Wo ist die Zeit hin?

Neulich sitze ich so in meinem 40 qm Kellerkabuff und ärgerte mich, wie so oft, über Vermieter, die ich wieder über mir hörte. Warum ich mich eigentlich 4 Jahre lang, in dauerschleife über die Hellhörigkeit des Hauses aufrege aber nicht schon früher was geändert hatte, ist mir bis heute ein Rätsel

Aber wer weiß für was es gut war. Das ich so lange im Kellerkabuff gewohnt habe und mich über

  • den Geräuschpegel
  • zugeparkte Parkplätze
  • laufende LKWs vor dem Fenster
  • die Küche
  • die Spülmaschine
  • den bescheuerten Schnitt
  • keinen Abstellraum
  • Schimmel
  • keine Badewanne
  • Undichte Fenster
  • ein Treppenaußenlicht, das manchmal geht, manchmal nicht (was ich da im Dunkeln schon die Treppe runtergestolpert bin, weil der Sensor wieder nicht ging, ja hört mir auf) und manchmal 24/7 durchzubrennen scheint

so oft aufgeregt habe. Vielleicht wäre ich dann, immer noch nicht auf die Idee gekommen mir eine Wohnung zu kaufen oder sowas. Wer weiß für was es gut war. Irgend einen Sinn hatte es wahrscheinlich.

Wobei man der Fairnesheithalber schon auch sagen muss: Seit der Sohnemann ausgezogen ist, wurde es über mir schon wesentlich ruhiger. Mit Corona dann auch noch mal etwas mehr. Wobei hier dann das Phänomen der Enkelbetreuung, gegriffen hat.Eltern beide Berufstätig, Schule is nicht wegen weil Corona, gut was macht man dann mit den lieben kleinen: Man steckt sie zu Oma und Opa.

Herzlichen Glückwunsch! Ist ja schön wenn die lieben kleinen ihre Großeltern sehen können. Ich fand es aber irgendwann nicht mehr so genial. Grundsätzlich galt irgendwann

  • ich komme aus der Nachtschicht, Hütte bricht über mir zusammen
  • ich muss am nächste Morgen früh raus, wegen Frühschicht: Hütte bricht über mir zusammen
  • ich komme völlig fertig aus der Spätschicht: Hütte bricht über mir zusammen

Kein schönes Gefühl. Vorallem wenn einen irgendwann der Gedanken beschleicht: Machen die das eigentlich mit Absicht? Denen ist schon bewusst das ich im Schichtbetrieb unterwegs bin? Und ich in der Regel meine Schichten wechsle, wie andre Leute ihre Unterhosen?

Gut, darauf wollte ich aber eigentlich nicht raus. Neulich saß ich da also so in meiner Wohnung, hab mich wieder mal drüber geärgert, dass ich meinen Fernseher lauter stellen muss um meinen Film/Serie was auch immer verstehen zu können und noch was mitzubekommen. Versinke gleichzeitig in der Kule in meinem Sofa, dass mittlerweile immer mehr zusammenzubrechen scheint. Fünf Meter weiter, räumt eine der Katzen gerade meine Schrankschublade, die schief aus der verankerung häng und sich nicht mehr schließen lässt, komplett ausräumt.

Diese Schrottmühle von Schrank würde ich nur zu gerne sofort los werden. Nicht nur weil sie den Geist aufgibt und Wakelt wie ein Kuhschwanz. Handelt es sich da auch noch um eine Altlast. Blöd nur, der Schrank dient gleichzeitig auch ein bisschen als Raumteiler zwischen Wohn und Schlafbereich.

Ich saß da also neulich. Habe mich wieder geärgert. War vielleicht auch ein Stückweit genervt von der Situation. Irgendwas hat sich dann in meiner Rübe geregt. Da kam mir dann, dass ich zwar einen Bauverzug bei der gekauften Wohnung habe. Nichts desto trotz dürfte es in gut 6 Monaten soweit sein.

Es traf mich wie die Faust ins Gesicht. Echt jetzt? Nur noch 6 Monate? Und dann hat das Warten hoffentlich ein Ende? Echt? Ich hab doch letztes Jahr erst alles unterschrieben und klar gemacht. Letztes Jahr habe ich um die Zeit noch gestöhnt. Gestöhnt wie lange es noch dauert. Über 1 Jahr klingt nämlich verdammt lang. Und jetzt? Jetzt sind es nur noch ein paar Monate. Nicht mal mehr 1 Jahr.

In nicht mal 1 Jahr breche ich meine Zelte ab. Packe nach fast 5 Jahren im Keller Loch meine Koffer. Entsorge Altlasten und fange neu an. Eigentlich ein ziemlich gutes Gefühl. Auf der anderen Seite fragst du dich natürlich: Wo zum Teufel ist die Zeit nur hin? Seit fast 5 Jahren sitze ich jetzt tatsächlich hier? Mir kommt es gar nicht so lange vor. Mir kommt es immer noch so vor, als wäre ich erst gestern, völlig Hals über Kopf hier eingezogen.

Es kommt mir noch gar nicht so lang vor. Wie ich hier in der Wohnung Stand. Mit nichts außer einem Schrank, einem Fernseher und meinem Jugendbett. Mir mit der Zeit vorkommend wie eine Abladestation für ausrangierte Möbel die keiner mehr haben will. Gott war das alles zusammengewürfeltes Zeug. Ich weiß noch, irgendwann haben diese Möbel ihren Weg doch noch auf den Sperrmüll gefunden. Weil es mich so aufgeregt hat, dass nichts zusammenpasst.

In diesem Sinne, auf die letzten Monate im Kellerloch. In der Hoffnung das jetzt alles geradeaus geht und keine gravierenden Verzögerungen mehr kommen. Ob ich will oder nicht, ich werde so oder so irgendwie im Winter umziehen müssen. Kannste nur drauf hoffen, dass es der Schnee nicht all zu wild treibt.

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