgendwann hieß es dann also Hep Hep hurra!

Eine Vollzeitstelle, jagt die nächste. Lohn ist meistens okay. Aber nicht überall. Kommt oft drauf an, in welchem Bereich oder bei welchem Träger du landest und was für einen Vertrag du bekommst usw. Kann dann teilweise schon ganz schön schwanken. Von einheitlich kann nicht immer die Rede sein, außer du wirst nach Tarifvertrag bezahlt. Beschweren konnte ich mich aber nie so wirklich. War in Ordnung. Trotzdem: Du Buckelst dir nen Wolf, reich wird man davon allerdings nicht.

Die Jahre gehen ins Land. Habe mich mittlerweile auf den Wohnbereich eingeschossen, gerade mit schwerbehinderten Menschen, dass taugt mir. Irgendwann stelle ich fest: Die Schichterei hat was und gefällt mir zunehmend besser. Geregelte Arbeitszeiten im Sinne von Montag – Freitag von bis, sind schon lange nicht mehr meins.

Irgendwann kommst du aber an den Punkt, an dem du dich zwangsläufig fragst: Du sag mal, was meinst du eigentlich wie lang du das noch machen kannst? Du siehst Kollegen, die ihre Arbeitszeit redzuieren, Langzeitkrank, immer wieder krank, Unruhe im Team durch ständigen Personalwechsel. Meistens aufgrund von Überforderung, Stress, Überbelastung, Berufskrankheiten usw.

Warum ich mich das frage? Nun gut, mein Job macht mir Spaß. Keine Frage. Inzwischen kann ich vieles aber nachvollziehen. Nachvollziehen, warum Kollegen das Handtuch werfen. Du bist im Prinzip einer ständigen Belastung ausgesetzt. Körperlich wie auch psychische.

Körperliche Belastung durch Pflege und der gleichen. Psychische Belastung durch Angehörige, schwierige Bewohner. Stress durch, Personal ausfälle, Mehrarbeit, Zeitdruck weil du fertig werden musst jeder aber irgendwo Zeit in Anspruch nimmt, es dir dadurch die Spur verzieht, manchmal mehr manchmal weniger. Man aber hier immer bedenken muss:

Man hats hier mit Menschen zu tun. Da sind manche Dinge nicht berechenbar. Du kannst hier nicht einfach Knöpfle drücken und den Ordner zu klappen und machst am Montag weiter. In der Hoffnung das sie Montag halt noch leben.

Corona macht das ganze natürlich nicht zwangsläufig leichter. Regeln über Regeln, bei denen du irgendwann nicht mehr weißt was jetzt eigentlich Sache ist. An was musst du dich eigentlich noch halten? Heute heißt es so, vorgestern hieß es aber noch ganz anders. Übermorgen kann sich alles schon wieder geändert haben.

Bewohner so wie Mitarbeiter sind gestresst und genervt. Sitzen nur noch beim Arbeiten. Abwechslung gibt es nicht mehr. Du hast zunehmend das Gefühl, eine Gesellschaft und Gemeinschaft gibt es nicht mehr. Als Toping oben drauf, machen Angehörige zusätzlich aus einer Mücke einen Elefanten. Suchen sich regelrecht Probleme, wo keine sind. In der aktuellen, doch recht explosiven Situation, nicht gerade von Vorteil. Meine Meinung.

Manchmal habe ich Tage, an denen ich mir denke: Naja, irgendwie hätte ein Bürojob jetzt gerade doch was. Zum Feierabend hin, fährst du den PC runter und gut ist. Du tippst Stupide irgendwas im PC ein. Aber man lässt dich einfach in frieden. Vermutlich hätte ich damit gerade weniger Stress an der Backe.

Und wieder frage ich mich: Warum mache ich das eigentlich und wie lange werde ich es überhaupt noch machen können? Vorallem, wenn man das Rückenproblem mit in betracht zieht. Lang geht das glaube ich nicht mehr gut. Zumindest bezweifle ich es zunehmend.

Letztlich heißt es: Irgendwas muss sich ändern. Ideen hätte ich genug. Aktuell scheitert es aber an der Umsetzung. Vielleicht auch daran, dass ich Dinge oft anfange aber nicht zu Ende bringe.

Wird sich zeigen was passiert. Was klar ist: Es muss sich was ändern. Und ich muss einfach durchziehen und nicht frühzeitig aufhören…..

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