Wenn Warten zäh wird.

Die Kistenstapel in meiner Wohnung werden mit fortschreitender Zeit immer mehr. Was der kleinen Wohnung einen zunehmend Chaotischen Charakter verleiht. Aber nicht nur das, es wird zunehmend beengender, zwischen den Kisten zu wohnen.

Nein, ich löse meine Wohnung aktuell nicht auf um dann auf Weltreise zu gehen oder mich wo anders hin abzusetzten. Auch wenn ich den Gedanken schon öfter hatte, alles stehen und liegen zu lassen und unterwegs zu sein. Gefällt mir die Idee sogar ein bisschen. Aber nein, meine Möbel und Utensilien werden nicht in einen Lagerraum wandern. Und ich gehe nicht auf Weltreise.

Warte ich einfach nur darauf, dass die neue Wohnung endlich fertig wird. Wegen Corona kommt es aber immer wieder zu Verzögerungen. Dafür kann der Bauträger aber nichts. Sagen wir mal so, dass ist eine höhere Macht, auf die keiner einen Einfluss hat.

Dennoch wird es zunehmend zur Zerreißprobe. Wann kann ich umziehen? Wie lange werden sie noch brauchen? Wird es sich nochmal verzögern? Klappt es dieses Jahr noch? Die Unwissenheit ist das schlimme an der ganzen Geschichte. Zwar zu wissen, dass man da was hat. Aber auch das wissen nicht zu wissen wann man die Zelte wirklich endgültig abbrechen kann. Und um so länger es dauert, desto zäher wird es.

Um so mehr ärgere ich mich über meine Möbel, die nach und nach den Geist aufgeben. Teilweise auch Möbel die ich eigentlich ursprünglich Übergangsweise noch mitnehmen wollte. Mittlerweile habe ich das Gefühl, mit kaum etwas umzuziehen. Und mehr Fahrten auf den Wertstoffhof zu machen, als das ich Möbel in die neue Wohnung fahren würde.

Was beinahe ein bisschen das Feeling von 4 Jahren aufkommen lässt. Als die, für mich, toxische Beziehung zu ende ging. Ich knall auf Fall ausgezogen war und komplett ohne Möbel da stand. Nur wenige Dinge sind mir geblieben, aber wohl eher aus dem Grund raus, dass der Gegenpart sie nicht mehr haben wollte. Weil sie nicht in die Wohnung passen würden. Vom Style her.

Da saß ich damals also. Mit einem Haufen ausrangierter Möbel von Freunden, Bekannten und Verwandten. Fühlte mich ein bisschen wie eine Abladestation für Möbel, die keiner mehr haben wollte. Erinnere mich noch an Aussagen wie „Du ich hätte da ne Kommode übrig, kannst die brauchen?“

Übergangsweise ist das auch okay so. Anfangs war ich auch froh, überhaupt was zu haben. Mit der Zeit fühlte ich mich aber zunehmend unwohl. Nichts hat so recht zusammengepasst. Alles war komplett zusammengewürfelt. Teilweise für die Größe und den Schnitt meiner Wohnung viel zu Wuchtig. Hatte man teilweise das Gefühl, von einzelnen Möbelstücken erschlagen zu werden. Irgendwann habe ich die Motten bekommen. Wurde völlig wahnsinnig. Zack ins Möbelhaus, Hänger organisiert, alte Möbel auf den Wertstoffhof. Neue Möbel abgeholt und versucht im alleingang aufzubauen. Ich kann das schließlich. Ich brauch auch niemanden.

Hat ganz gut so funktioniert. Und jetzt? Jetzt sitze ich da. Vor einem Haufen Kisten. Vor einem Schrank, bei dem die Schubladen rausbrechen und den der Verflossene nicht behalten wollte. Weil er ihm nicht mehr gefallen hat. Vor einem Esstisch, der eigentlich nur noch hält, solange man ihn an der Wand stehen lässt und den Umzug nicht mehr überleben wird. Aber was will ich von einem 70 Euro Pressspahntisch auch erwarten? Von dem inzwischen durchgebrochenen Sofa will ich gar nicht erst anfangen.

Mancher wird sich jetzt denken, ja dann kauf dir doch neue Möbel, stell dich nicht so an. Ja, habe ich auch vor. Was mich aber daran hindert: Lohnt es sich wirklich, jetzt noch neue Möbel zu kaufen, die ich dann hier in der aktuellen Wohnung aufbaue, in wenigen Monaten aber wieder abbauen oder im ganzen irgendwie in meine neue Wohnung bringen muss? Ganz ehrlich, eigentlich habe ich darauf ja so gar keinen Bock. Der eigentliche Plan war ja auch, vor dem Umzug Möbel aussuchen und zum Umzugstermin direkt in die neue Wohnung liefern lassen und direkt dort aufbauen. Haste des gefredd nicht und nur einmal Arbeit.

Dennoch erwische ich mich zur Zeit verdammt oft, wie ich da sitze und kurz davor bin, alles über Bord zu werfen. Wieder anfange Maß zu nehmen und schon fast aus der Türe raus bin um zum Möbelhaus zu fahren. Ganz ehrlich? Es wird langsam echt zäh, mit der Warterei.

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